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Der Orient · 1848-04-08 · Heft 15 (8.4.1848) · p. Seite 118

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (8.4.1848)
Date
1848-04-08
Page
Seite 118 (sequence 11)
Language
German
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118 inan diese Angelegenheit in den Vordergrund stellen und es als eine Schmach für unsere öffentlicherl Zllstände bezeichnen /' daß die Leipziger Wahlliste (zu den ErgänznngSwahlen) schnell umgedruckt w erd en m u ßw eil s ich a u s V e r s e h e n e i n i g e N a m e n von B ü r g e r it jüdi s ch e n G l a tt 6 e n d d a r i n e i ng esch liehen haben! Wenn man, wie Hnmbold meint, vor allen Dingen eine Meinung haben muß , so darf man ja nicht, vergessen, sie auchüberall und zu jeder Zeit auszusprechen! In dem festen Vertrauen, daß die freie deutsche Presseum diese Dinge endlich glücklich zu lösen, ihre Unterstützung mir nicht verweigern wird , ersuche ich die Redaktionen aller deutschen Blätter, denen sie zu Gesicht kommen, diesen Zeilen Raum in ihren Spalten zu gönnen. Adv. Kaim. (Beschluß folgt,) - - - O e ft e r rer ch. -Leipzig', 29.-Marz. Wir haben in der vorigen Nummer diejenigen hejdenmüthigen Jünglinge, namhaft gemachtdie-mitdem Schwerte für Oesterreichs Freiheit gekämpft haben. Es stehen aber, seit: langer Zeit noch andereisraelitische Männer auf dem Schlachtfelde, die durch ihre Feder dem errungenen Siege vorgearbeitet haben. An der. Spitze dieser mnthigen Federhelden steht Kur a u d a. Er hat im Exil lebend rnuthig und unerschrocken dem nunmehr gestürzten Systeme den Handschuh hingeworfen. . Vaterland und Familie verließ er seit mehren Jahren und war ein wandernder Apostel der österreichischen Freiheit. Allen Chieanen der maßlosen Polizeigewalt ausgefttzt, hat er den. Samern freier Ideen in die Herzen der Oestcrreicher ausgestreut. Seine ,,Gr enzb o le n" waren , tm wahren Sinne des Wortes die-beflügelten^ Boten der^herannahenden Freiheit. Der ununterbrochene Kampf Um die edelsten Güter hatte in ihnr. einen wackeren, talent- und.taktvollen Vertreter. Vergessenwir. über den . Todten die. Lebenden nicht. Denr Verdienste seine Kronen.. .Kn ran da, der nie sein Judenthum verläugnete, -vielmehr seiner gedrückten Brüder sich, stets-- ritterlich und. ehrenvoll annahm, wird in der Geschichte-der. errungenen: Freiheit: einen C'hmlplatz einnehmen.. -Ä.Lieü, 28.. März. Herr v. Nothschild hat zur Bewaffnung der Nationalgarde 100,000 fl. geschenkt. Wir würden dies nicht besonders urgiren, lvenn nicht in letzter Zeit ein Theil der deutschen Presse es sich zur Aufgabe gemacht hätte,..das größte Banquierhaus hämisch und tückisch, -zu,- verfolgen. .In dieser Zeit der finanziellen Krisis ist . eine solche Gabe von besonderer Bedeutung. Wir wünschen -aber auch, daß der günstige Moment für die Befreiung seiner. Glanbensbrüder von Hm. v. Nothschild nicht ungenützt vorubergehen lverde. Man kam bei uns auf den sonderbaren Gedanken,. Listen auözulegku, damit diejenigen Christen, welche die Emaueipation ihrer jüdischen Mitbürger wollen , ihren Ramm anfzeichnon. Allein das Recht wird nicht erbettelt, noch darf man an die Antipathie oder an den Kasten- und Zunftgeist privilegirter Klassen appclliren. Die GteichstetLnng der Inden darf keinem Zweifel mehr unterliegen und Enlancipations-Kollekten. sind, ein Anachronismus' in nuferer Zeit. Lemberg, 23. März. Jubel herrscht hier über die kaiserlichen Gewährungen. Christen und Juden sraternisiren und freuen sich gemeinsam der neuen Aera, der wir entgegen gehen. Graf Stadion, einer der freisinnigsten österreichischen Staatsmänner, ist den Juden sehr zugethan und wir hoffen, daß auch uns Gerechtigkeit widerfahren werde. Der frische Hauch des neuen Lebens wird und muß auch auf unsere rctigiöfcu Verhältnisse einwirken. Bald wird die polnische Tracht und der alte verknöcherte Geist schwinden; der Chasidismus wird zu Grabe getragen und die Morgenröthe eines kräftigen politischen, und religiösen Lebens beginnt zu leuchten. Die lllnere und .äußere Emaneipation, die Befreiung vom staatlichen und religiösen Drucke muß Hand in Hand gehen. Möge unser Prediger Herr Kohn-diesen neuen Zustand zur Entfernung so vieler unästhetischer und widerlicher Misbräuche.benutzen. Homberg, 22. März. Heute Nachmittags gegen 2 Uhr las der .Gouverneur Graf. Stadion ein Patent vor, daß Schußwaffen an die Bürger ansgetheilt werden sollen unter der Bedingung, daß die Studenten die Deutschen und die Israeliten als ebenbürtige Bürger ansähen. Du stolzes Oesterreich freue DichI PreHburg, 18. März. Gestern Nacht bei Gelegenheit des dem Hrn. v. Kossuch dargebrachtm Fackel- - zngö unternahm es eine 91ettc von Lehrbubell und erwachsenem rohen Gesindel des ,,Zuckermande1s" ,. eine Judenverfolgung zu beginnen. Sie schleuderten brennende Fackeln auf die Dächer der Jndenhänscr und regalirten die ihnen erreichbaren Inden mit unrnenschlicheu Schlägen. Da .kein Militär oder Polizei aus dem Platze war, so zerstreuten die Zuraten mit Säbelhieben: daS feige Gesindel. L. v. Kossnth ermahnte in seiner Rede nachdrücklich zur brüderlichen Freundschaft mit den Inden. (D.A.Z.) Preßbnrg, 21. März. In der verflossenen Nacht fielen hier .ernstliche U'n ruh en vor, welche durch Einschreiten, der Rttlitärrnacht gedäinpft werden mußten. Wählend/Pcsth.die Ertlaneipation der Inden proktamirt und diese nicht nur m die Nationalgarde ausgenommen hat, sondern, auch . an allen Deputationen und Ehrenstelle ri, betheiligt, gibt es hier sehr-viele Spießbürger, welche von fanatischem Glaubenshaß geblendet, nicht ge-

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