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Der Orient · 1848-04-08 · Heft 15 (8.4.1848) · p. Seite 116

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (8.4.1848)
Date
1848-04-08
Page
Seite 116 (sequence 7)
Language
German
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116 hört. — Jnowrazlaw, wohl die größte Gemeinde des Netzdistrikts, thut sich viel darauf zu Gute einen Rabbiner zu besitzen, der in kasuistischen Fallen gegen den sel. DR. von Posen immer opponirte. — Mit den Neuerungen (i. e! Reformen) gehts ihnen dort, wie mit dem Trinkwasser. " Blau gräbt und sticht und höhlt und bohrte bald da bald dort- und kommt nie ins Reine, W h. ins reine Wasser — aber ebensowenig aufs Trockene. — Vor einiger Zeit ist von der Anstellung eines modernen 'Predigers neben dem Rabbiner stark gesprochen worden. Doch bei uns, das wissen Sie ja, wird von jeher viel gesprochen — wenig gethan. Das Vereinöwesen blüht. Das Gerneindewesen erfreut sich der besten Verwaltung. Die Schule ist mehr als mittelmäßig. — Zum Schlüsse noch Etwas von der (in. Nr. 51 v. I. bereits besprochenen) Netzdistrikls-Gemeinde Filehne. Der nenerwählte Rabbiner und Prediger, Dr. Stein aus Kassel ist am 2. d. M. inF. eingeiroffen. Die Mitglieder des Verstandes waren ihm bis nach Woldenberg entgegengefahrcn. Abends war bei den Juden große J3ünmination. Am Sonnabend darauf (den 4. In) hielt Herr St. seine Antrittsrede, welche ihren Eindruck nicht verfehlte., Herr St. ist der sogenannten gemäßigten Reform zugethan. Diesem Prinzip oder System, haben in der Filehner Synagoge die Gebetstücke Jckum Purkau und Buscheberach als erste Opfer bluten müssen.^ Mau will auch Chorgesang einführen und hierbei von den Talenten des gesangtüchtigeu Lehrers Bccker Gebrauch machen. — Die Oppositionspartei will sich noch immer nicht beruhigen. Doch, was schadet es? Mögen die, welche zeitgemäßen Gottesdienst und deutsche Predigt noch nicht verdauen können, daheim bleiben oder anderswo beten; die Synagoge wird durch ihr Ausbleiben an Würde Nichts einbüßen. Man sieht es in Gnesen. — W. Leipzig, 30. März. Gestern Abend verstimmet-. len sich eine Anzahl Männer aller © hin 6 cn 0 6 c 1’cn n t ni ffc zur Berathuug einer Adresse an die zu Frankfurt a. M. zusammcnkommenden V er tr c t e r d eS d e u t sch e n V 0 l k s. Gegenwärtig waren: der evangelisch-reformirte Pfarrer Blaß, der evangelisch-lutherische Archidiakonns Dr. Fischer, der evangelisch-lutherische Lieentiat der Theologie Dr. Fricke, der römisch-katholische Pfarrer- Hanke, der israelitische Prediger Jellinek, der evangelischlutherische Rektor I. Kell, der römisch-katholische Ph. Mainom, der griechisch-katholische C. P. Raum, der 11) Bekanntlich mangelt es in I. an schmackhaftem Trlnkwcisser, und sind dort von jeher alle Mühen eine gute Quelle zu finden, so wie in neuerer Zeit die Versuche, einen artesischen Brunnen anzulegen, fruchtlos geblieben. 12) Man spricht auch von einer Schochetpaffelei. Ob aber auch diese von dem n, R. ausgegangen, können wie nicht verbürgen. christkatholifche Pfarrer F.? Rauch, der evangelisch-lutherische Professor Dr. Theile> der evangelischlutherische Prediger Dr. Zille. Eiumüthig ward die untenstehende Adresse beschlossen und unterzeichnet, der'morgeude Abend aber bestimmt, um in einer großen öffentlichen Versammlung die leitenden Gedanken weiter zu entwickeln und das größere Publikum zur Unterzeichnung aufzufordern, worauf daun die Adresse sofort an den sächsischen Bundestagsgesandtcn, Bürgermeister Todt aus Adorf abgejendet und von diesem den zu Frankfurt a. M. versammelten Volksvertretern übergeben werden soll. Die Zuschrift sautet: An die Abgeordneten des deutschen Volks zu Frankfurt a. M. Deutsche Brüder! Der Ruf einer großen Zeit und eines großen Volks ist au euch ergangen. Ihr habt euch versammelt im Namen des Friedens und der Freiheit, um Deutschlands gemeinsames StaatSwcsen neu zu begründen. Da tritt sogleich däö Verhältuiß zwischen Staat und Kirche als grundlegend hervor. Wir halten es für zweck- und zeitgemäß, euch auf diese Angelegenheit als eine der wichtigsten und einflußreichsten des' gestimmten Vaterlandes hinzuweisen. Ihr habt euch versammelt, um Deutschlands Einigkeit und Einheit zu erbauen. Nichts hat mehr die Eintracht unsers Vaterlandes gestört und zerstört als die kirchlichen Zerwürfnisse. Selbst die Gegenwart seufzt noch in diesem unheilvollen Wirrfale. Aus allen deutschen Gauen blicken Millionen auf euch, daß ihr die Grundsätze aussprechen möchtet, welche dem ganzen Vaterland auch in kirchlicher Beziehung die friedeubringeude Freiheit und den freiheitbringenden Frieden verheißen. Millionen deutscher Brüder richten mit uns an euch die dringende Bitte: Erkennet die Zeichen der Zeit und die Foderungen des Augenblicks. ~ Hauptguclle aller kirchlichen Zerwürfnisse ist die verschiedene Behandlung' der Konfessionen von Seiten des Staats, indem er Einige bevorzugt, Andere znrückfetzt. Gegen die Zurücksetzung verlangen wir: völlige Rechtsgleichheit für jedes religiöse Bekenntniß und jeden kirchlichen Verein, der nicht mit den Gesetzen des'Staats in Widerspruch steht. Kein kirchlicher (sogenannter christlicher) Staat; keine bloße Duldung. Gleiche bürgerliche Berechtigung für alle Konfessionen, welche den gleichen Zweck sittlicher Vollendung der Menschheit haben. Gegen die Bevorzugung verlangen wir: Trennung der Kirche vom Staate. Keine Staatskirche. Der Staat sei' unabhängig von der Kirche; er knüpfe an die religiösen Anschauungen, Versammlungen undHandlungen keine rechtlichen, staatsbürgerlichen Folgen; er führe GeburtS-, SchulenttassungS-, Ehelind Todtenverzeichniffe, verwandle den Eid in eine öffentliche und feierliche Versicherung und betrachte die kirchlichen Feiertage als bürgerliche Ruhetage. Dies wird den kirchlichen Handlungen ihre religiöse Bedeutung nicht um

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