Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1848)
- Date
- 1848-04-15
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 2× ep/1006163
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Zeit ließ, sich heimlich ans Paris zu entfernen, ist unser minister eeelesiae , kurz darauf, nachdem er sich vor dem O’med gestellt und 1)/ flir^ angefangen hatte, von einem-der Vorsteher beim Kragen gepackt und durch die Synagoge bis ln den Vorsaal (Einige sagen: bis auf die" Straße) geführt worden. Und warumHierüber schweigt die Geschichte. — In einer andern Gemeinde des Netzdistrikts, wo seit noch gar nicht langer Zeit ein moderner Theolog als Rabbiner und Prediger fungirt, hat neulich ein stattgefunden, zu welcher Feier, wie es sich von selbst versteht, arrch der neue Geistliche eingeladen und erschienen war. Und da hat es sich ereignet (o was doch Alles in der Wett jetzt vorgeht!Y daß ein orthodoxer *?rpD, der hergebrachter Weise mit dem Vortrage der 'pTon nDlD beehrt wurde, so verwegen war , in dem ersten, dem geweiheten manb' das Diplom ,,More-Morenu^ wegzutassen und schlechtweg „Morenu-Raw" zu recitiren. O welcher Frevel! welch unerhörte Malice? Die übrigen Tischgenofsen waren wie vom Blitze getroffen. Die Indignation war furchtbar. Während des „Benschens" wurde mit den Fußen gerutscht und den Zähnen geknirscht, und das Angesicht des Titeträubers mit den wüthendsten Blicken bombardirt. - Und-als das Gebet zu Ende war,, da standen sie auf, die Erzürnten, Alle wie Ein Mann, und lärmend und polternd,- und schreiend und scheltend stürmten sie los; auf den Kühnen, der es gewagt hatte, ihren-Rabbi (wie-sie sich ausdrücken) ,, negativ zu in-/ stlltiren". — Der Mohel aber stand fest wie eine Mauer, verzog keine Miene, weder zum Lachen noch zum Weinen, und dachte nicht im Entferntesten daran, sich ob seines Vergehens zn verantworten. Dieses Benehmen reizte aber die „für Rang und Titel" Kämpfenden nur noch mehr, ihre Indignation steigerte sich mit jedem Augen-- blicke, und es entstand ein Skandal, als gelte es, eine Bourbonische Dynastie vom Throne zu jagen. — Da legte 'sich endlich der Rabbi selbst ins Mittel. Erreichte dem Mohel die Hand und bat und beschwor ihn , zu erklären, daß er die „More-Morenu" vergessen — nicht aber v orsätzlich weggelassen hätte.— „Ja, ich hab's vergessen" murmelte der M. in den Bart, und die Gemüther waren besänftigt — die Revolte war zu Ende. Die Delitzsch-Einhorn'sche Mila-Polemik, welche dem ausgehungerten Zions-Wächter auf eine kurze Zeit so reichlich Futter geliefert, hat auch bei uns zu Lande schon mehr als Eine Feder in Thätigkeit gesetzt. Geschrieben ist Manches worden — theils in hebräischer, theils in deutscher Sprache — aber v er öffeutlicht noch gar Nichts Es gicbt gewisse Gelehrte in unserer Provinz, die, wo sie nur irgend Etwas von einem Verstoße gegen die Religion vernehmen, sich auf der Stelle Hinsehen und ,,i hre A n si ch ten" über den betreffenden Gegenstand aufs Papier bringen. Drukken jedoch lassen diese Herren Nichts, wahrscheinlich, weil sie in der Regel selber nur allzusehr gedrückt sind,. Ob diese Schriftstücke — worunter übrigens manches Gute —- einstmals als ,,Nachlaß" im Drucke erscheinen werden? Kann sein. —- Bei dieser Gelegenheit kann , ich nicht umhin, meinem Kollegen, dem Berliner ^Korrespondenten, eine 5Incffcotc y iifccr er gewiß rtcht herzlich lachen und vielleicht auch einen Witz machen wird. — Ein sogenannter Schaz-Maz.im äußer-' sten Nnden unseres Bezirks (in P. K. a. 33.) prahlte und that neulich sehr groß damit, daß auch er gegen.die neuen Rabbinen schon so Manches geschrieben und besonders jetzt gegen die Holdhcim's und die Ein'horn's. recht stark schreiben wolle. ,,Ich hoffe — rief er begeistert aus — mehr auszurichten, als alle Rabbiiur des Netzdistrikts zusammen ausgerichtet haben, und wenn sie noch einmal aufständen und sich vereinigten, ausnchten könnten. Denn sie sind nur im Jüdischen tüchtig, ich aber, ich bin auch der deutschen Sprache mächtig — und das muß man sein , um mit den Neuen kämpfen zu können. Ich werde mit den Neuen kämpfen und ich werde sie zu Grunde richten." — So prahlte der Thor noch eine Zeit lang fort, bis endlich Einer aus der Gesellschaft an ihn die Frage richtete: „Lesen Sie auch die jüdischen Zeitschriften?" '—.„(SU versetzte, der Gefragte kopfschüttelnd" — wenn' ich lesen könnte, wa s war'!" — Da platzte die. Gesellschaft in ein Gelächter aus, daß man'S wenigstens bis in Altona muß gehört haben. — Sollte übrigens der ZW. von diesem Genie Gebrauch machen wollen, so bin ich gern erbötig, Name und Ort genau anzugeben. Ich warte nur auf eine Note rin „Briefwechsel"'. Meine Chiffre ist W. Posen, 26. März. Kaum wurden die l e tz t e n Berliner Ereignisse hier kund — die Berliner Post von 16. d. blieb aus, welches Llnßerordentliches voraüssetzen ließ — als die polnische Nation, nach Freiheit strebend ihr Haupt erhob. Das Militär wurde sofort allarmirt und bwouagnirte 3 mal 24 Stunden. Die Israeliten schloffen die Laden und ein großer Theil derselben verließ die Stadt, um sich, ihre Familie und Habseligkeiten, in andern Provinzen zu schützen. Glücklicherweise wurde jedoch die gewöhnliche Ordnung und Ruhe durch Nichts weiter als durch Tragen polnischer National-Kokarden (roth und weiß) und Hurrah-Schrcier gestört. Auf Bitten mehrerer Familien - Häupter, veranlaßt durch deren Angehörigen, denen das Militär, mit scharf geladenen Gewehren Schrecken einflößte, ließ der Kommandant die Stadt von Soldaten räumen, indem die Bürger für die ferr^ere Ruhe und Ordnung garantirten. — Freiwillig traten Jüdische, Polnische und Deuüche Bürger unter Waffen, beziehen die Wachen, patrouilliren