Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 16 (15.4.1848)
- Date
- 1848-04-15
- Page
- Spalte 247-248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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247 248 Studien. Die Volksbibel des Rabb. Sachs. daraus machen, Seelen zu Haschen, die Worte der heiligen Schrift nach ihrer Bequemlichkeitsliebe zu drehen und auszu- Legen und alles Heilige zu verdächtigen und hinweg zu disputiren; welchen Vortheil ^nn unter diesen Umständen, dem Schwachen, Unwissenden, die bloß wörtliche Übersetzung zu seiner Standhaftigkeit gewähren?- , Wird ihm aber eine Bibel ln die Hand gegeben, in der der Text möglichst treu,'und in reiner einfacher Sprache übersetzt , die dunkeln und räthselhaften Stellen, die schwierigen Gesetze und Vorschriften nach einer gesunden Ansicht der alten Kommentare und den Resultaten neuerer Forschungen rationell und vorurtheilsfrei erklärt, die schlüpfrigen, unanständigen Erzählungen , durch klare, die Zeit und die Umstände berücksichtigende Gründe gerechtfertigt, das Göttliche, Erhabene, das hier in. jedem .Satze sich offenbarer, Hervorgehoden und zum Muster aufgestellt , das rein. Moralische,- das durch alle Begebenheiten und Lehren sich hinzieht, und alle Verhältnisse des menschlichen Lebens durchdringt, mit guter Gewandtheit zur Weckung edler Gefühle und zur Bildung des Geistes benutzt ist; so muß diese, nicht nur für Augenblicke ihn erbauen und erheben, sondern sie muß^em heiliges Feuer des innigen festen Glaubens in ihm auschüren, und es stets lebendig und rege erhalten, und so an ihm die Bestimmung erreichen, die die beabsichtigte Volksbildung eigentlich haben soll. Und geht auch dieser Schrift die Kraft jener gefälligen, gemüthlichen Diktion nicht ab, die in ihrer Einfachheit und Popularität auffeine, .verständige Weise die etwas lockere Seite des .Herzens bei der-dumpfen Resonnanz des Geistes, doch einen , entsprechenden Ton zu entlocken ün Stande ist, so muß sie Wunder bei den natürlichen, ungebildeten Gemüthern bewirken; dann muß . sie das Herz öffnen und für. ächte Menschenliebe empfänglich'machen, den Geist zum freien Gebrauche seiner Kraft mahnen, ihn. mit den wirksamsten Waffen gegen alle äußern Angriffe, ausrüsten, , und ihn so mitten durch das unheimliche Gehege voll Aberglaubens und Vorurtheile einen sichern Weg zu dem lichten und freiem Anger des Guten, Schönen und unv Wahren bahnen. : . >. ' Einer solchen Arbeit nun hat Herr Sachs trotze seiner häufigen Berufspflichten Und seines ausgebreiteten praktischen Wirkens, auf einem öden, von allen wissenschaftlichen Quellen entfernten Platze mit vielem Eifer, und Fleiß sich unterzogen, und sie/ soweit meine Ansicht reicht, und ich von Sachverständigenvernommen habe mit gutem Glücke begonnen. Er hat nicht nur die oben gestellten Bedingungen aufs Trefflichste erfüllt, sondern er hat auch zu vielen Stellen der heiligen Schrift passende moralische Erzählungen aus dem Talmud und den Midraschim.hinzugcfügt und bei jedem noch jetzt gebräuchlichen Gebote die notwendige Erklärung und eine kurze Geschichte seiner Entwickelung, wodurch es zu dem Umfange gekommen, in dem wir es heute beobachten, beigesetzt, und hat im Ganzen eine gefällige Form mit einem.einfachen und anziehenden Style vereinigt Doch damit es nicht scheine, daß ich der Arbeit des Herrn Krei'srabbiner Sachs eine Panegyrik halten wolle, so werde ich lieber die Sache selbst sprechen lassen? Ich habe nämlich einige Aussätze aus dem Manuscripte des Herrn Verf.'s mit dessen Erlaubniß abgeschneben, die ich hiermit einzuschicken mir die Ehre nehme, und ich hoffe, Sie werden nach gründlicher Prüfung derselben um so weniger an stehen /sie in Ihr geschätztes Litecaturblatt aufnehmen und W starke Anzahl der Leser desselben darauf aufmerksam zu machen, als aus allen Zeilen dieses so heilsam/wirkenden Organs, der Eifer und das edle Streben allzuklar hervorleuchten, mit welcher dasselbe alles dasjenige den weitern Kreisen darzubringen bemüht ist, was nur wohlthätig auf den geistigen und physischen Fortschritt der Israeliten zu influiren vermag.. Die Auswahl der Ssücke hat mir manche Schwierigkeit gemacht; weil ich Alles für trefflich und gediegen halte; doch habe ich vor der Hand das 5., 17. und das 49. Kapitel der Genesis gewählt , und zwar erstens um zu beweisen, wie der Herr Verfasserein .inhaltleeres'Kapicel, ein bloßes Namenregister zur Belehrung und Erbauung anzuwenden versteht, zweitens, weil der Inhalt desselben, nämlich die Einführung des göttlichen Instituts der Beschneidung in neuerer Zeit ein Gegenstand der Diskussion geworden; und endlich drittens, um zu.zeigen, welche treffliche Bearbeitung diesem schwierigen poetischen Stücke der Schrift , hierzu,Theil geworden ist: ' . Fünftes Kapitel. Verzeichniß der Na ch kom m en Ad.ams bis Noah. I h r A l t e r im d L e.b e n. 1—52. Folgendes ist das Verzeichniß der ersten Menschen. Als Gott den Menschen schuf machte er. ihn in der Aehnlichkeit Gottes. Mann, und Weib schuf er, .segnete sie und legte ihnen den Namen Adam, Gebilde, Mensch, -bei. Durch den "Namen, den Gott den Menschen und nicht den Thieren gab (die erst vom Menschen ihren Namen erhielten) sollte zugleich die Würde des Menschen und sein ihm von Gott eingeräumter Vorzug vor den übrigen Geschöpfen angebeutet und ausgesprochen sein. (Siehe die Bemerkung im ersten Kapitel bei der Benennung des Lichts). Als nun Adum Ein Hundert und dreißig Jahre lebte, zeugte er einen Sohn in seiner Aehnlichkeit, nach seinem Ebenbilde und er nannte ihn Sch et h. Der Ausdruck, er zeugte in seiner Aehnlichkeit, nach seinem Ebenbilde, so wie die ganze Wiederholung von der vorzüglichem Schöpfungsweise des Menschen in diesem Verzeichnisse will andeuten, daß alle von Adam abstammenden Menschen mit denselben Vorzügen zur Welt gekommen, die dem Adam von Gott verliehen wurden. Nachdem Adam den Scheth gezeugt hatte, verlebte er noch acht Hundert Jahre, in welchen er'Söhne und Töchter zeugte. So waren alle Tage Adams, die.er durchlebte, neun Hundert und dreißig Jahre; da starb er. Scheth lebte Hundert und fünfzig Jahre und zeugte den Enosch. Nachdem er den Enosch gezeugt, lebte er noch acht Hundert und sieben