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Der Orient · 1848-04-15 · 16 (15.4.1848) · p. Spalte 251-252

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
16 (15.4.1848)
Date
1848-04-15
Page
Spalte 251-252 (sequence 6)
Language
German
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251 ' Studien. Falsche Bibelcitate. Ebenbürtigkeit versagen, eines Bessern zu belehren, daß dergleichen Werläumdungcn und Vefälschungen biblischer Stellen der Ocffentlichkeit übergeben, und ihre Verbreitung soviel als möglich befördert werde. Es mögen hier blos zwei Beispiele, das Eine vom Ende des vorigen Jahrhunderts, das Andere aus ganz jüngster Zeit folgen, die einen Jeden auf das Klarste überzeugen müssen/ welcher schändlichen Waffen man sich zu bedienen nicht scheuete, um das ni.edergebeugte, aber doch stets unbeugsame jüdische Volk in den Augen der Welt moralisch zu tödten. In einem nach der 7. Ausgabe zu London erschienenen Dielionaire philosophiqtie wird das jüdische Volk eines nicht Geringern angeklagt, als daß es zu den Karnebalen gehörte und dies zwar wird mit einer Bibelstelle motivirt. Wir lasten hier die ganze Stelle im Originale folgen, welche Seite 36 Artikel Antropofages so lautet, „liest irai que du teins d’Ezeehiel les juifs devaient etre dans l’tisage dp manger de la chaire humaine, rar il leur predit au diapitre 39 V, 18, 19, 20 que Dieuleur ferait mutiger nun seulement les chevaux de leurs ennemis, mais enoore les cavalfers et les autres guerriers« Cela est positif et en effet pourquoi les juifs n’auraient-{ls pas etei, antropofages? c’eut ete la seule chose qui eut mauque au peuple de la terre.“ Die hier eiterten Bibelstellen enthalten-wirklich das Besagte, indem es Ezechiel Kap. 39'heißt: V. 18. Fleisch der Starken sollet ihr essen und Blut der Fürsten aus Erden sottet ihr trinken, der.Widder, der Hammel, der Böcke und der Ochsen, die allzumal feist und wohlgemästet^ sind. 19. Und ihr sollet das Fett essen, daß. ihr voll werdet, und das Blut trinken, bis zur Trunkenheit , von dem Schlachtopfer, das euch schlachte» 20. Sättigt euch nun bei meinem Tische von Rossen und Reitern, von Starken und allerlei Kriegsleuten, spricht das göttliche Wesen. " — Allein Herr Philosofus, wenn mau sie in jener andern Welt der Wahrheit, wo Lug und Trug verscheucht und die Larve den Heuchler .abgerissen wird, wenn man sie da zu Rede stellte, ob sie auch wohl durchdacht, was sie niedergeschricben? Auf wen beziehet sich diese Stelle, etwa auf das jüdische Volk? warum gaben sie zur bessern Verständlichkeit des -Ganzen auch Vers 17 an, wo es heißt: Nun du Menschensohn, so spricht das göttliche Wesen: sage allen Thieren auf dem Felde sammelt euch und kommet her; sammelt euch ringsumher zu meinem Schlochtopfer, daß ich euch ein großes Schlachtopfer schlachte auf den Bergen Israels, wo ihr Fleisch essen und Blut trinken werdet. 18. Fleisch der Starken sollet ihr essen und Blut der Fürsten auf Erden sollet ihr trinken. Die Apostel, die sich überhaupt an dem Punkte: IHN 'JOJDD . nicht so strenge hielten — haben dasselbe Bild und kömmt dies Offenbarung Johannis Kapitel 19 Vers 17, 18 vor; und doch siel es nie einem jüdischen Gelehrten bei, dieselben als Karnebalen zu bezeichnen. Jndeß wird ein jeder aus der gehässigen Glosse leicht ersehen 252 wes Geistes Kind der Verfasser sei und daß er ein Jünger der Voltair'schen Schule, die allem Positiven, mit gerechten oder ungerechten Waffen, einen Krieg auf Tod und Leben erklärte. Wenn wir aber dergleichen Bibelverdrehungen und die Cktirung aus dem Kontexte gerissener Stellen in unserem Jahrhunderte.der Erleuchtung und von Schriftstellern der, auf die Flachheit des frühern Säculums und vorzüglich des damals vorherrschenden französischen Geistes mit Stolz herabsehenden deutschen Nation bemerken, so wissen wir wahrlich keinen Ausdruck des Abscheues für diesen bübischen Betrug bezeichnend genug. Es ist sonderbar, wir haben Gesetze zur Bestrafung Jener, die unsere Ehre antasten und uns Falsches andichten; wer es wagen sollte Dokumente zu verfälschen, oder unfern Namen zu misbrauchen wird., als Verbrecher zur Rechenschaft gezogen; doch was die Menschen als das heiligste Dokument anerkennen, worauf sie ihr Heil und ihre höchste Glückseligkeit setzen, das kann und darf jede frevelnde Hand ungestraft verfälschen. Unlängst las ich die populäre Mythologie von Nork: herausgegeben Stuttgart von der Gesellschaft zur Verbreitung guter und wohlfeiler Bücher/ Es ist weder der Tendenz noch dem Raume des gegenwärtigen Blattes gemäß das System zu erörtern, das der Verfasser seinem Werke zu Grunde gelegt; wie er alles gltichsam bei den Haaren herbeischleppt, daß es nur zu seinem Krame passe. Allein mit tiefem Abscheu wird jeder Redliche, zu welcher Meinungs- und Glaubenspartei er auch gehöre, einem Werke den Rücken wenden, worin mit dem Heiligen ein so freventliches Spiel falscher Cirationen getrieben wird. Als Muster diene hier folgende Stelle: Im erstem Bande, Seite 142 äußert sich Herr Nork wie folgt: daß David einmal seine Gefangen dem Jehova opferte (2. Sam. 8, 11.) ein andermal aber nur ihre Vorhäute (I. Sam. 18, 17.) Wir wollen besagte Bibelstelle, wovon Herr Nork blos das Ende bezeichnet, ganz und nach Luthers Uebcrsetzung hier mitthei'.en, welche im zweiten Buche Samuel Kapitel 8. Vers 9 so lautet: 9. Da aber Thoi, der König zu Hemoth hörte, daß David alle Macht des Hadad Eser geschlagen; 10. sandte er Joram, seinen Sohn, zu David, ihn freundlich zu grüßen und ihn zu segnen, daß er wider Hadad Eser gestritten und ihn geschlagen harre (denn Thoi hatte einen Streit mit Hadad Eser) und er hatte mit sich silberne, goldene und eherne Kleinodien, 11. welche der KöniaDavid auch dem Herrn heiligte, sammt dem Silber und Golde, das er dem Herrn heiligte, von allen Heiden, die er unter sich gebracht. Dieselbe Stelle findet sich auch im ersten Buche der Chronik Kap. 18 (Luther 19) Vers 9, 10, 11, wo zugleich die Völker bezeichnet werden, denen David Gold und Silber im Kriege abgenommen und es dann dem Tempel geweihet hatte. Folgen wir nun der zweiten Citation des Herrn Nork. Im ersten Buche Samuel Kapitel 18 wird erzählt, daß Saul der den David gern beseitigen, jedoch nicht selbst Hand an ihn legen wollte, letzterem den Vorschlag machte, gegen die

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