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Der Orient · 1848-04-29 · Heft 18 (29.4.1848) · p. Seite 140

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 18 (29.4.1848)
Date
1848-04-29
Page
Seite 140 (sequence 7)
Language
German
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- 140 - drängten Deutschen das Schwert zu ziehen. Gott bessere, es. Grätz, 17. April. In Grätz chaben die Polen zwar" keine Personen bedrohet, jedoch haben sie vier bekannte den Juden gehörige Häuser besetzt, alles was lebt herausgerufen (zwei vergessene Kinder hat ein Sensenmann an der Hand herausgeführt und in Sicherheit-gebracht) und dann alles , was die Häuser enthielten, bis auf Thüren und Fensterläden auf die Straße geworfen, und zerstört. (Br. Z.) - Posen, 17. April. Aus Kempen langten gestern Abend-jüdische Flüchtlinge hier an, weil auch dort, die wüthenden Bauern über die Juden hergefallen und selbst mehrere dieser Unglücklichen ermordet haben sollen. Gestern Abend ging eine starke Abtheilung vom 19. Regiment zur Dämpfung der dort ausgebrochenen Unruhen nach Samter ab. (Br. Z.) 'y Leipzig, 21. April. Die Breslauer Zeitung vom 21. April behauptet, daß bei dem Ueberfatte in Kosten keine Excesse begangen , während verschiedene ^Berliner Zeitungen die von den Polen bei dieser Gelegenheit verübten Gräuelthaten an Deutschen und Juden nicht grell genug zu schildern vermögen. Es ist zu bedauern, daß der Partergeist die Nachrichten so häufig entstellt und dadurch nur Oel in das Feuer gießt und jeden ruhigen Ueberblick über den Stand der Dinge unmöglich macht. Leipzig, 21. April. Die in Posen erscheinende Gazeta Polska, ein Blatt das warm füt die Sache der Polen Partei nimmt und also wohl eine nicht ganz lautere Quelle ist, beschuldigt die Juden, durch Aushetzen-des preußischen Militärs, durch Abfassung falscher und entstellender Berichte, die in Posen herrschende Zwietracht geschürt zu haben. Einige Juden, die die Gazeta Polska sogar namhaft macht, sollen in Kozmin und mehreren andern Orten die Bauern zur Verübung galizischer Greuclscenen anfgcrcizt haben. (Gaz. Polska.) BreslttU, 19. April. Nachdem , wir im Aufträge des hiesigen demokratischen Vereins uns an Ort und Stelle ,von den Zuständen in Posen unterrichtet haben, beeilen wir uns das Resultat unserer Ermittelungen bekannt zu machen, um dadurch so schnell als möglich den übertriebenen Zeitungsberichten zu begegnen. Wir haben mit dem deutschen und polnischen National-Comite, mit Potizeibeamten, mit polnischen , deutschen und jüdischen Einwohnern aus dem Handwerker- und Kaufmannstande , mit Landwehrieuten, kurz mit Leuten aus allen Klassen Unterredungen gehabt; wir haben das öffentliche Treiben der Civilpersoncn und des Militairs beobachtet und an allen Orten, die wir berührten, Erkundigungen eingezogen. Unser Urtheil darf daher wohl als unparteiisch und gerecht, auf Gründlichkeit und Glauben Anspruch machen. Der Fanatismus herrscht in Posen auf beiden Seiten, Mistrcmen und Furcht sind die Ursachen desselben gewesen: beide Parteien haben gefehlt, wie es in dem Augenblick der Aufregung nicht anders möglich war. Einen sehr großen . Theil der Schuld aber tragen die jüdischen Einwohner, welche ,, in ihrem Handel gestört, und durch blinde Aengstlichkeit getrieben, alle Mittel aufboten, Haß und Zwietracht gegen die Polen zu säen um durch -endliche Unterdrückung derselben wieder Ruhe zu erlangen. (!) Nächstdem haben namentlich die Landräthe Mld Distrikts-Kommissarien, die den -Polen widerrechtlich aufgedrungen sind, und nun ihre Stetten zu verlieren fürchten, verderblich gewirkt. Als der Tag , an welchem der Fanatismus zum Ausbruch gekommen ist, müssen wir den 10. April bezeichnen^ Es ist wahr, daß auch schon vor diesem Tage preußische Adler niedergcrissen, misliebige Beamte verjagt, ans den königlichen Kaffen von den polnischen Führern -Gelder gegen Ouittungen entnommen, und Deutsche zu Kriegstieferungen, ungehalten sind, aber,das waren politische Demonstrationen, wie sie in ähnlicher Weije überall und namentlich auch in Breslau vorgekommen sind. Gräuelscenen sind von den Polen vor jenem Tage nicht verübt worden. Erst als am 10. April wider die ausdrückliche Bestimmung der mit Willisen geschlossenen Convention preußisches Militär zum Angriffe auf die Lager bei Trzemesuo und Miloölaw anrückte, verbreitete sich der Ruf: ,,Verrath, Verrath!" . wie ein Lauffeuer durch die polnischen Lager, und von da an bekam die Leidenschaft freies Spiel. Bei Trzemeszno kam cs zum Handgemenge; daS Militär zog sich bald zurück, weil der Angriff nur aus Misverständuiß unternommen war. Während des Kampfes in Trzemeszno fand man aber im-Hause eines Juden fünf getödtete Polen, und die allgemeine Stimme schob die Schuld sofort auf die Bewohner des Hauses. Später erwies es sich zwar, daß jene fünf Polen im Kampfe mit den preußischen.Soldaten gefallen seien, der Haß gegen die Inden war aber einmal rege geworden und fand um so mehr Nahrung, als auch ans dem Kellcrscnster eines von Juden bewohnten Hauses ein Schuß gefallen sein sollte. Hieraus sind die Gräuelscenen zu erklären, die in Trzemeszno und Wreschen gegen Juden verübt worden sind. Wir wollen sie nicht verteidigen, aber wir bitten nochmals zu erwägeu, daß sie erst nach dem Ausbruche des Kampfes und der Leidenschaft und nachdem die Führer nicht mehr die nothige Macht hatten, verübt worden sind. Wir bitten ferner jene Scenen nicht der Gesammtheit der Polen anzurechuen; sind doch auch in Berlin während des Kampfes von Deutschen gegen Deutsche Thaten verübt worden, die uns mit Entsetzen erfüllen, und man hat verziehen! Jene E.rcesse sind übrigens auch nicht in dem Umfange und nicht mit der Brutalität ausgesührt, wie sie m den Zeitungen von den Parteien einseitig erzählt werden. Wir können namentlich versichern, daß in

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