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Der Orient · 1848-05-06 · Heft 19 (6.5.1848) · p. Seite 146

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 19 (6.5.1848)
Date
1848-05-06
Page
Seite 146 (sequence 3)
Language
German
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146 wohl durch den guten Geist, der in der Frankfurter Versammlung hierüber herrscht, begründet sein dürste. So läßt sich denn hoffen, daß die Zeit, in welcher man bei Ertheilung bürgerlicher Rechte nach Konfessionen fragte, vorüber sei, und die Sonne der Freiheit allen Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens leuchten möge, und auch hierbei der Wahlsprnch unseres geliebten Königs ,,Freiheit und Gesetzmäßigkeit" in seinem ganzen Umfange verwirklicht werde.. Leipzig, 21. April. Das Leipziger Abendblatt schreibt: Ucber die Beseitigung konfessioneller Mißverständnisse. Der „kirchlich e Derer n f ü r a l! e Religionsbekenntnisse" hat den in der Ueberschrift stehenden Punkt in sein Programm ausgenommen. Das Streben nach innerer Versöhnung, gegenseitiger Aufklärung und Anerkennung ist eine Errungenschaft der letzten Wochen. . Wie die Spitze des nationalen Egoismus an dem hohem Begriffe des ^Menschen" sich gebrochen, so soll der konfessionelle Egoismus zurückgedrängt werden. Die Neuzeit lehrte diese religiöse Versöhnlichkeit, und darum soll sie in diesem Blatte Jedermann an's Herz gelegt werden. Durch die staatsrechtlichen Schranken, welche bis jetzt zwischen Juden ui.id Christen gezogen sind, ist die sociale Verbrüderung dieser alten und ehrwürdigen Träger der Religion gehindert worden. Die Privilegien, welche der Staat an ein bestimmtes Religiorisbekenntniß knüpfte, erstreckten ihren Einfluß bis in die inneren Räume der Familien. Die Trennung iii der Gesellschaft gab die erste Veranlassung zu gegenseitigen Mißverständnissen. Die Schuld der Gesetzgebung wurde von beider: Seiten aus Rechnung der Religion geschrieben. Der Jude sah im Christenthnm nicht den verklärenden Strahl, der Liebe, da sie ein Ideal war, das im Leben vergebens nach einer Verwirklichung gerungen; dem Christen erschien das Judenthum als ein langes Sündenregister der Juden, als Wurzel und Quelle der gegen sie herrschenden Borurtheile. Dazu kommt das wesentlichste Moment: der Religionsunterricht. Die lebendige Empfänglichkeit des Kindes nimmt ein Bild von den Juden in sich auf, wie eö der Kampf gegen eine Erscheinung des Pharisäerthums entworfen hat. Die Feuerzunge und die gigantische Kraft eines Paulus hat allerdings ein abschreckendes Gemälde von seiner: Gegnern hingestellt. Ans dem Religionsunterrichte holen die herangereisten Jünglinge und Jungfrauen ihre Vorstellungen von dem Charakter, der Gesinnung und Anschauung der Juden überhaupt. Daß zwei Jahrtausende nicht vergebens in der Geschichte verstrichen sind, daß eine Partei ihre Gegner von einen: einseitigen Standpunkte aus anffassen muß, ist nie berücksichtigt worden — und so gelangen die Mi.ßhelligkeiten nie. 31t einer Aufklärung. So schimpft man ans den Talmud,'-ohne ihn zu kennen und ohne zu bedenken, daß die meisten Aussprüche des N. T. sich in demselben wiederfinden; ja ohne zu erwägen , daß viele Attspietungen und Hinweisungen im N. T. nie aufgeklärt worden wären, hätte uns nicht die Zeit jenes Riesenwerk trotz päbstlicher Bannbullen erhalten. Treten aber Männer-zusammen, die vom Geiste der Liebe, Verbrüderung mit) Versöhnlichkeit beseelt sind, und ohne Haß und ohne Groll ge^ meinsam an das Werk der Aufklärung schreiten, ffö wird die Liebe mit gegenseitiger Milde, die Verbrüderung mir gegenseitiger Achtung und die Versöhnlichkeit mit gegenseitiger Anerkennung sich paaren und der Baum der Erkenntniß wird fortan keine bittern Früchte mehr für Juden und Christen tragen. Beide Religionsbekenntnisse werden ihre Mission erkennen und die Grenzen ihrer Thätigkeit genau bestimmen. Möge daher dem „kirchlichen Verein" die regste Theilnahme sich zuwenden! Keine Konfession will Proselyten machen, sondern ihre Berechtigung und Stellung in dem großen Ganzen des religionsgeschichtlichen Prozesses behaupten. Es gilt ein Werk des Friedens zu stiften, das in Leipzigs Mauern ausgeführt werden soll. „Ich bin für Frieden, und ob ich auch rede, sie wollen Krieg". (Pf. 120, 7.) Ad. Jellinek. Leipzig, 27. April. Der Verein zur Wahrung der deutschen Interessen* an den östlichen Grenzen, begründet von den HH. DD. Fürst, Wuttke und Kühne, hielt gestern Nachmittag 4 Uhr seine erste öffentliche größere Versammlung, in welcher 50 bis 60 Personen anwesend waren. Nach einleitender Rede der Herren DD. Kühne und Wuttke über die Nothwendigkeit, die Tendenz und die nächsten Zwecke des Vereins nahmen mehrere Sprecher die Polen gegen verschiedene Bemerkungen der Genannten in Schutz und namentlich bezeichnete Herr Stud. Götz das, was Hr. Dr. Kühne über den Panslaviömus gesagt, als einen Pangermanismus. Herr Prof. Dr. Wachs m u t h führte in einer längeren, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede die Nothwendigkeit des Festhaltens und der Geltendmachung des deutschen Elements, im Gegensätze zu den Gefahren des Kosmopolitismus aus und stellte die Anträge, die Verhältnisse der deutschen zur polnischen Bevölkerung in den Grenzdistriktcn durch Sachkundige genau erörtern, an das polnische Nationalkomitee in Posen aber eine warnende und aufklärende Zuschrift zu ertaffen. Der Vorsitzende Hr. Dr. Kühne bezeichnete den ersten Antrag als bereits erledigt durch Einsetzung eines Ausschusses für diesen Zweck. Nachdem noch mehrere Redner, namentlich die Herren Stud. Cohn, Dr. R. Heller, Dr. Fürst u. s. w. in gleichem Sinne gesprochen hatten, machte Hr. Prof.Dr. Haupt darauf aufmerksam, daß es sich hier noch um '*) Die deutschen Interessen sind zugleich die jüdischen unter den Staven. Red.

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