Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1848)
- Date
- 1848-05-06
- Page
- Seite 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 147 - Weiteres als blos die Gefahren für die deutsche Nationalitäten Posen handle, nämlich um die Bekämpfung des Panslaviömus auch an andern Grenzen und selbst im Herzen Deutschlands, den er als einen doppelten, einen offenen literarischen, lmd einen geheimen politischen schilderte. Herr Dr. W o l f so h n nahm Sympathien für die Polen in Anspruch und bekämpfte mehrere Aeüßeruugen des Hrn. Dr. Wuttke, lvogegen dieser erwiderte. In gleichem Sinne mie Hr. Professor Haupt sprachen sich noch mehrere, namentlich auch Hr. Jellin e k aus, welcher auf Mährens und Schlesiens festes' Anschließcn an die deutsche Nationalität, andererseits auf die Gefahren des Magyarenthums für dieselben hinwies; letzteres bestritt Hr. .Georg Wigand und hielt den Panslaviömus für bedeutungsloser. Die Herren Prof. Flathe und Prof. Marbach hoben hervor, daß ein Freigeben der polnischen Theite des Groß Herzogthums Posen jetzt. weder für diese selbst noch für die deutsche Sache gut sein könne. Hr. Adv. K a i m wies nochmals auf die Nothwendigkeit nachdrücklicher Wahrung der deutschen .Interessen hin. Die Versammlung beschloß, einem von Hrn. Adv. Kaim gestellten, durch Hrn. Dr. H e i ler etwas modisicirten Anträge gemäß, durch eine osfentliche Erklärung die preußische Regierung dringend anfznfordern, bei der Ordnung der Verhältnisse des GroßherzogthumS Posen mit höchster Sorgfalt alle , Schritte zu vermeiden, durch welche die Sicherheit und Selbstständigkeit unserer deutschen Stammeögenossen gefährdet werden könnte.^ (Leipz. Abendbl.) Leipzig, 26. April. Der Frieden der Konfessionen hat wieder ein neues Terrain gewonnen. Gestern stmd hier eine Versammlung der sächsischen Lehrer aus allen Konfessionen statt. Von Seite der Israeliten waren Landau aus Dresden.und Jellinek anwesend. Es wurde besonders das Prinzip ausgesprochen: „die gesammte Volkserzichnng ist Staatssache." Nachmittags -vereinten sich viele Mitglieder der Versammlung zu einem Mate, an welchem die Israeliten natürlich nicht theilnehmen konnten. Als die Herren Landau und Jellinek .am Schlüße des Males in den Saal traten, brachte Gymnasiallehrer Köchly einen Toast auf die katholischen .Lehrer aus. -Kaum wurden die beiden Israeliten bemerkt, als Hr. Lehrer Heger aus Dresden und noch ein Anderer ■— dessen Namen uns unbekannt — die beiden israelitischen Neligionstehrer leben ließen. Beide erwiderten die Brudergrüße. Hr, Dr. Landau sprach ungefähr Folgendes: „Wenn irgend Einer der Errungenschaften der Neuzeit sich zu erfreuen hat, so ist es der .Israelit. Wir Israeliten erkennen den Werth der Freiheit um so .mehr, da wir an: längster: ur:d härtesten den Druck erfahret:. Wie freudig muß nun unser Herz bei dem Loofnngsworte: Freiheit für Alle! Einheit und Verbrüderung schlagen. Sie, meine Herren, rönnen nicht meine Gefühle errnessen, da Sie immer frei waren, wenn auch nicht unbedingt. . Wie schwellt mir die Brust, da ich heute zum ersten Mate mich im Verein mit meine:: christlichen Anttsbrüdern an den: heiliger: Interesse des gemeinsamen vaterländischen Schulwesens betheitigen kann! da ich es lebendig fühle, wie ich Ihnen, wie Sie mir angehören. Die Einheit in der Marnchfaltigkeit ist die Loosnng unserer Zeit. So speeifisch verschieden auch die Konfessionen sind,, münden sie doch alle in Eine höhere Einheit: Recht, Liebe und Freiheit! Mögen also diese Blücher: aus dem Boden jeder Konfession als Krone der Humanität erstehen., Und damit dies geschehe, spricht unser Programm aus: Unabhängigkeit der Schute von der Kirche. Das Speeisische der Konfessionen darf nicht die Schule, die als Staatsanstatt den HumanismuZ anstrebt, dominiren, wenn sich die konfessionelle Verschiedenheit nicht feindlich in: Staate geger:überstchcn soll, Einheit r:r:d Verbrüderung zerstörend. Die besonders Konfessionen mögen vielmehr ans ihren: Gebiete, .jede ans ihrem Boden die allgemeine Religiosität: Recht, Liebe und Freiheit zu fördern streben, und diese mögen die Schute und durch dieselbe den Staat beseelen. Es lebe die Einheit, es lebe die Verbrüderung!" Jellinek erwiderte: „Meine Herren! Die Stadt in deren Mauern die sächsischen Lehrer in brüderlicher Gesinnung und Eintracht sich versammelt, nimmt eine wichtige Stellung im deutschen Vaterlande ein und hat seit kurzer Zeit unzählige Bausteine zu dem Dome der deutschen Einigkeit geliefert. Gestatten Sie mir einen flüchtigen Blick aus dieses vereinzelte Material zur Basis deutscher Größe und deutschen Ruhmes. Vor wenigen Monden sah Leipzig die Männer, welche ein gemeinsames deutsches Wechselrecht bericthen. Ans materiellem Gebiete' war dies ein wesentlicher Schritt zur Einigung - und Festigung deutscher Interessen. Vor wenigen Tagen wurde der kühne Gedanke realisirt, die konfessionellen Scheidewände der Gesellschaft zudurchbrechen und über dem Grabe einer alten Zeit den Bund der Konfessionen zu schließen: ich meine den „ kirchlichen Verein für alle Religionsbekenntnisse." Er hat den Haß und den Groll, die Zwietracht und die Spaltung der Religionsbekenntnisse vernichtet, die Gespenster und 'Truggestalten der Herrschaft der Vorurtheile zu Grabe getragen. Me Konfessionen schämen sich um die eine Fahne der Verbrüderung und Achtnng. Heute haben die Erzieher der Jugend einen Bruderbund geschlossen und den konfessionellen Frieden unter einander begründet. Dieser Friede, meine Herren, ist die unerschütterliche Grundlage der deutschen Einheit. ,Die Fackel der konfessionellen Zwietracht und Lieblosigkeit hat das beste Mark deutscher Einheit verzehrt ::nd das Feuer des Hasses in die Häuser und Familien geschleudert. Leipzig, in dessen Mitte das Werk des Friedens und der Anerkennung :nit Macht und regem Eifer gestiftet wird, Leipzig, das die Fahne des Friedens für alle Konfessionen aufgepflanzl; Leipzig, 19*