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Der Orient · 1848-04-29 · Heft 18 (29.4.1848) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 18 (29.4.1848)
Date
1848-04-29
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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— 139 — den ausgesprochen, dies sei den Israeliten Bürgschaft für die Zukunft. Das deutsche Parlament wird, es ist dies zu erwarten, aus intelligenten Männern zusammengesetzt sein, aus Männern, die den Geist ihrer Zeit erfaßt, ihn begriffen. und in diesem Geiste, der die Humanität und die gesunde Vernunft in ihre Rechte eingesetzt, zu handeln wissen werden. Diese Männer werden auch die religiösen Fragen im Geiste der Humanität zu entscheiden wissen, sie werden die Gegenwart und ihre Forderungen begreifen, sie werden sich aus veralteten Vornrtheilen nicht der Emancipation eines Volkes widersetzen, das sich dieser Emancipation nicht erst würdig zu machen braucht, da es , ihrer von jeher würdig gewesen, sie werden die gesunde Vernunft nicht selbst mit Fußen treten wollen. Die Zeit hat die alten Vorurtheile von sich gestreift, sie hat ein neues Gewand angelegt, das Gewand der Humanität und der Freiheit. Diese neue, humane und gerechte Zeit wird auch die unterdrückten, die geknechteten Israeliten in ihre Rechte einsetzen, sie wird auch ihnen die Früchte vom Baume der Freiheit nicht vorenthalteu. Auch für die Israeliten wird der Tag der Befreiung aubrechen, die Stunde der Freiheit schlagen. Die Israeliten werden Deutschland als ihr Vaterland betrachten, das Land, wo ihre Väter sich seit Jahrhunderten niedergelassen, als ihre wahre, ihre eigentliche Hcimath begrüßen, und Deutschland wird auch in den Israeliten seine Kinder erkennen. Der alte Haß zwischen Juden und Christen wird verschwinden vor der Humanität, der Christ wird dem Juden die Bruderhand reichen 'und beide werden gemeinschaftlich nach einem hohen und herrlichen Ziele streben, einem Ziele, das wir nie ans den Augen verlieren dürfen, denn dies Ziel es heißt — F r e i h eit und R e ch t. Posen, .14. April. In unserem Großherzogthum herrscht jetzt die vollständigste Anarchie; der Kampf zwischen den Deutschen und Polen ist fast auf allen Punkten auSgebrochen, Deutsche und Polen stehen sich mit den Waffen in der Hand gegenüber und die Polen, entsianunt durch fanatische Priester und jene Männer, die in dem Polenprozesse eine oft so zweideutige Rolle gespielt, erlauben sich besonders auf dem platten Laude unerhörte Ereesse, und doch stehen alle die Männer an der Spitze, die laut ihren Proklamationen die Deutschen als ihre Bruder begrüßten, die laut verkündeten, daß sie ihre Freiheit der edlen deutschen Nation verdankten. Es fehlt den Polen an einem Führer, der die Schritte ddr Insurgenten leitet, das alte Erbübel der Polen, die Zwietracht, regt sich wieder. Dieser Umstand, der jede Organisation und Discipliu unter jenen Banden, die gleich Guerillas das Land durchziehen, unmöglich macht, vermehrt noch die Gefahr für den Landmann und den Bewohner der kleinern Städte. Der Fanatismus der Poleri hat sich nicht nur gegen die Deutschen, sondern mehr noch gegen die unglücklichen Juden gerichtet, die, ohne Macht sich selbst zu schützen, in manchen Bezirken unserer Provinz der Willkür erbitterter Horden schonungslos Preis gegeben sind. Viele Inden leben in beständiger Furcht sich über Nacht ans ihrem Eigenthum vertrieben und nackt auf die Straße geworfen zu sehen, wo das Elend oder der Tod ihrer wartet. Vorgestern haben die Polen in Trzemeßuo vier unglückliche Juden aus eine empörende Weise hmgeschlachtet und mehrere andere der reichsten jüdischen Bewohner als Gefangenemit fortgeführt' und sie vor ein Kriegsgericht gestellt'; man befürchtet, daß auch diese Unglücklichen ein Opfer dcr Volkswuth fallen werden. Möge die preußische Regierung doch bald kräftig ein schreiten und mit gewaffnetcr Hand Ruhe und Ordnung in unserer Provinz, die durch die jetzt herrschende Anarchie an den Rand des Verderbens, gebracht ist, Herstellen und das Eigenthum imb das Leben, die Freiheit des Einzelnen kräftiger schützen als der General von Witlisen bis jetzt gethan. Posen, 17. April. Unser Großherzogthum befindet sich leider in vollständigster Anarchie. Die Polen, vom Adel und von fanatischen Priestern aufgereizt,-verüben an allen Orten die ärgsten Exccsse. Die zu Schroda auseinander gegangenen Haufen sind nur teilweise in ihre Heimath znrückgekehrt, eine große Anzahl derselben hat sich zu Banden vereinigt, die das platte Land und die kleineren Städte plündern,'die unglücklichen Juden mißhandeln und tödten. Eine solche Räuberbande übersiel gestern die kleine Stadt Kosten, warf die Garnison, ein Kompagnie Infanterie, zurück und verübte dann die empörendsten Grausamkeiten; als von Posen aus eine Truppenabtheilung anlangte, hatten die Horden die Stadt schon verlasseg. Ein anderer Hanfe überfiel Grätz, nnöhandelte viele Bewohner und demolirte die Häuser der Inden und Deutschen; in W re scheu und der Umgegend haben die Polen mit beispielloser Rohheit gcwirthschaftet. Heute war eine Deputation ans Wreschcn hier, die den Behörden einen Bericht über die dort verübten Gräuel abstattcte, sie erzählte von Gräuelscenen, die wol Niemand im neunzehnten Jahrhundert für-möglich gehalten. Man kann leicht denken, daß unter diesen Umständen eine große Erbitterung unter Deutschen und Juden herrscht, laut forderte das Volk Waffen, um Rache an den Polen zu nehmen, allein der Kommandant, General von Steimacker, hat dem Volke die erbetenen Waffen verweigert. Wohin soll das führen! Einen Bürgerkrieg, von politischem und religiösem Fanatismus erzeugt, haben wir schon und dabei alle Schrecken der Anarchie, und doch schreitet die preußische Regierung noch nicht ernstlich ein und zögert, mit Gewalt die Ruhe und Ordnung wieder herznstellen, sie scheuet sich zum Schutze der so hart be- 18*

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