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Der Orient · 1848-04-08 · Heft 15 (8.4.1848) · p. Seite 119

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (8.4.1848)
Date
1848-04-08
Page
Seite 119 (sequence 13)
Language
German
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rade die reichen Juden, sondern die Juden überhaupt ansrotten möchten. AlS daher gestern der Kenunandant der hiesigen Nationalgarde einen Tagesbefehl erließ , in welchen: er die Verfolger der Gewissensfreiheit für Feinde jeder Freiheit und des Vaterlandes erklärte, und als zum Fahneneide der Nationalgarde auch viele jüdische Stndirende und Künstler sich euistelLtenerhoben die Spießbürger eine:: Tumult, welchen-.der Kommandant und der Oberststaltineister Graf Radayvergeblich zu beschwichtigen suchten. -Sie mußten, endlich erklären , daß. bis auf weitere Verfügung der Gesetzgebung die Juden vorn Dienste der Nationalgarde suopendirt sind. Die Spießbürger, mit ihren: Siege sich nicht begnügend, hetzten am Abend noch ein stets bereites Raubgesindel zu einem Sturm auf den Schloßberg, ein vorzüglich von Juden bewohntes Stadtviertel, auf. Die .Zuraten und mehre wohlgesinnte Dürgergarden waren zu schwach, die Rühe zu sichern. Kürassiere und Infanterie trieben endlich das immer mehr drohende Gesindel.zu Paaren ans einander. Verwundungen sind, nicht geschehen, aber mehre Verhaftungen sind vorgenommen worden.. Den Inden, welche in den übrigen Stadttheilen zerstreut wohnen, wurden, die Fenster eingeworfcn. Heute zogen die meisten wohlhabenden Inden nach Wien, - alle jüdischen Handlungen sind gesperrt.,, der Handel steckt, und bald .werden, die ■ Spießbürger die Wutb. der unbeschäftigten Proletarier; gegen sich selbst gekehrt sehen. Der Horizont der ungarischen Freiheit verdüstert sich , überhaupt nicht wenig. Neben den Jndenverfelgungen, welche -auch , aus andern Städten gemeldet werden, und. welche das Einschreiten und die Uebcrwachung des Militärs nothwendig -machen, zeigen auch die Baueru Lust, ihre alten "Peiniger zu züchtigen. Auf. der andern Seite sehnt sich die Aristokratie und die Hierarchie nach der alten Ordnung der Dinge.' Dabei sind die Finanzen im schlechtesten Zustande und die.Nationalgarde.mehr, noch ein Spiet. Morgens 11 Uhr. Die Zusammenrottungen gegen den Schloßberg erneuern sich, das Militär rückt ans. (D.A.Z.) Preßburg, 23. März. Das Standreeht ist verkündigt. Die Ruhe in unserer Stadt ist völlig hergestellt. Dagegen laufen Berichte aus andern Städten ein , wo ähnliche I n d e n v e r folg u n g e n geschehen. Der Reichstag hat -nichtsdestoweniger die Juden emaneipation ausgesprochen und deren praktische Durchführung dem ungarischen Ministerin::: und dem nächsten' Landtag in Pesth anheimgegeben. Einige einleitende Maßregeln sind bereits getrosten, so namentlich die Gestattung von Eivilehen zwischen Juden und Christen.. (D.A.Z.) -/ Vhntg, 21. März. Gestern: erschienen hier folgende zwei P l a e a t e: Bürger und Nationalgarden! Un: jeder ^lufregrulg vorzubengen, wird die Ausi:ahmeder Jsraeliteü: in die Nationalgarde, bis das Gesetz anders verfügt, eingestellt. Uebrigens wird die Ansrccht- - Haltung der Ruhe und Ordnung jedem Bürger . .und Nationalgarden, zu -Herze:: gelegt. Das^Konntck. der Nationalgarde. . . , E nt g eg n u n g. Durch Miöverständniste verleitet, haben einige junge Leute israelitischen Glaubens, deren größter Thcil nicht einmal der hiesigen Gemeinde inkorporirt ist, der gegenwärtig sich hier bildenden Nationalgarde sich einreihen lassen. Wir Unterzeichnete erklären hiermit, daß wir . nicht die, entfernteste Absicht haben, noch jemals hatten-, uns ohne Einwilligung und freiwillige Einstimmung der hiesigen löblichen Bürgerschaft irgend eine Ehrenauszeichnnng anzumaßen. Um dies zu beweisen, haben wir das. Zurncktreten alter uns bekannt -gewordenen eingereihten Israeliten veranlaßt. Und nur wenn es mit den Wünschen der löblichen Bürgerschaft im Einklang istwerden wir ftendigst uns bereit halten, mit allen unfern Kräften an den Sicherheits- Maßregel!: Thcil zu nehmen. Preßburg, am 20. Dtärz 1848. In: Namen der sämmtlichen hiesigen '.Jndenschaft. ' , Br^ody, 23.. März. Mit Zuversicht können wir der freudigen Hoffnung Raum geben, daß die neue V er sa s su n g auch für den . bisher beschränkten geistigei: Zustand .Oesterreichs die. vorthcilhastesten Folgert...nach sich ziehen wird. Bernerkenswerth ist es nur., daß die große Mauer, das., änfgehtasenearistokratische Bollwerk, welches. seit lange Adel von Bürger, Christ von Juden trennte und entfremdete, nun medergerisscn und zunichte geworden. In allen Straßen sieht n:an die achtbarsten polnischen Edellente mit den in langen Kaftan und Pelzmütze gekleidete:: Israeliten Arm in Arm jubelnd einherfchreiteu, sich brüderlich die Hände drückend: haben ei:: und dasselbe Schicksal, em und dasselbe Loos, daher ein und dasselbe Ziel , wir müstcn einander bei unfern: hohen Landesvater Fürsprache thun, er besitzt Gute und Edelmuth, er wünscht das Wohl seiner Bürger zu begründen, wir werden bitten und er wirduns erhören!.<>.-Gestern war -dies ganze .Stadt beleuchtet, Alles trägt. -weiße. Coearden., ein Jeder, grinst den Andern: Wie geht's, konstitutioneller Bruder? .. , . ' (D.A.ZZ; . Brody, 24. März. Der mächtige Umschwung, den das Rad der österreichischen Geschichte in letzter.Zeit durch die neue Verfassung? genommen, wird unstreitig auch aus unseren Zustand günstig einwirken. . Schon werden unsere Glaubensgenossen in ämtlichen Sachen z:: Rath gezogen, waS bis jetzt nie der Fall war; schon hört man jetzt Wünsche laut werden, wozu man lange den Muth nicht gesunden hat, .schon vernehmen wir von Erleichterung der Steuer, Abschaffung der.so drückenden Fleischr:::d Lichtpachtsteuer, (worüber, ich seiner Zeit das Nöthige mittheilen werde). Selbst das hier beifolgende Schreiben des Grafen v. Stadion

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