Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1848)
- Date
- 1848-04-22
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
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Büudeljnden gesprochen —- haben sich durch die Lehren tüchtiger Rabbiner, durch die Ausmerzung veralteter Gebräuche und Vorurtheile, durch die Vcrvollkomtunung ihres: Ritus, durch die Annahme vieler christlichen Sitten und überhaupt durch das engere Auschließen au uns, bereits auf die Stufe gehoben, auf welcher wir stehen. — ä)iau veredelt das Herz dessen, dem man freundlich und menschlich entgegen konuut, während man das Herz dessen verwilderter und verstockter macht, den man aus lächerlicher Ueberwurdigung seiner selbst hochmüthig-von sich stößt. So wie unsere m an g el h afteu H eim ath g csetze viel kluge Köpfe, viel tüchtige Hände zur Auswanderung zwangen, oder an den Bettelstab brachten, ebenso bewirkten lediglich nur die barbarischen, nein christlich e n!! Judenverordnungen den gemeinen, verwerflichen, ja verabschenungöwnrdigen Haß der nieder»» Stände — und diesen müssen Sie angehören — gegen die Juden. Wer trägt die Schuld an den jetzigen Judenverfolgungen in Süddcutschtand? Wer anders als eben diese, durch nichts zu entschuldigenden , leider noch in vielen deutschen Staate!: bestehenden Judenverordnungen; denn, indem gesetzliche Bestimmungen sie mit eben so unmoralischein, als unmenschlichen Drucke belasteten und noch belasten, sind unsere, weniger als die Juden selbst gebildeten süddentscher: Bauern verlockt werden, den Schluß zw ziehen, daß die Juden überhaupt »reuiger »vären als sie, ja daß sie gervisscrmaßen ein Recht hätten, sie zu verfolgen, daß nun überhaupt die Zeit gekommen sei, sich an ihnen wegen c i n g e b i l d e t e r erlittener Unbilden zu rächen, weit sie , »rnt einem Werte sei's gesagt, einmal glauben, alles sie betreffende Unglück gehe von Juden aus. Wir sehen in Süddeutschland jetzt Bilder, - ähnlich den vor- und vorvorjährigen Scene»» in Galizien , an unseren Augen vorüberzieheu, und darum ist: eS doppelt uöthig, daß man die In d e n e m a n cip ire, u nt sch m a ch voll e n S ca n d a l en in der Zukunft vorzubeugen. - - Wären die Schranken, die zwischen den niederen christlichen Ständen und den Juden noch heutzutage bestehen, schon früher durch die Regierungen oder m den Staaten, wo ständische Beschlüsse Gesetze schaffen, durch s v t ch e die Schranken des Wahns niedergerissen, so würde bereits ein Vcrürtheit geschwunden sein, -welches uns Christen, »venu nicht mit Schande, doch gewiß auch nicht -mit Ruhm bedeckt. Ich habe in meinem ersten Artikel^ gesagt: ,,oft haben sich Jude»: christlicher beiviesen, als Christen// und da Sie mich auf. diese Behauptung hin fragen, bei welcher Gelegenheit? so will ich Ihnen nur einige Fälle anführcn: nämlich nach den großen U e b c r sch »v em m ungen i n Süd fr an kr e i ch , nach dein B rau de v ou H amb u r g me. re." und da -Sie-Leipziger sind / sollen Sie au ch etwas Leipzigerisch es habeu t — sel bst bei der letzten ui i ß l ich en M u s e u msan g c t ege n h e i t, . den Fall noch ungerechnet, »vo vor nicht gar vielen Jahren ein Israelit, ans Dankbarkeit dafür, daß er in unserer Stadt das Bürgerrecht erhielt, unfern christlichen Armen mehrere hundert Thalcr'zufließen ließ. Da Sie aber nach der Handschrift 31t urtheilcn Kaufmann sind, mithin das Rechnen lieben, so muß ich Sie freilich bitten, bei Ihren Rechnungökalkuleu niemals die Seelenzahl zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung eines Staates zu vergessen. Doch wozu noch länger gegen die Unvernunft streiten! — Fort also mit Vorurtheilen, fort mit Schranken, die Nienscheu von Menschen, Brüder von Brüdern reißen; fort mit gesetzlichen Institutionen; die das Jahrhundert und die in ihm Lebenden beflecken; fort auf der Bahn der Toleranz, damit endlich Harmonie an die Stelle der Disharmonie, Friede an die Stelle des Haders komme. Ich hoffe nun dem Herrn Anonymus klar geworden zu sein, warum ich ausschließlich Christen dahin bestimmen wollte, etwas für ihre deutschen Judenbrüder zu thun. Ich wollte keincstvegs Kammermitglieder irgend eines Staats dahin vermögen , Petitionen jüdischer Unterthancn bles zu unterstützen, — das versteht sich von selbst, — ich beabsichtigte viel mehr: ich'wollte sie nämlich in meinem ersten Aussatze, und will es auch noch in diesem meinen feiten, dahin veranlassen, aus frei ein Antriebe für ihre jüdischen Landsleute zu handeln und denselben zu ihren durch die Natur ihnen verheißenen Menschenrechten zu verhelfen, um dadurch der Wett offen i an den Tag legen, daß deutsche Völker nicht mehr MlnterVerurchcilen begraben Liegen, sondern würdig sind, Frankreichs, Englands und Amenka's Söhnen an die Seite gesetzt zu »verden. Ferd. Backhaus. Hamburg. Während ganz Europa nach Preßfreiheit strebt, bemühen sich die Neu-Rabbinen um die ^Fr eß-Freiheit. Der Herr Dr. Stein m Frankfurt, veröffentlicht in Nr. 11 der A. Z. d. I. einen Theil seines in der Synagoge gehaltenen Vortrags, um durch diese Veröffentlichung, wie er sich ausdrückt: „nicht : wiederum Federn und Zungen in Bewegung zu setzen." ^Der Gegenstand seines Vortrags »var, zu lehren daß ,,das biblische Verbot, das Zicklein in der Muttermilch /n kochen, durchaus nicht verbieten »volle, Fleisch in Milch zu kochen." Wenn nun zwar Federn u-nb Zungen heutigen Tages von ganz andern Dinger» als von GuLschmcckerei in ^Bewegung gesetzt »verden; »venu eigentlich das Zicklein in die Hagada gehört, und es nunmehr heißer: muß: ,,Isild es ko»nmt ein Rabbinerlein, und erlaubt das' Zicklein , das hat verboten »nein. Vätertein, ein Zicklein /re. rc.; wem: der Talmud es sogar verbietet, eine gesetzwidrige Erklärung, zimtal wenn sie von einem Jrrden