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Der Orient · 1848-04-08 · Heft 15 (8.4.1848) · p. Seite 120

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (8.4.1848)
Date
1848-04-08
Page
Seite 120 (sequence 15)
Language
German
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120 an H. M. Mieses m Lemberg sichert uns den eklatanten Beweis, daß es der ernste Wille der Negierung sei, uns doch endlich von den großen Lasten zu befreien. Und sind denn nicht die allgemein gegebenen Koncessiouen auch für uns von vorteilhaftem Nutzen? sind sie denn nicht auch uns gegeben? — Darum freuen wir uns israelitische Oesterreicher! daß unser hochherziger Laudcsvater die dringende Notwendigkeit der Gegenwart erfaßt, seine eigene Rettung und das Heil seiner Bürger frühzeitig erkannt, ihnen zu bewilligen, was sie mit Recht beit ihm verlangen, und die Kentumazanstalt der geistigen Entwickelung für immer aus seinem Reiche zu verbannen. Denn nur durch die Freiheit der Presse wird jeder Alpdruck von der Brust geworfen, nur durch das freiem unumwundene Wort erhebt der Mensch zum Mensch sich; nur am Gängelband der Freiheit kann der Geist sich entfalten und zur reifen Frucht gelangen. 'Ist nun eiuinal das verjährte bestaubte System aus seinen Fugen gegangen, und dafür ein modernes nach dem Zuschnitt der Neuzeit cingeführt, so können wir unsder freudigen Hoffnung hingeben, daß die G l e i ch stell u n g nller K o n f e ss i o n e u berücksichtiget werden wird. . Auch wir sind in Arkadien geboren Auch uns hat unser Kaiser Freiheit zugeschworen. Nochmals rufen wir: Es lebe Ferdinand A, Kaiser von Deutschland, König von Polen. L.. .. K. wo die Nationalitäten, von einem blinden Etter, von starrem Vorurtheile geleitet, egoistisch uife engherzig einander gegenüber stall den; die Verbrüderung führt eine Nation der andern in die Arme. Hub dieser Ruf sollte auch an uns Israeliten nicht spurlos vorüber gehen. Durch religiöse Parteiungen und durch literarische Fehden sind unsere innern Zustände zerklüftet, zerrissen, zerfahren und zerfallen. Wir selbst, die wir vom Staate ein gleiches Recht und gleiche Anerkennung für alle Glieder der Staatenfamilien fordern, haben uns' einander ^entfremdet, leben in Zwiespalt und Disharmonie. Hier stehen sich religiöse Parteiführer mit einer unerbittlichen Wuth gegenüber; dort hat die Literatur, die Völker, und Länder verbindet, den Samen der Zwietracht ausgestreut. Alles trägt bei uns den Charakter des Persönlichen, Egoistischen, Vereinzelten. Die edelsten Kräfte der Israeliten, die vereint Großes, Erhabenes, Schönes und Edles wirken könnten ,'sind gesplittert, isolirt, erschlafft. Jetzt, wo fast ganz Europa ein großes Vcrsohnungsfest feiert, wo die innige Verbrüderurrg, Nationen, Stämme, Konfessionen zur gemeinschaftlichen Thätigkeit zusammenführt, jetzt sollten die Israeliten znrückbleiben? Wäre nicht unserer ernste Gegenwart, die eine' neue Periode in der Geschichte der Menschheit erschließt, geeignet, daß die Verbrüderung im Innern eine festen Boden gewänne? Müssen wir nicht die Vergangenheit mit ihren persönlichen, religiösen und literarischen Streitigkeiten ans dem Buche der'sich bewegenden und fortbildenden Geschichte streichen? Müssen nicht die edelsten Z t a l i e n. Ma.ntua, März. Ein neulich hier verstorbener Jude soll dem Pabste drei Millionen vermacht haben. In seinem Testamente sollen die Worte stehen, daß er Pius IX. für den von seiner Nation, erwarteter: Messias ansehe. Verbrüderung! Verbrüderung! Dieser weltumgestaltende Ruf, der an der Seme erscholl, hat an der Donau uud an der Spree einen mächtigen Widerhall gefunden. Wild tosen die Wogen der Geschichte, Alles aber steuert dem Hafen der Verbrüderung zu. Schwere Wolken umhängen die Gegenwart und die nächste Zukunft, ein Stern schimmert aber durch! er heißt Verbrüderung. Nicht bloß im Ratho der Völker, in der frischen Ncorgauisatiou des SlaatslebenS, in dem Kampfe nach freien Institutionen ist dieses Wort das bewegende und anregende Moment, das treibende Prrneip; eS ist überhaupt die Aufschrift in der historischen Entwickelung unserer Zeit. Die Schranken der Nationalität sind gefallen. Vorüber sind die Zeiten, Kräfte, die literarischen Anführer, die religiösen Parteimänner ein großes Versöhnungsfest feiern? Mögen doch Alle , die sich fern standen, einander näher rücken-; mögen-Alle, die in den Gneriltaskämpfen der Literatur sich abgemüht, in Frieden neben einander ruhen; mögen Alle eine neue Aera in unserer iunern Entwickelung zu zählen beginnen und allen Zank und allen Hader und allen Streit zu Grabe tragen. Inmitten des Völkerbundes mögen die jüdischen Gelehrten, die Gebildeten Israels einen Bund der Versöhnung, des Friedens und der Ruhe' schließen. Vereint alle Kräfte, so kann die religiöse und die literarische Erstarkung nicht ausbleibcu. Der Frübliug hat'uns ein neues kräftiges und frisches Vötkerleben gebracht; daß er uns den Gotteshanch der Versöhnung im Innern brächte! Die Eisrinde deS Egoismus, die das Herz vieler Gelehrten bedeckte und viele Kräfte lähmte, möge vor dein Frühlingswehen eines neuen versöhnlichen Lebens für immer gesprengt sein. In allen Gemeindet:, in allen Stndirstubeu, in aller: Familien, in allen Häusern , in ganz Israel ertöne cs: Verbrüderung! Verbrüderung! '' Ar. Jcllinck. Verlag von E. L. Fritz sehe. Druck.von I. H. Nagel.

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