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Der Orient · 1848-04-29 · Heft 18 (29.4.1848) · p. Seite 142

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 18 (29.4.1848)
Date
1848-04-29
Page
Seite 142 (sequence 11)
Language
German
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- 142 - und die unbedeutende Vertheurung der Bedürfnisse zahlt man gerne der Konsequenz zu Liebe. Wenn dieser Zustand einmal da ist, dann dürste cs eher lohnend sein, hier den Kleinhandel zu betreiben. Inzwischen wird es jedem Denkenden einleuchten, daß die sächsische Fabrikation ein ganz anderes und ein wahrscheinlicheres Feld den Kapitalen der emaneipirten Juden darbietet, als jener Kleinhandel. Dem Fabrikwesen werden sich die Kapitale der Spekulanten zuwenden, ihm werden sie neue Nahrung geben, und wahrlich es wird Zeit dazu. Es ist in -Sachsen noch Raum genug für Fabriken und kein Ueberfluß an Kapitalien , wohl aber an unbeschäftigten Händen und hungrigen Magen; das Erzgebirge giedt traurige Belege dafür. Ich glaube, daß durch die Emaneipation, wenn auch keine radikale Hebung dieser unglücklichen Verhältnisse herbeigeführt, doch immer eine Quelle des Wohlstandes mehr für Sachsen und seine Arbeiter geöffnet wird. Alle Welt kaut an der Lösung des Problems der arbeitenden Klassen, n,an spricht, man -schreibt, nun man handle endlich, wo sich die Gelegenheit zeigt. Die Emaneipation der Juden wird einen wichtigen Stein bilden in dem neuen Baue, denn sie wird neue Geldkräfte 'herbeiführen und wird Menschen beschäftigen. Oder meinen die Kämpen des christlich germanischen Staates, daß es christlicher sei, die unbeschäftigten Arbeiter verhungern, als sie durch Juden beschäftigen zu lassen? Ich glaube kaum, daß Jemand diese Behauptung wageil wird. Ich hoffe vielmehr, daß endlich die Zeit des Egoismus vorüber ist. Ich hoffe, daß.mar, sich endlich schämen,wird,' länger der Gefängnißwärter zu sein von Brüdern eines andern religiösen Bekenntnisses. Ich hoffe, daß endlich jeder brave Mann sich erheben wird, um die vollständige Freiheit der Menschheit zu proklamiren. , S. Eichenberg. Leipzig , 21. April. In dem so eben begründeten „ Zeitblatt" in zwanglosen Heften, betitett ,,die neue Zeit/" als Supplement zu Wigand's Conversations- Lexikon, befindet sich (Heft 2 S. 136) ein Aufsatz von Adv. Isidor Kaim, uberschrieben: „Die Juden und die deutsche Revolution," den wir hier mit Erlaubmß des Verfassers und des Verlegers anzeigen. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir ans dieses Blatt „die neue Zeit " das jüdische Publikum aufmerksam zu machen; cs ist nicht blos als Supplement des W i g a n d'- schen und somit jedes anderen Conversationötexikon's zu betrachten, fcnbcrtt es bietet auch durch die trefflichen Aufsätze über die kühnen und großartigen Ereignisse der Gegenwart, über die Bewegungen des Tages ein anziehendes Bild, indem es die Einzelerscheinungen znsammenfaßt. Der Reichthum des Stoffes und die Billigkeit des Preises empfehlen es nicht minder (das Heft kostet nuräNgr.). Der Eingang lautet: „Als im Jahr 1813 das geschehen war, was man zwei Jahre vorher für mährchenhaft hätte ausehen müssen, als die-Schlacht bei Leipzig die Kraft der Napoleon'schen Eisenherrschaft gebrochen hatte, da umarmten sich die verbündeten Fürsten und schlossen — die heilige Allianz. Sie meinten, es wäre ein W u n d e r geschehen l Die Fürsten waren kurzsichtig genug. Sie konnten nicht begreifen, daß ihr Aufruf au die Völker das Wunder bewirkt hatte. Mit den Völkern hätten sie es wohl früher schon vollbracht, aber weil ihre eigne Kraft ihnen genügend erschienen war, blieben die wahren Kämpfer bald nach dem erfochtenen Siege wiederum außer, dem Spiele; um ihre Hoffnungen, um ihre Rechte wurden sie getäuscht. Die heilige Allianz sollte ein Tribut au die Vorsehung sein. Sie ward zum Frevel, denn sie richtete sich gegen die Völker! Aber die Vorsehung hat das Volk durch das Volk gerächt. In ihrem Buche siand's geschrieben: Es giebtkeine heiligere Alliance als die der Nationen, keine dauerndere Verbrüderung als die der Menschen!! Und ein zweites Wunder ist geschehen in unfern Tagen, größer als das erste. Der Volksgeist in seiner ganzen Macht hat seine Schwingen erhoben, seine Fesseln zerbrochen, um allenthalben die Rechte der Menschen und Bürger geltend zu machen: ein größeres Wunder als das erste, denn es galt sünfzig Negierungen, nicht einen einzigen Menschen zu betebren und zu strafen; ein größeres Wunder, denn die-Regiernngcn hatten bei einem' großen gekrönten Lehrmeister Unterricht erhalten in der Kunst, klug die ärgsten Pläne zn vcrmänteln, auf die Stimme des Rechts mit schönen Phrasen zu antworten ohne zu thun, als ob man sie überhöre. Man hatte gelernt, mit Verfassungen wie ohne Verfassungen zu regieren — die Schlauheit war an die Stelle der offenen Gewalt getreten! Der freie Geist hat dieses Ränkenetz zerstört, zerstört in einem Monat. Die Völker, die Menschen müssen brüderlich die Hand sich reichen, die wahre 'heilige Allianz scheint geschlossen. A l l e M e n sch e n , mau mcrfc es wohl ohne zn fragen, wie der eine , wie der andere Gott verehrt und der Vorsehung dankt für den heiß ersehnten, schnell und leicht erfochtenen Sieg. Alle Menschen, wir wiederholen es! Alle Bestandtheile des Volkes müssen gleich sein in den Rechten, in der Freiheit; denn das Volk ist nicht frei, wenn ein einziger darin es nicht ist. Ein einziger Bürger trägt die Fessel — und auf das ganze Volk fällt die Schmach, daß es diese Fessel noch duldet. Die Zeit, die erschütternde und erregte ruft uns freudig zu, daß wir Recht haben. Ueberall erheben sich die wahren Volksstimmen und verlangen , daß eine alte Forderung aus dem Schuldbuche der Nationen allenthalben gestrichen werde, daß den Juden der volle Ge-

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