Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1848)
- Date
- 1848-04-29
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — Kosten und Kurnik, wie wir theils aus eigener Erfahrung, theils aus Berichten von vier schlesischen Landlvehrmännern wissen, gar keine Gräuelscenen vorgekommen silld. Die Polen zerstreuen sich jetzt, und werden von ihren Führern und dem polnischen Konnte zur Ruhe ermahnt. Es wäre daher an der Zeit, daß nunmehr auch von Selten der Deutschen Alles geschehe, um die Leidenschaften zu besänftigen, daß die Berichte sich streng an die Wahrheit Haltern und daß namentlich Proklamationen unterblieben, wie sie vor Kurzem aus Lissa in der empörendsten Art ausgegangen sind. Aus den Triumphzügen in Berlin haben die Polen die Hoffnung auf die Wiederherstellung ihres Reiches geschöpft; sie sind bisher nur getäuscht worden. Das Zögern und die Ungewißheit der Regierung haben dem Fanatismus Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Noch kann das Werk auf friedliche Weise gelöst werden, aber marl darf nicht länger mit der versprochenen Reorganisation säumen. Dodillet. A. Semrau. Stahlschmidt. Leipzig, 20. April. (Leipz. Tageblatt.) Die Emancipation der Juden. Nicht um die Polemik der vorstehenden Frage um einen Artikel zu vermehren, nicht um zu antworten auf gehässige oder irgend welche Angriffe, sondern um sie auch aus dem praktischen Standpunkte — was fast noch gar nicht geschehen — zu betrachten, nehme ich das Wort. Der Druck, unter welchem die Juden, allen Menschenrechten zum Hohn, durch einen mittelalterlichen engherzigen Geist bisher leiden mußten, gehört vorzugsweise zu jenen antiguirten verfaulten Zuständen, die — einmal beleuchtet durch die Sonne unserer neuen glorreichen Zeit — auf imnler unhaltbar geworden sind. Die endliche, das heißt nunmehrige Emancipation der Juden ist daher eine entschiedene Nothwendigkeit geworden; sie wird trotz des Gekrächzes einiger Eulen so gewiß eintreten, so gewiß als wir die Zeit der Finsterniß und der Vorurtheile hinter uns und die Zeit des Lichtes und der Freiheit vor uns haben. Man hat Zeter geschrien, als in den hiesigen BlätternStimmen taut wurden für die Beseitigung eines an den Inden begangenen tausendjährigen Unrechts, man hat bei dieser Gelegenheit wieder die verbrauchten krummen Waffen der Finsterniß hervorgesucht, man hat wieder die lächerlichen, unzählige Male widerlegten kleinlichen Anschuldigungen aus der Polterkammer verrosteter VorurtheLle ausgekramt, um — es ist in einer Zeit wie der unsrigen fast unglaublich — um aus einem tausendjährigen Unrechte einen ewigen Frevel zu machen. . Suchen wir die Ursache dieses fabelhaften Benehmens. Nicht Neligionshaß ist cs (die Ehre der Menschheit und die Aufklärung des 19. Jahrhunderts verbieten diese Annahme), nicht Mangel an Sittlichkeit ist es (das Familienleben -— dieser wahre Maaßstab für die Sittlichkeit — ist nirgend reiner als bei ihnen), nicht die Geistesunsähigkeit der Inden ist es (cs wird Niemand int Erliste behaupten, sie seien weniger politisch gebildet als die Christen), es wird Niemand die Frechheit haben zu erklären, daß irgend ein Mensch.nicht reif sei, seine unveräußerlichen Menschenrechte zu. besitzen. Aber fragt man sich, welches ist denn der Grund der Opposition gegen einen Grundsatz der Humanität? — sagen wir es mit einem Worte: der Geldbeutel ist dieser Grund. Es giebt Leute, die sich so lange als liberal geriren^ so lange ihre Interessen, das heißt, ihr Geldbeutel nicht in Frage kommt. Man befürchtet durch die Emancipation. der Juden einen Zuwachs an Konkurrenz in dem Handwerkerstande und in dem Kleinhandel. Da man aber den Juden immer vorwirft, sie trieben nur Handel, so müßte es dem Handwerkerstande nur erwünscht sein, wenn die Juden sich diesem Stande widmen; widmen sie sich ihm aber nicht, nun dann bilden sie auch keine Konkurrenz. Also hatte der Handwerker weder in dem einen, noch dem andecn Falle Grund, gegen die Emancipation zu sein. Man hätte also zu prüfen, ob fccmi die Emancipation wirklich den befürchteten nachtheiligen Einfluß auf den hiesigen Kleinhandel zu üben im Stande sei. Man glaubt, daß die Spekulation der Juden den Kleinhandel ergreifen, und dann außer den Messen eben so billig verkaufen würde, als dies bisher nur während der Messe geschah. Man fürchtet also, die Lebensbedürfnisse könnten billiger werden; aber man täuscht sich. Wenn die Juden nur den kleinsten Theil jenes spekulativen Geistes besitzen, den ihnen die Gegner der Emancipation so gern und in so großem Maaße znzutheilen so freundlich sind, dann werden sie sieh hüten auf den hiesigen Kleinhandel zu speknliren, denn da istNichts zu speknliren. Leipzigs Kleinhandel wird nicht erst durch die Emancipation ruinirt, er ist längst schon durch die Messen zu Grunde gerichtet, das ist ein Faktum. Wollen Sie ihn aber um jeden Preis den Juden verschließen, wollen sie ihn durchaus wieder auf die Beine bringen, nun dann müssen Sie, um konsequent zu bleiben, auch die Messen anfheben und das neue Eldorado wäre da. Sie erreichen auf diesem Wege gewiß ihren Zweck und der so monopolisirte Kleinhandel wird blühen. Ob der Großhandel ganz zu Grunde geht (der sich schon zeigende Keim dazu liegt auch in der Ausschließung der Juden) , ob aus der Weltstadt Leipzig eine unbedeutende Provinzialstadt wird, darauf kommt's nicht an. Leipzigs Kleinhandel ist ja gegen die Konkurrenz geschützt