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Der Orient · 1848-04-15 · Heft 16 (15.4.1848) · p. Seite 122

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 16 (15.4.1848)
Date
1848-04-15
Page
Seite 122 (sequence 3)
Language
German
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— 122-, Kirche vom Staate und^derMechUDichheit der Konses- - sionen liegen IviHtige-,.MwÄtige^Milsequenzen, die: auf das ganze Leben tiefeingreisendcn Einfluß haben. Wer den Grundsatz will, muß auch die Konsequenzen wollen. Gar^ManchP M-WUoHntzManchH M tzfnHtcn, Kabe.it^ 'die "doMulttz überwindel Furcht fürchtet^' daß durch Wegfall der äußerlichen Zucht auf Taufe und TWmlglWele aller Religion sich entfremden und völligem Jndifferentismns hiugel^n^werdEz, A/legA.eben? ein ausgenöthigtes Bekenutniß' und eine erzwungeneTheit- ' nähme an den heiligen Handlungen einer Gemeinschaft, der man innerlich nicht angehöri, erzeugt Jndiffcrentismus. Wenn man das innerliche Bedürfniß des Menschenherzens frei gewahren läßt, wird auch jenes leberldiger und kräftiger werden. Man sürHltzMrch eitles immer größere Zersplitterung der Kirche, wie in Amerika, neue Gefahren für die Einigkeit Deutschlands; allein der Weg zur wahren Einheit und Vereinigung liegt darin, daß Jeder sich frei aussprechen und entwickeln kann. Mögen auch die verschiedenen Gemeinschaften noch lange neben einander bestehen, das Verhältnis) wird ein friedliches werden und ein edler Wetteifer Alle beseelen , weil Keiner sich bevorzugt, Keiner zurückgesetzt sieht; die Wahrheit wird die Entzweiten einigen und die.Getrennten verbinden. Man fürchtet endlich das Entstehen von Genossenschaften, die offen von aller Religion.sich lossagen. Das wäre ein Unglück; ein Volk ohne Gott und ohne Gottesfurcht ist ein armes Volk, das seinem Verderben unausbleibsich entgegengehen würde. Allein Gemeinschaften, die nichts glauben und. nichts bekennen, werden erst durch vermeintlichen Zwang recht hervorgerufen; sie werden, wenn diese Ursache aufhört, nur vorübergehende Erscheinungen sein. Rektor I. K e l l: Wenn man aus langem Zwang in die Freiheit übergeht, ist es erklärlich, daß ängstliche Gemüther sich nicht zu finden wissen in die neuen Verhältnisse einer neuen Zeit, welche alte, liebgewordene Gewohnheiten zu zerbrechen droht. Man fürchtet, daß, wenn keine staatsbürgerlichen Rechte mehr selbst an die heiligsten kirchlichen Handlungen sich knüpfen, dieselben im Volke an Werth verlieren werden, sobald es sieht, daß der Staat sie nicht mehr schützt. Allein der Schutz des Staates war ein Zwang; wir, die freien Staatsbürger, wir selbst wollen und werden unsere heiligen Handlungen künftig schützen. Der Zwang war unchristlich; wer nach dem Wegfalle des Zwanges der Kirche verloren geht, gehörte ihr nie an. Wir verlieren nichts an Dem, was nie unser war. Aus der Freiheit muß geboren werden, was freie Geister erbauen soll. In dieser Freiheit wird auch unter den Konfessionen selbst das Bewußtsein der Gemeinschaft wachen und dieUeberzeugung sich herausbitden, daß Das , was der Staat von der Kirche fodert, die sittliche Bildung der Menschheit, Hauptsache und Hauptaufgabe jeder Konfession ist. Der. Jrrthnm, als besitze eine Kirch'e allein und ausschließlich die Wahrheit, lvird versetz willMtz,, und jede Gemeinschaft von der andern lernen, durch die andere sich erbauen. Dann werden auch die Vorurtheile gegen jdiEAsraelijeu^Nnd ihre.-gleiche- ^bürgerliche.-Herdchssglmg "Wegfällen. " W^'ist Pflicht, der Unterdrückten sich" anzu- . nehmen und dem engherzigen Krämergeist entgegenzutreten, der von pflichtgemäßer Gewährung langl entzogener .Menschenrechte..B^ilfträchtigung der Gewerbe fürchtet. '>Wir " habU ein' Änftndjähriges Unrecht wieder gut zu machen und dürfen nicht fragen, ob daraus in nächster Zukunft uns ein materieller Nachthell erwachse. Wir büßen nur unsere und unserer Väter Schuld. Neichen wir uns jetzt alle als Glieder der sich sämmtlich ncnge- Maltesiden Hchlschlichen Gesellschaft die Hand, und die Vorurtheile, die uns trennen, werden verschwinden und die Gemeinschaft aller Konfessionen wird eine Frucht der Freiheit ft in. Der israelitische Prediger Je klirrek: Der Frühlingsruf nach Freiheit und Verbrüderung hat in den Herzen von Millionen Geistern neues Leben geweckt» Deutschland verlangt Frieden und Freiheit. Das ist keine Freiheit, so lange man nur in seinem Innern fühlen, glauben und denken, die Gedanken aber nicht aussprechen und nach seinem Glauben nicht leben darf. Die Freiheit, die wir haben wollen , ist eine andere; und nur ihr, die nichts von Jsolirnng, von Kerkern und Ketten weiß, schlagen Millionen Herzen entgegen. Und Leipzig hat abermals den Ruhnr, für diese Freiheit zuerst laut seine Stimme erhoben zu haben und die Thatsache einer Vereinigung aller Glaubensbekenntnisse zu sehen. Deshalb darf diese Versammlung nicht die letzte sein; , die politische Freiheit allein genügt nicht, wir müssen auch innere Freiheit und Frieden gewinnen. Nur durch gegenseitige Verständigung werden Vorurtheile, die zeither schwer sich zerstreuen ließen, so lange noch der Jude im Ghetto eingeschlosftn blieb, überwunden werden. Möchte diese Versammlung ein Bild der Zukunft, ein Keim sein, der zu einem Baume heranwachse, an welchem die verschiedenen Konfessionen die Zweige und Blüten bilden , und um welchen die gesammte Menschheit sich schare in gegenseitiger Liebe, Freiheit und Eintracht. Deutsch-katholischer Pfarrer F. Ranch: Ich habe nur die brüderliche Bitte, bei dem gemeinschaftlich Unternommenen nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Befreiung voll der Bevormundung des Staats ist nur der halbe Weg. Die Konfessionen haben auch unter einander selbst Freiheit und Frieden herzustellen. Möchten Männer des Volks aus allen Konfessionen zusammentretcn als Vermittler einerinnigem Gemeinschaft der Konfessionen, nicht zur Amalgamirung, sondern zur Beseitigung gegenseitiger Misverständnisft. Jede Religionsgenosftnschast würde dabei gewinnen, denn alle

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