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Der Orient · 1848-04-15 · 16 (15.4.1848) · p. Spalte 245-246

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
16 (15.4.1848)
Date
1848-04-15
Page
Spalte 245-246 (sequence 3)
Language
German
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245 Slubien. Die Wolksbibel des R. Sachs« 246 als Belehrungs- und Erbau ün.gsbu.ch. für IsraedieslN Werken jedoch wechselt. ein heiteres Spiel der Phantasie mit dem Ernst auf eine gefällige Weise ab. MosesIbn Esra besingt die Schmerzen der Trennung von der Geliebten (vergl. weiter oben), die Reitze weiblicher Schönheit, Kalonymos flocht in seinem Buche geistreiche Stellen über manche Lächerlichkeiten des menschlichen Lebens ein und erheiterte auf die ergötzlichste Weise seine Leser. Immanuel, indessen schätzbaren Kommenrarien zur Bibel man den Verfasser der Machberot nicht erkennt, hat in dem'letztgenannten Werke die heitersten mit den ernsthaftesten Stellen abwechseln lassen. Unser Je da ja aber hat-in seinen Blättern keinen Raum gefunden für-heitere Anschauungen. Eine ausführliche Vergleichung des mit dem pN. wäre, hier wohl am Platze. Kalo nym os, der. jünger war als Iedaj a, hat allem Anscheine nach das Werk des Letztern vor sich gehabt, und. manche Stellen beweisen dies deutlich. Jedoch müssen wir augenblicklich auf diese Vergleichung verziehten, um die Grenze einer Anzeige nicht zu überschreiten, wir hoffen aber diesen Gegenstand später zu betrachten. Herr M. E. S tern, riihmlichst bekannt sowohl als einer der besten jetzt lebenden hebräischen Stylisten als auch geschmackvoller Uebersetzer hebräischer Schriften, wovon seine Uebersetzung des iiN'N ben besten Beweis liefert, hat auch jetzt dem lesenden Publikum eine eben so elegante als treue Uebersetzung des nOTD dargeboten, welche sich des Beifalls aller Freunde der hebräischen Literatur zu erfreuen hoffen darf. Wenn wir aus dieser Uebersetzung keine Proben geben, so-geschieht es deshalb, weil der Uebersetzer selbst in einem frühern Jahrgang des Orients bereits einige Stellen derselben mittheilte. Herr Stern schließt sich als würdiger Genosse den andern ehrenwerthen Arbeitern auf diesem Gebiete an, und es wäre zu wünschen, daß derselbe sich ferner noch dieser Beschäftigung widmen möge. (Fortsetzung folgt). Uever die Volksbibel des Nabb. Sachs. Unter den vielen Ankündigungen und Proben, die Ihr weitverbreitetes und aUbeliebtes Blatt über neue Leistungen und 2lrbciten israelitischer Gelehrten bringt, die alle von unschätzbarem Werthe sind und uns die erfreulichsten Wirkungen auf die intelektuelle und moralische Ausbildung unserer Glaubensgenosien erwarten lassen, dürfte auch die Nachricht überein bald zu erscheinendes Werk in Böhmen, wodurch einem tief gefühlten Bedürfnisse in Israel auf eine vollkommene Weise abgeholfen werden soll, ein ehrenwerrhes Plätzchen finden. Der elbogner und saazer Krcisrabbincr, Herr Salomon Sachs, dcr schon mit der Uebersetzung und Erklärung des Propheten Jeremias und andcren Opuskelu bescheiden hervorgetreten ist, beabsichtigt die Herausgabe einer Volksbibel liten (nach Art und Weise der Dlnter'schen)<, Daß ein solches Werk in unserer Zeit Notb thut, ist schon von verschiedenen Seiten und in vielen öffentlichen Blättern ausgesprochen worden; daß es aber auch, wenn es den Forderungen, die an dasselbe gemacht werden, entspricht, freudig wird vom Volke ausgenommen und zu Nutze gemacht werden, das weiß nur derjenige am besten, der im Kreise der minorum gentium sich bewegt und ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen lernt; denn so sehr auch unser Zeitalter als ein regsames, fortschreitendes, aufgeklärtes gepriesen wird, so gesegnet es auch ist an rühmlichen Gelehrten, an großen und Hellen Geistern, so überfluthet wir auch werden mit lehrreichen und erbaulichen Schriften, so fehlt es dennoch dem Volke in Israel selbst an solchen Mitteln zu seiner Ausbildung, wie es sie früher vor hundert Jahren, vor einigen Decenien besaß. Die alten Werke, wie, z. B. -ün-q, uro l'mT-Jp' rtfNSJ, ty.iy'D&y haben, so fade und lächercherlich sie uns heute erscheinen, zu ihrer Zeit viel Gutes gewirkt, und trotz ihren Mängeln an Reinheit und Gediegenheit, und ihren Ueberflüffen an Absurditäten, haben doch Hausväter «. Hausmütter an ihnen sich ergötzt und erbaut, und mit dem Lesen derselben die geschäftslosen leeren Stunden der Sabbat- und Feiertage ausgefüllt. Da fanden sie denn doch manches gesunde Samenkorn, das sie in ihr Inneres, in ihren Familienkreis verpflanzten, und der oft zu schönen, heilsamen Früchten herangedieh; da wurden sie denn doch mit mancher schönen Stellender heiligen Schrift bekannt, die einen wohlthätigen Einfluß auf die Verhältnisse des praktischen Lebens hatten, und zum Mindesten lernte doch die Jugend im Hause und außerhalb des Gotteshauses sich geistig und mit den Lehren der Religion beschäftigen und unterhalten. Aber heute — diese Werke alle sind verschollen, ein Gegenstand des Gelächters und des Spottes geworden und mit Recht aus den Häusern vernünftiger Israeliten verbannt — und was ist an ihre Stelle getreten zur Belehrung und zur Erbauung frommer jüdischer Familien? Welches sind die brauchbaren wirksamen Volksschriften, die als equivalcnt den weniger gebildeten Hausvätern und Jünglingen, den frommen Frauen und Jungfrauen zu ihrer Bildung und Andacht in die Hände gegeben werden könnten? — die deutschen Bibeln? — diese sind wohl an und für sich treffliche und für Prediger, für Männer von Fach unentbehrliche Werke, beim Volke aber können sie den Effekt nicht hervorbringen, dm sie sollen. Die meisten dieser Bibeln sind ohne Erklärung und moralische Schlüffe und so strenge uü verbum übersetzt, daß derjenige, der den Text nicht kennt nur mit schwerer Mühe den wahren Sinn heraussindet. Welchen Nutzen kann aber der Laie aus einer bloßen Uebersetzung der Bibel schöpfen? Wie viel Stellen müssen ihm nicht trotz der Uebersetzung dunkel und unverständlich bleiben? Wie viel ihm nicht obscön und. auffallend.erscheinen? Und. vorzüglich in gegenwärtiger Zeit, wo es nicht an Füchsen fehlt, die absichtlich den Weingarten Gottes verderben, die sich ein Verdienst 16 *

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