Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1848)
- Date
- 1848-04-22
- Page
- Seite 134 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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134 ausgeht, abznweisen; so erlaube ich mir demnach folgendes zu bemerken, da es llicht dem Hm. Stein allein, sondern sämmtlichen Reformern gesagt sein soll. — Hr. St. will nän»lich beweisen, daß das Verbot Fleisch mit Milch zu essen, eine grillenhafte.Erklärung der Schriftstelle ‘ptton ' ■ ömi den Rabbinern, wodurch der einfache Sinn der.Schrift ganz entstellt sei. — Fragst du, lieber Leserwas der Zweck dieser neuen Lehre, sei? Was die.Religion dabei gewinne? So höre, was der neue Gesetzgeber darüber sagt: ,,damit eine größere Anzahl von Rabbinern sich über die Unstatthaftigkeit des betreffe»:den Gebrauchs erklären, und dadurch.die Häuser vieler Israeliten von einer großen Belastung erleichtert'werden; ein (die Schrift) cntstclteudes rabbinisches Gesetz dadurch wieder zur Abstellung gelange. — — Ich. aber der ich hier nicht stehe zu erlauben oder zu verbietensondern 51t lehren (?) ich werde nicht auf hören zu lehren wie mir ums Herz ist. — ---- Unser gütiger nnd> herablassender Lehrer Moseswird es uns nicht verargen, /wem: wir ihm ins Leuchtende s2(ucjcficl>t fc^cn n\ —> an dem Munde unseres großen Lehrers hängt mein Mund" u. s. w.. Nun, lieber Leser, bemerkst du nicht bcu reichlichen Segen, der aus dieser Lehre zu erwarten sei? — Der Haushalt wird erleichtert, dir kannst nun jede»: Tag, Milchding und Fleisch ding essen, der Haushalt hat.zwar dadurch eine größere Ausgabe, macht nichts aus, sie wird erleichtert, und das ist das einzige Ziel der Reformern und das hat Hr. Stein seinem Lehrer Moses abgesehen, der einen armen Mann steinigen ließ, weil er am Sabbat ein Bischen Holz aufgcsammelt; und der im Namen Gottes sagt: ,,Und ein Unbeschnittener männ-. lichen Geschlechts, der sich nicht beschneiden läßt, werde feine Seele ans g er 0 ttet aus ihren: Volke, denn man hat meinen Bund zerstört." Und das hat alles Moses, wie Hr. St. beim Zicklein erklärt, ans purer Erleichterung ge» hau l Aber angenommen, des Hr. Dr. Erklärungen wären so richtig, wie sie in der That falsch sind, so frage ich, warum nimmt der Hr. Dr. nicht, wie sein Lehrer Moses, die Decke von seinem Angesicht, wenn er znm Volke spricht? Warum verdammt er blos den Talmud bei diesem Verbote, .und klagt ihn der Verdunkelung, Entstellung und der Scheuüogik an, ist nicht nach seiner Logik der ganze Talmud eine Entstetlung, eine Verdunkelung des einfachen Sinnes der heiligen Schrift? — Wie viel Folianten haben wir über nmj J'D'Xrn, HDlD, DDD, und worüber Maimüni und alle unsere großen Koriphäen ihr ganzes Leben zngebracht, und die, nach Dr. Stein eben so gut auf Scheinlogik gegründet sind wie? Will also der Hr. Dr. ,, ganz wie ihm ums Herz ist" lehren, so stelle, er sich vor das Volk hin und sage: Wie ich euch nun bewiesen habe, daß ,,die Uebertretung dieses Gesetzes.kein Gräuel sei ", so ist cs eure. Pflicht dem ganzen Talmude zu entsagen, ,,diesem Hohnsprcchcn aller Logik", und sich blos an.die Worte.Moses , es versteht sich nach meiner Erklärung zu halten. Aber der Herr Dr. sagt ja: ,,Was uns spätere Erklärer ausfallend darreichcn, das »vollen wir frohannehmen; alles aber, womit sie das göttliche Wort verdunkelt, entstellt haben , das wollen wir ans h e i l i g e m Antriebe verwerfen. " Folglich will Hr. Stein nicht den ganzen Talrnud, sondern blos die verdunkelnden Lehren darin verwerfen? Ach nein, das haben Hr. Dr. nur ans Scherz gesagt: denn erstlich wo sind, ans diesem Chaos die Licht- Partien abznsondern , und sobald er die Talmudisten als Dunkelmänner> Schristverdreher, und Schcinlogiker erklärt, so kann er ihnen nirgends eine Aufhellung zugestehen, ,, entweder ganz filr,; oder ganz gege n mich sagte eiir großer Ma»»n, n»:d ein noch größerer: vjD “ly? ü^yon -miDiD dhn mic lange wollt Ihr noch auf beiden Seiten hinken? .; ); M 0 ses M e n d elfon. .. Hnrrl^urg. Unser edle Riesser ist.:,ach Frankfurt zur Bundes-Versammlung abgegangen. Die Finsterlinge wollen, .behaupten, der hiesige Vorstand.habe ihn, aus ihrer Mitte gewiesen, daran ist nur wahr daß N. seine Entlassung fordern wird ,-, was aber..noch , nicht, geschehen ist. Im Grunde ist R... gar nicht als Vorsteher ein et: Gemeinde an seinem Platz. Er soll für das ganze Jndenthum wirken, und das kann auch nur ein solcher Mann,. dem selbst die Nichtjnden die größte Achtung zollen. Auch hat er bereits mehr gewirkt als -Mancher, der 8000 M. von der Gemeinde jährlich zieht, und —: gar nichts thut. Der Vorstand, der nur ans braven Kaufleüten bestehet, und keiner Wissenschaft huldigt, wird aus ihrer Mitte keinen Mann wie. R. aus»veisen, durch den sich Jeder geehrt fühlen muß ,; dein R. zur Seite: steht. - Ich will Ihnen nächstens Bericht über den ganzen Vorstand senden, nur heute so viel: der Kultus besteht aus Bernays und zwei Vorstehern, ehrliche gute, Kaufleute, die durchaus von ., nichts Kunde haben, als von Tuch, Band , Drell , Leine»: n\ diese drei Männer bewachen die Synagoge .mit solcher Treue, daß auch der muvissende Chasan nicht einen N i g g 0 n abändern dars l — — — Unser Dr. Salomon hat vorigen Sonnabend eine herrliche zeitgemäße Predigt gehalten, »vo er auch die Altenfeie den Tempel sehr fleißig besuchen , höchst befriedigt, ja entzückt hat. Er schilderte .die jetzigen »velterschütternden Begebenheiten, und welche segensreiche Folge»: sie auch für uns haben würden. Jetzt wird auch wirklich der Mensch zu seinem Wc.rthe gelangen, der Adel pochte auf seine Ahnen, der Kansiuann auf seine Geldkiste, und verachtet.standen alle diejenigen, die keinen Adel und keine Geldkiste hatten l Auch'wir Hamburger Juden werden das Bürgerrecht erhalten., aber nicht von' Hamburgs sondern von Deutschland. Lübeck