Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1848)
- Date
- 1848-04-15
- Page
- Seite 126 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 126 die Stadt und es ist bis jetzt noch keine Ruhestörung vorgekommen ^). ) Aus der Mitte der polnischen-Nation, bildete sich eiu Konnte, welches die Wunsche derselben , durch -die Preßfreiheit begünstigt, in gedruckten Proklamationen, die wir fast allstündlich an den Ecken sehen, kund ge- Lhan> und erwähnen wir davon bloS eine einzige, weil sie die Israeliten betrifft , unb theiten dieselbe irr deutscher Uebersetzung hier mit"): . ' ' Neben dem polnischen Konnte ck'onstitmrte sich ein deutsches, dem L Israeliten, die Israeliten, HH. vr meä. Handke und Korperations-Vorsteher-Kaatz beitraten und von den christlichen (deutschen) Mitgliedern mit wahrer Freundschaft ausgenommen wurden. , Von dieser Seite wird den polnischen Brüdern vollkommenes Recht eingeräumt, sie bieten ihnen brüderlich die Hand und Hülfe, selbst wenn es gilt, gegen -den Czaren zu kämpfen. —- Kokarden sind ausgetauscht und man sieht nicht Einen, der nicht beide National- Kokarden (die deutsche und polnische) zur Schau trägt. V o l l k üiiiitt e 11 e Ein h eit ist herge ste l lt! l Nichts war erhebender, als einen kathol. Geistlichen, den liebenswürdigen, jnngen I)r.Üievl. Prusinow.ski, auf öffentlicher Straße zum 'Volke sprechen zu hören: (polnisch) Nur Einen Gott haben wir und als Kinder dieses Einen Gottes wollen wir einander brüderlich die Hand reichen und ewige Freundschaft und Einheit schließen. Sei es Pole, Jude oder Deutscher^)! Alles sei von nun an gleich; kein Unterschied herrsche in dieser Provinz (Hurrah-Schreien und Frcüdenruf folgten diesen Worten). Darauf nahmen mehrere andern Polen und Deutsche das Wort und sprachen in demselben Sinne, ja verlangten von ibren israelitischen B r ü dern eine gleiche Aeußemug zu höreil und der oben erwähnte Hr. Kaatz hielt im Namen der Judenschast eine dem Verangegaugmen angemessene Rede, die Hr. Dr,med. S a m- L e r, ein Israelit, i n p o lnisch er S pr a che wiederholte und ungeheures Vivatrufen beschloß, dm Bundesakt. Denselben Abend wurde die Stadt -von allen Konfessionen herrlich erleuchtet und Transparente gaben den fak- 1) Zu unserem größten Bedauern hören wir so eben aus gewißer O.uelle, daß in kleinen Städten und Dörfern der Provinz an Juden Ereefse verübt wurden. Proletarier, zu denen sich polnische Sensenmänner gesellen, rauhen/plündern und morden. Sie baden kaum eine Reaktion zu befürchten, indem die Berliner Ereignisse die Behörden abgeschreckt haben und glauben diese ihr Leben in Gefahr zu stellen, wenn sie energisch eingreiien würden. So herrscht demnach in den übrigen Theilen der Provinz eine v ö l l i g eA na r ch i e, deren Zielscheibe die armen Israeliten sind.. 2) . 2st bereits in vor. Nummer mitgetheAt. Red. 3) In Polen werden die^drei Konfessionen dieserweise bezeichnet. tischen Beweis, daß man es mit dem geschlossenen Freündschaftsbnnde ernst meinte. Wir aber hoffen und wünschen , daß er kein einstweiliger sei und giebt Refr. dievollkommene Versicherung, daß die Israeliten unserer. Provinz gewiß Alles dazu beitragen werdendiesen Einheitsbund stets aufrecht zu erhalten und so gehen wir, Israeliten in - Preußen, Polen der freudigen Zlck'unft entgegen, daß , wenn auch diese Provinz eine Reorganisation erleiden wird. und das wird jedenfalls, wenigstens von preußischer" resp. deutscher Seite., auf diplomatischem Wege, zu Gunsten der polnischen Nation geschehen — wir nicht b los geduldet,-sond e r n uns er c n Br ü b c x n in Deut sch l a ll d g-1 e ich. ) völlig emaneipirt se i n w er d e n. H I N a ch sch r i ft. So eben kommt uns die bedauerliche Nachricht zu , daß' die Li'ssaer Israeliten es wagten , den dasigeu Polen, Edetteuten als. Bauern ihre National- Kokarden gewaltsam wegzureißeu und so die Sympathie der Polen für die JSracliteil .mit Füßett traten. Schade, . daß die Liffaer Judeit sich sogut als patriotische Preußen zeigen. .Würden sie dies - früher bewiesen haben, und — und — (was denn?): und der Preuße h ä t t e si e n o ch m c h r tt u t e r d r n ck t. Ich aber sage Euch, lieben Liffaer: Ne sulor ultra crepidam. M..er. Leipzig, 29. März. (Fortsetzung.) Den 18. März. Wenige Worte über Hei-, m a t h s a lt g e h ö r ig k e t t u u b Jude n emaneipation. Die Bewegungen unserer Tage, so natürlich an rlnd für. sich, sind so rasch auf einander gefolgt, daß . sie. iu den fast überall gleichmäßig, ausgesprochenen und errullgenen Volkswünschen eine so wesentliche Lücke zurückließelt, die jetzt zu berühren uuö eine heilige Pflicht scheint. Wir meinen die H eimathsan g eh orig fett und Iu d euemancipation in Deutschland. Die eine muß mit der andern erfolgell, denn eine oder die andere in Antrag zu stellen, oder die eine ohne alldere zu gewähren, wäre eine Inkonsequenz, sowohl von Seiten der Antragsteller, als von Seiten der Gewährenden. Wenn unsere gefesselt und geknechtet gewesene Presse das Mittel war, uns die Verachtung des Auslandes zuzuziehen, so machten unö die g esetz.lich e n deutschen. Heimathsverhältuisse und die Gesetz liehen deutschen Judenordnungen dem AnSlande gegenüber wahrhaft und mit Recht lächerlich. Die Behandlung des unglücklichen Schnün Moses und sein unfreiwilliger Transport nach Amerika wegen unge-. rrügenden Ausweises seiner Heimathallgehörigkeit ist eben so ungewöhnlich , als dem deut sch e n Sachsen , dem deutschen Preußen, dem deutschen Holsteiner, .dem deutschen Ocsterreichcr re. in so vielen andern 4) NB. Wenn man den Polen trauen darf.