Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 15 (8.4.1848)
- Date
- 1848-04-08
- Page
- Spalte 235-236 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897550--5397-3534044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Isaiah 1× ep/1005097
OCR text
2W im letzten Jahre seiner Regierung noch die Belagerung unternahm, wogegen die ganze Erzählung 1 Kön. 15, 22. 23. 24. gerade Nichts Widersprechendes enthielt. Es entgeht mir hierbei durchaus nicht, daß in demselben vom Glossar zum Vorwurfe genommenen Verse (15, 33) der Widerspruch enthalten ist, daß xv/lO nur 24 Jahre regiert; bei der bekannten Inkonsequenz der Glossatoren kann das uns nicht Wunder nehmen. Hat er ja wenigstens seinen Zweck, diese Stellen in dieser Beziehung zu vereinen, erreicht. Wenigstens fdjeintmir diese Hypothese nicht zu gewagt. Iemehr sie aber diese Motive an der Stirn tragt, desto weniger Werth ist ihr zuzuschreiben. — Was nun aber die wirkliche Ausgleichung beider Stellen betrifft, so kann wohl Nichts Besseres darüber gesagt werden, als was'schon Kimchi mit Bezugnahme auf 2 Ehr. 13 extremo ausführlich an unserer Stelle erläutert (Vergl. Bemerkg. zu 44 a und b), A. IM- 20. Zur Beurteilung dieser Glosse wird folgendes genügen: 1) Sie enthält einen gleichen Ausdruck mit 23. 12, daher bie gerechte Beforgniß, daß sie durch Herbeiziehung dieser Stelle entstanden sei; 2) Daß sie nach der frühern eingerichtet ist, geht aus einer Tautologie, welche in einigen Ausgaben der Sept. an dieser Stelle sich findet, nach welchen htl xrjs yyg vor und nach der Zahl steht, hervor, diese ist offenbar zu derselben Zeit entstanden, und zwar dadurch, daß oben (23. 17) die Worte •pNH by nach der Zahl stehen. Der Gloffator hatte übrigens dabei übersehen, daß man nicht alles über denselben Kamm scheeren könne, daß es oben V. 12, beim Herabsallen des Regens vn, Onkelos joü'D' nni mm) allerdings erzählt werden müsse, daß es auch des Nachts geregnet habe (ganz so wie cs bei heißt, daß er 40 Lage und 40- Nächte im Himmel war, und nicht jedesmal des Abends herabstieg), daß aber die Angabe der Nächte in V. 17 '."M Onkelos KJDitD mm) ein sehr müßiger Zusatz wäre. (Fortsetzung folgt.) Kritische Untersuchung Über die Originalität der Lm Talmud und Midraschim vorkommendeu Parabeln und Sentenzen. Mit Bezug aus die Parabeln und Sentenzen in den Evangelien. (Fortsetzung.) Schon Jesaja bringt ein ähnliches Bild, von der ewigen Dauer der göttlichen Liebe zu Israel, mit der nichts in 236 der Natur einen Vergleich auszuhalten vermag , und in seiner Begeisterung ruft er aus: Mögende Berge weichen und die Hügel wanken, meine Gnade weicht nicht von dir und mein Friedensbund wankt nicht, so spricht dein gnadenvoller Gott." (54, 10.) Noch kräftiger giebt Jeremias dieses Bild, von dem der englische Dichter das seine auch entlehnt haben mochte: „So spricht der Herr, der die Sonne zur Beleuchtung des Tages eingesetzt , Mond und Sterne zur Beleuchtung der Nacht angeordnet, der das Meer bewegt, .daß seine Wellen brausen, Herr- Zebaot ist sein Name:' Wenn solche Ordnung je vor mir aufhören, spricht der Herr, so soll auch der Saame Israels aufhören -ein Volk vor mir zu sein in Ewigkeit (Jer. 31, 36). So spricht der Herr, wenn mein Bund aufgelöst wird mit Tag und Nachts daß Lag und Nacht nicht erscheinen zu hrer gesetzten Zeit, so soll auch mein Bund aufgelöst werden mit meinem Knechte David,' so spricht der Herr. - Hatte ich meinen Bund nicht mit Lag und Nacht, noch die Ordnung des Himmels und der Erde, so will ich verwerfen auch den Samen Jakobs und Davids (Jer. 33, 20—25). Was aber jene Stelle betrifft, wo der englische Dichter von dem Propheten abweicht und dem Bilde noch eine Rinde ansetzt, so ist er gewiß im Nachtheile. Der Ausdruck: the trüth to be a liar, heißt ebensoviel, als würde man sagen, daß ein Zirkel als solcher ein Viereck werde. Es können wohl Männer der Wahrheit, durch Aenderung ihrer Grundsätze und Gesinnungen zu Lügnern werden, aber daß die absolute Wahrheit selbst, eine Lüge werte, heißt die Ucentia poetiea zu weit getrieben. Nicht minder scheint der englische Dichter daselbst in seinem berühmten Selbstgespräche: tu de oi' not to he, eine Bibelstelle zum Muster gehabt zu haben. Der Satz: that undiscorerd country fi’om whose bourn no traveller retourns* ist ganz analog dem Hiob'schen Ausspruche: {\'Vl D1D3 niD^l lET! pis‘ (10, 21) oder einem andern mul (16, 22). — Dasselbe thaten in nicht geringerem Maßstabe die französischen Schriftsteller. So gab jener talmudischeKernspruch: Immer soll der Mensch biegsam wie das Rohr, aber nicht hart wie die Zeder sein (Taanit 20) Stoff zu der schönsten Fabel La Fontaine’s: Le chijne et le roseau. Noch auffallender ist es mit folgender Fabel desselben Autors, die ganz aus dem Talmud übertragen zu sein scheint. Der Blinde und der Lahme. Ich habe meine Leiden, sagte der Eine zum Andern, und du hast die Demigen, vereinen wir sie mein Bruder, damit sie ertragbarer seien. Ach, rief der Lahme aus, du weißt also nicht mein Freund, daß ich nicht einen Schritt machen kann und du selbst sichst ja nicht, wozu kann es uns dienen unser Elend zu vereinen? Wozu? erwiderte der Blinde, höre mich: wir beide zusammen besitzen das Gut, das ein Jeder •) Jenes urientdeckte Land, von dessen Grenzen kein Wanderer zurückkehrt. Studien. Parabeln und Sentenzen im Talmud.