Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1848)
- Date
- 1848-04-22
- Page
- Seite 130 (sequence 3)
- Language
- German
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130 ihnen der Jude ein flößen, wenn sie das Lärmen, Schreien, Poltern, den Singsang und die Derascha im jüdischen Jargon hören? Am Sühnetage sind die österreichischen Synagogen von Christen zahlreich besucht, und da eröffnet sich eine Tragik in der C'ingangsderascha, die nicht zu Thranen rührt, wohl aber abstößt. Der Kliltus,^ der äußere Habitus deö Judenthums muß zeitgemäß und. ästhetisch werden, wenn der lange genug verachtete und verfolgte Jude seine Stellung in - der Gesellschaft erreichen sott. Mögen die österreichischen Nabbinen ihre alte Schuld sühnen und ihre Gemeinden der 5iifiU>rcn* iSDie Geschichte, wird sie einst vor ihr Tribunal fordern. Ad. Jellinek. Deutschland. Blliern, im März. (Monatsbericht.) Der lange in Deutschland geführte, seinem glorreichen Ende nahe Kamps um Emaneipation der Inden scheint bei uns noch nicht ganz ausgekämpft zu fein und es werden vielleicht noch einige Hiebe zur Niederwerfung des alten Judenteufels uöthig werden. Zwar pctitiontren alle großen Städte um völlige Gleichstellung aller Staatsangehörigen,, zwar geschah ein Gleiches auch von circa. 30 Landgemeinden in einer Vorstellung an die Stände, zwar ist in ganz Deutschland nur eine Stimme über diesen Punkt: gleichwohl hat man sich von oben herab noch nicht ganz in diesem Sinne erklären wollen. Die Proklamation v. 6. d. M. spricht' nur von einer Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten. An sonstigen Einzelheiten habe ich Ihnen Folgendes zu berichten: Der Schullehrting H i r sch i n g e r hat die erbetene Dispensation vom Besuche des Seminars von allerhöchster Stelle nicht erhalten. ,,Es ist zu spät!" möchten wir auch hier anwenden. Wir werden hinfort wieder vorschriftmäßig gebildete Lehrer und Rabbiner erhalten. Wegen Mangels an jüdischen Schulamtskaudidaten bestellte kürzlich die kon. Regierung zur Ertheilung des Elementarunterrichts an der israel. Schule zu Gunzerhausen einen christlichen Gehilfen. Den wollte die Gemeinde nicht, sondern sie möchte gern den Weg zur Auflösung der dortigen vereinigten Schulstelle schon beim Leben des alten Lehrers anbahnen und daher ihre Kinder ln die christlichen Schulen schicken, 'welchem aber schon aus Mangel an Raum nicht Statt gegeben ward. Es wurde deshalb Beschwerde bei der kön. Regierung' erhoben. Die Gewalithätigkeiten gegen einige Judengemeiuden in Oberfrankeu verübt, werden von unfern politischen Gegnern als eine Waffe gegen uns und von unfern Feinden in unsere Mitte, unsem Zeloten, als ein Strafgericht Gottes wegen der dortigen „Neumodischkeit" gehandhabt. Zum Glücke leben aber dort die gewerbfleißigsten Juden, denen kein Vorwurf des Wuchers gemacht werden, kann und zum Unglück wurden nicht nur die Juden dem Distrikt des frommen Rabbiners Adler in Abschaffenburg und die noch frounncru in Ungarn von jenem Uebel heimgesucht. Doch 'Auswüchse der Zeit werden schwinden vor der Sonne der Humanität, die über unserm Haupte strahlend aufgegangen. Und nun noch ein Wort zur Erwiderung, aber ein und für allemal. Herr Maison in Oberdorts in Würtemberg, längst über eine Zeit grämlich, die ihn nur noch als Wrak eines zeitgemäß gebildeten Lehrers zurückgelaffen hat, gefällt sich jetzt darin, den Hyper- Octhode.ren zu spielen und findet deshalb für seine ^bekannte Fertigkeit im Suadronireu und Raisonrren über alle Welt den geeigneten Tummelplatz tm Zionswächter.» Da sitzt er denn einmal über das der würtemberg i scheu Lehrer, ein anderes Mal über die Küche der Würtcmberger zu Gericht, wirst getegeuheitlich eiueu Stein nach einem armen verfolgten Ungar und schwatzt auch über baier'sche Zustände, was ihm in Bierhäusern zugetragen wird u. s. w. Ganz nach Ueberläufer Weise begeifert er nicht nur, waS er sonst bis in die Wolken erhob, wie diese Zeitschrift, in die er sogar schon einige Zeiten geschrieben, sondern auch seine frühem Freunde und schmähet daher auf mich bald in Knittelversen, bald unter der Maske eines Mittelfranken oder eines ,,Einfältigen^. In seiner Arglist läßt er sich über mich dieses und jenes sagen, woran ich nicht entfernt denke, wie ich überhaupt au etwas Schöneres denken mag, als au dies alte Haus und mich mit etwas Besserem zu beschäftigen weiß, als mich mit diesem schwäbischen Rückgäuger herumzubalgen. Seine fernem Ausfälle und Einfältigkeiten werden daher für die Folge gänzlich von mir ignorirt werden. Mag er sich dadurch und durch sein ,,fleißiges Schulengehen", wodurch er sein früheres Entbindenlasseu vom Besuche der Synagoge durch die katholische Oberkirchenbehörde gesühnt hat, die Heiligsprechung* Verdiener:. Für einen preußischen Thaler zerreißt er doch, seinen “iny jn1^ rcsp. beachtet ihn nicht, wie er erst kürzlich erklärt hat. Noch mehr solcher Männer auf Eurer Seite, Ihr Wächter über Zion und die nSiNJi ist nahe. Zahlen braucht Ihr ihn nicht, er bezahlt auch nicht, darum die wegwerfende Weise , mit der er von dem Verdienen eines kleinen Honorars spricht. — K. Leipzig, 29. März. (Fortsetzung.) Aus diesem Grunde schon ist cs unsere Schuldig- . *) St. Urins klingt wirklich nicht übel und wir habest dann eine Rewe von Uriasbriefen von ihm zu erwarten.