Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1848)
- Date
- 1848-04-22
- Page
- Seite 132 (sequence 7)
- Language
- German
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.132 nister nur von ,,ki'.r ch t ich en"" Verhältnisstn die Rede ist-,, so liegt allerdings die Vermuthnng nicht fern, daß tzie Js'.raeilten nicht mit: inbegriffen seien.! Will Sachsen, die. Israeliten blos deshalb, lveil sie Israeliten sind, aus seinem'.staatlichemVerbände ausschließen? Der hochherzige, lvahrhast allgemein christliche Sinn der Sachsen kann .die' Israeliten nicht aus den Grenzen seines Staatsbü rg ert hu ms bannen; das edle, religiöse Herz der Sachsen spricht hier mit cm cm der israelitischen Seher: ,,Haben ww nicht alle einen Vater? Hat uns nicht eürr- GM geschaffen? Warum verachten lvir denn e in erden andern? 1" ,,Völlige Freiheit und Niechtsgleichheit füv jedes' religiöse Bekenutlnß!" ist unser LoosmlgSwort. Dies Loosungswort' ehrt uns Konsessionen vor einander gegenseitig, dies Loosungswort ehrt uns Christen vor den Israeliten und nähert uns beide' einander, mehr als die. Anpreisung unserer Vorzüge, mehr als tausend Judrnmisstonöprediger. Oder soll etwa hier der Kräruer- und Zunftgeist seine Stimme geltend machen können? Vordem mächtigen Frühlingshauche des Geistes der religiösen Freiheit verweht dieser Geist wie der Staub, wie-ein dürres Blatt, das verschämt entflieht vor dem neuen Blätterschmuck der Bärilne. Zudem schwinden ja doch die-.Vorrechte der 'Zünfte, wie jedes Vorrecht; ein regex, rüstiger Geschäftsmann wird niemals für seinen Portheil und Erwerb fürchten, um so weniger, wenn eretwa noch zum Wetteifer angespornt wird. Pred. Dr. Zille. Den 25.--März. Die Zeit hat ihre Ansteckuugs- Miode so. gut.wie epidemische Krankheiten, die nnsrige laborirt an a n o n y m e n B rief e n. Auch inir wurde unter dem heutigen (19.) März ein solcher in Folge meines in der Tageblattsnummer vom 18. d. veröffentlichten Aufsatzes : ,,d i e Hei rn a t h s a ng e h ö r i g ke i t u n d d i e C' m an e i p a t i o n d e r I u d e n^' bete., wahrscheinlich von einem Atanue gewöhnlichen Krämergeistes, deren es Gottlob jetzt nur noch wenige giebt, zu Theil. Ich würde, wollte ich denselben hier mittheilen, das Publikum nur damit behelligen und dem Blatte unnützerweise einen Theil seines nöthigen Raumes ent-, ziehen z daher mag die Mitteilung desselben unterbleiben. Ich bemitleide den Schreiber fraglichen Brieses sowohl wegen seiner dann ausgestellten lächerlichen Behauptungen, als wegen seines miserabeln Styles, ich verzeihe ihm seine mir zugefügten Grobheiten, so wie die in demselben mir beigelegten Ehrentitel „Judendefensor, Judenlobredner^^ - an die er gewisse Verdächtigungen knüpft, denn: ,,was ich denk" und thu', das trau ich Andern zu;" ja ich verzeihe ihm Alles, weil ich glaube, daß er ein Manu ist, der gar nicht beleidigen kann. Ich stelle mir in dem Herrn Anonymus eine jener merkantilischen Amphibiennaturen vor, denen cs ganz gleich ifty ob in dem gesummten Deutschland enu Freihau delssystem oder Schutzzölle eingeführt, eines! jener G eldinänncheu, die bei all-cn^ Vorkommnissen des Lebens weder kalt noch warm werden, und nur einen Begriff von einer Sache haben, — -vom Gelde. a Ich stelle mir/unter jenen: Anonymus aber auch ein Männlein vor, der von der Kulturgeschichte der Menschen gar nichts weiß, denn sonst würde er durch die Emancipation der Juden nicht jeden Handel, nicht jedes Gewerbe gefährdet, (und sich wahrscheinlich schon im Geiste ruinirt) sehen. Wenn der Schreiber des anonyincn Brieses nur die Geschichte der Inden einigermaßen kennteso müßte er wissen, daß aus den erst nonladistrenden Juden Ackerbauer, ans diesen Werk- und Kaufleute, Künstler und Gelehrte hervorgingen, daß die Jude:: eine große ruhmreiche Vergangenheit durchlebt und wir Christen ihnen Vieles zu verdanken haben. Der Schachergeist, Herr Anonymus, den Sie allen Inden ohne Ausnahme (wie lächerlich l Sie Leipziger Huben wohl selbst nicht einmal von Mendetssohn- Bartholdy sprechen hören) beilegen, wurde denselben durch ihre Zerstreuung in alle Welt, durch die Verweigerung zuerwerbenden Landbesitzes und durch die von mir bereits in meinem frühem Aussätze beregten liebenswürdigen christli ch e n Juden ord nn ng en aufg ez w u n g e u. Wer trergt die Schuld, wenn sie ' durchgehend davon beseelt würden — so wie dies nicht 'der Fall ist, -— sie oder eben unsere ^christlichen Institutionen? Ihr anonymer Angriff aus mich hat seinen Zweck verfehlt und die Felge davon ist, daß ich zum zweiten Male zu Gunsten unserer deutschen Judenbrnder Partei ergreife. — Wurde man den deutschen Inden gleich andern deutschen Unterthanen gemeinsame Bürgerrechte, als: Erwerbung von Grundbesitz-, Zulassung zu öffentlichen Aemtern, Wahlberechtigung u. s. w. einränmen, so würden selbst Sie, Herr Anonymus, ungeachtet Ihrer scheinbar beschränkten Einsichten, bald Wunder sehen, bald Gelegenheit haben, wahrznnehmen, daß die mit uns gleichberechtigten deutschen Inden ein gleicher Burg ersinn , gleiche Bürgertngenden beseelen und gl eich vielfache B ü r g e r b e s ch ä f t i g u n g en liebgcwmuen würden. So gewiß ein gewesener Sträfling nie veredelter aus einer sogenannten Besserungsanstalt hervorgeht, und mix durch ,,G e sellschafte n zur sittlichen Erhebung gefalle!:er Mitbrüder", nur durch gute vorurtheilsfteie Menschen, die solche zu sich heranheben und in ihre Mitte ziehen, deren Besserung bewirkt werden kann — so gewiß trugen die barbarischen Judenverordnungen vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte die Schitld an der Entsittlichung der Inden, die jetzt'allerdings nicht mehr vorhanden ist und von der Sic in ganz Leipzig vielleicht nur ganz allein noch träumen. Die'denischeu Juden unserer Tage >—- ich habe nie von polnischen