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Der Orient · 1848-04-08 · Heft 15 (8.4.1848) · p. Seite 115

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (8.4.1848)
Date
1848-04-08
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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M ä r z gebracht, wissen wir, ist bekannt; was aber der April bringen wird, sehen wir mit Spannung, aber altch mit Hoffnung entgegen. Man hofft dies Mal mehr als je. Wurde es doch voll allen Seiten ausgesprochen, daß endlich, jede Schranke weichen; daß endlich das rosenfarbeuc Band der Liebe alle Söhne Bonrssias, alle Söhne Germaniens ohne Unterschied des Glaubens umschließen, daß das Bekenntnis nicht mehr als Scheidewand dastehen soll zwischen Bruder und Bruder und daß jener alte mosaische Grundsatz: .„Ein Gesetz und Ern .Recht für.Alle! " endlich zur Geltung kommen soll. Hat ja auch unser König gesagt: „Gleiche politische und bürgerliche Rechte für alle religiöse Glaubens - Bekenntnisse!", Wunderbares Zusammentreffen! . Die Vorgänge in Berlin waren gerade am Purim; man konnte mit Recht sagen: m*U N?nnvnWo .nj&c\ Die Nacht vom 18. zum 19. d. M. wie stürmisch, wie furchtbar war sie! Ein anderes Zusammentreffen ist der Min ist er Wechsel mit Purim. Wurde nicht auch einem persischen Minister einst nur diese. Zeit seine Entlassung ertheilt? — Wir wollen nun gerade nicht sagendaß die entlassenen Minister H-—sivaren, aberMardechals waren.sie gewiß nicht, das zeigen die. Worte, so sie beim vereinigten Landtage von 1847 gesprochen, so oft von den jüdischen Preußen die Rede gewesen. —- Jedenfalls sind nun Männer, echte preußische Männer (?), wahrhafte Söhne des 19. Jahrhunderts an die Spitze getreten und so läßt sich wohl., nicht -erwarten, daß man bei dem diesmaligen Landtag wieder sagen wird: „Die Juden haben kein Vaterland; Zion ist das Vaterland der-Juden." Werden doch die Herren Minister Th. und B. nicht im Ständesaal anwesend sein l — Und wenn der „christliche Staat" auch wieder zum Vorschein kommt und wenn Hr. Thadden, dieser so liebenswürdige Pemmeraner, mit seiner „parlamentarischen G ew andtheit" auch wieder ans GötheS „Heren-Einmaleins" heraus dedneiren wird, daß (welche'Albernheit!) jüdische Lehrer nicht christliche Kinder im Rechnen unterrichten dürfen. W. Posen, 23. März. Auch hier, wo seit Jahrhunderten der ärgste Druck, die größte Verachtung auf dem jüdischen Volke ruhete, scheint, der Geist der Humanität immer tiefer Wurzel zu fassen. Es verbreitete sich nämlich in hiesiger Stadt das Gott sei Dank! ungegründete Gerücht, daß die polnische Bevölkerung Demonstrationen gegen die hiesige jüdische Einwohnerschaft vorbereite. Zur Beruhigung der durch dieses Gerücht aufgeregten Gemüther erließ das hiesige polnische Nationalkomitv heute folgender Zuruf: . Brüder Israeliten! Es hat sich das falsche Gerücht verbreitet, als hege das. polnische Volk unserer Stadt die Absicht , Gewaltthaten ^an eurer Person ynd Eigenthume ansznüben. Wir versichern euch, daß dieses Gerücht ungegründet unnichtig ist. Wir versichern, daß die Polen fern sind von alten feindlichen Schritten gegen irgend eine Nätioir; wir sind vielmehr nach allen unseren Kräften bemüht, „die Sicherheit und Ordnung zu wahren", so wie Alles anznwenden, was zu deren Ausrechthaltung beizntragen vernlag. Seid daher getrost, verlaßt nicht eure Geschäfte und laßt euch in dem Vertrauen, daß die polnische Nation stets eure Gesetze geehrt, durch die von böswilligen Menschen verbreiteten Gerüchte nicht irre leiten. Unterzeichnet: AndrzejewSki. Berwinski. Choslowskl. Fromhotz. Jarechvwski. Morvczcwski. Riegvlewski. Pnlaez. Potworowski. Prnsinowski. Stefanski-.-' Ehre den Männern, die auch in den Israeliten ihre Brüder aucvücmxcn I Aus derer Retzdistrikt, im Febr. (Schluß.) Trzemesno, wohl die größte unter den Gemeinden des genannten Kreises, hat neulich die (mit dem 1. Mai d. I. eintretcnde) Vakanz des Schächteramts ausgeschrieben. Man wünscht aber ausdrücklich einen Schochct, der die Fähigkeit besitzt, auch als Rabbiner fungirm zu können.^ Schächter und Rabbi! Ob sich zu diesem Doppelamte wohl ein Jünger der „modernen jüd. Theologie" melden würde? — Wir erlauben uns> hieran zu zweifeln, bitten aber im Voraus schon um Verzeihung, wenn wir uns etwa zu mcl erlaubt haben. Die Schute von Tr. hat einen Lehrer, der vor zwei Jahren die unglückliche Idee gehabt, eine jüd. Monatsschrift, genannt: „Israeli tisch er Vo tks freund", herauszugeben.. Daß dieses Matt nicht viel muß getaugt haben, geht wohl am deutlichsten daraus hervor, daß dasselbe nach 3 Monaten wieder schlafen gehen mußte. — Ueber Strzelno und Jnowrazlaw, die beiden östlichsten Gemeinden unseres Bezirks, ist Ihnen im letzten Viertel vorigen Jahres (f. Nr. 41 und 45 d.. Bl.) von einem Korrespondenten M. B. ans Str. so Viel berichtet worden, daß uns höchstens nur noch einige Worte zu sagen übrig blciom, die wir aber nichtsdestoweniger den Lesern Ihres Blattes nicht vorcnthalten wollen. Strzelno hat vor zwei Jahren nach Chorgesang ein starkes Gelüst verspürt und sich deswegen aus weiter Ferne — wenn wir nicht irren, vom Rheine her, einen Lehrer kommen lassen. Ob aber dann aus dem Chor was geworden? Man hat Nichts davon ge- 10) In Mogilno wünscht man für ein Salair von 50 Thlr. einen Mann, der Schochet, Chasan und Religionslehrer sein soll. —- Man muß gestehen, diese Leutchen sind sehr bescheiden m ihren Wünschen. — Hatten sie nicht gleich auch die Worte: „Rabbiner und Prediger" hinzufügen können? — Der Berliner * Korr, würde dann aus dein „fünffachen Amt" wieder „eine Hand" gemacht haben und-der gute Orient um einen witzigen Artikel reicher geworden sein.— 15 *

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