Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 18 (29.4.1848)
- Date
- 1848-04-29
- Page
- Spalte 285-286 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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385 Studien. Literarische Analekten. 286 tesglaubcns unter den Menschen. „Wirst du, Abraham", heißt es hier, so fortfahren, vor mir zu wandeln und Allen ein Muster der Tugend und der menschlichen Vollkommenheit zu sein, so sollst du der du meinen Namen unter den Völkern bekannt gemacht, einen ruhmvollen, ehrwürdigen Namen unter den Völkern tragen, du sollst der Stammvater großer Nationen werden, und dem Volke, das dich zum Vorbilde seines Wandels nimmt, will ich ein Gort sein, der es belehrt, beschützt und leitet." Der erste Bund galt als ein Zeichen zur Versicherung eines irdischen, dieser zur Versicherung eines geistigen Besitzes. Denn jetzt, da Abraham einen Sohn, einen geeigneten, fähigen Nachfolger bekommen sollte, mußte er auch bekannt werden mit der heiligen Bestimmung, wozu dieser erzogen und hingeleitet werden muffe. Der erste Bund t sollte nur ein Bund mit Abraham allein sein, aber dieser sollte auch seine Nachkommen mit einschließen, undsie zu diesem Zeichen verpflichten; daher auch die oftmalige nachdrückliche Wiederholung hier. Darum muß dieser Bund, der ein ewiger sein soll, auch durch ein ewiges, unverwischbares Zeichen versinnlicht und vergegenwärtigt, muß er mit dem Blute unseres Leibes gestempelt werden. Eltern und Kinder sollen immer daran denken und nie vergessen, daß sie im Bündnisse mit dem Ewigen stehen, daß der Ewige seinen immerwährenden Schutz, seine Leitung ihnen zugesagt, und daß sie hinwieder ihm ewige Treue, ewigen und pünktlichen Gehorsam schuldig seien. — Auch du mein Sohn, trägst dieses Zeichen des Bundes den du vermittelst deiner Eltern mir Gott geschloffen, auch du bist durch dieses Zeichen ein besonderer Schützling, ein Geweihter Gottes geworden! O, so halte dich stets dieses heiligen Berufes würdig! Vergiß nie an die erhabenen Verpflichtungendir mit demselben verbunden sind, reiße eich nicht gewaltsam aus dem Schatze Gottes! Hüte dich, daß dieses blutige Zeichen nicht einst ein schrecklicher Zeuge wider dich werde; bleibe treu dem Gotte, in dessen Bund du eingeführt wurdest, dem deine guten' Eltern am ach achten Tage deines Lebens dich geweihtBleibetreu der Lehre zu deren Festhallung und Beachtung dein Blut geflossen! Bleibe treu der Bestimmung, wozu dein Gott dein Vater dich erzogen und gebildet! Dann wird der- Ewige dir ein Gott sein, und so er in deinem Herzen wohnt, wird er auch in deinem Hause walten, auf deinen Wegen dich begleiten, und ermunternd und ' schützend dich glücklich an das Ziel deiner Bestrebungen führen. - (Fortsetzung folgt). Literarische Analekten. Erklärung der Formel D? dn w rp* in Tract. Sanhedrin, Abschnitt 6. Mischna 5. Im Literaturblatt des Orient Nr.9 Anmerkung ^Jahrgang 1846 hat der Redakteur dieser Blätter auf die in der Ueberschrift bezeichnete, sonderbare Formel beim gerichtlichen' Verfahren gegen einen Gotteslästerer — jpjjb — aufmerksam gemacht. S. 205 und221 des Literaturblattes desselben Jahrganges ist Einiges über diese Formel gesagt, das aber die Unverslänv-.ichkeit derselben nicht erklärt und somit unbefriedigt läßt. Ich glaube Sinn und Entstehung dieser Formel auf folgende Weise aufzufaffen und erklären zu können. Bekanntlich haben während der Periode des zweiten Tempels großartige auf die religiöse und staatliche Bildung des israelitischen Volkes mächtig influirende Institute geblüht, nämlich Vas Institut derMänner der großenSynode nDJD — und das des Sanhedrin. Die historischen Nachrichten über das Institut der Männer der großen Synode fließen ärmlich und spärlich, so daß die historischen Angaben über deren Zahl nicht ganz übereinstimmen. Noch weniger sind die Grenzen der Wirksamkeit dieses Instituts genau ermittelt. Ob dessen Thätigkeit und gesetzliche Wirksamkeit eine rein religiöse war, oder ob es auch zugleich einen obersten Iastizhof bildete, der auch in Civilsachen kompetent war und gar über Leben und Tod zu richten hatte, schwebt meines Wissens noch im Dunkeln und ist nicht mit Gewißheit ermittelt. Aus den spärlichen Nachrichten, die der Talmud uns von den Aussprüchen und der Wirksamkeit der Männer der großen Synode bringt, könnte wohl entnommen werden, daß die Wirksamkeit derselben wenigstens überwiegend zum Gebiete des rein Religiösen gehörte.*) Umfassender und reifer sind die Nachrichten über das Institut des Sanhedrin und obgleich die Zeit der Entstehung desselben.noch nicht mit voller Gewißheit ermittelt ist, so sind wir doch über Form und kompetente Wirksamkeit desselben ziemlich unterrichtet Sicherlich ist dieses Institut nicht auf einmal, sondern in einer allmäligen Gestaltung im Laufe der Zeit' zu' tiNer sichern gesetzlichen Thät.igkeit gelangt uud wir klauben nicht zu irren, wenn wir lmic Beginn der sogeNänüren n'T.ilf llns diesen Gerichtshof ci(g in voller gesetzlicher Wirksamkeit konsticuirt uns denken. Als die ersten n).W — Präsident und Vicepräsident— werden uns in Trakt. Abot Mischna 4 p ’>DV und p ’Dl1 genannt. Wir haben al'sö hier zMi Jose als die ersten Vorsteher des obersten Gerichtshofes, zu dessen Kompetenz zweifelsohne die peinliche Gerichtsbarkeit gehörte. Ich vermuthe min, daß diese, vielleicht durch konkrete Fälle veranlaßt, drr> Grundsatz aufstellten, bei gerichtlichen Prozeduren gegen Gotteslästerer die Zeugen nicht mit dem ausdrücklichen •) Aus Trakt. Abot Mischna 1, welche uns eine Art Programm der Männer der großen Synode bringt, ließe sich wohl aus dem Satze: nn entnehmen, daß dieselben auch einen Gerichtshof für Civilsachen bildeten. Gesetzt auch jene Mischna brachte die Grundsätze der eignen praktische a Wirksamkeit jener Männer, so ist noch nicht ermittelt, ob diese auch über Leben und Tod, wie später die Sanhedrin zu richten hätten. Die nicht feste Konsolidirung des jüdischen Staates in jener Zeit scheint deren Kompetenz eingeschränkt zu haben« —