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Der Orient · 1848-04-01 · Heft 14 (1.4.1848) · p. Seite 111

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 14 (1.4.1848)
Date
1848-04-01
Page
Seite 111 (sequence 13)
Language
German
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111 — Die Intelligenz ist bei uns freilich noch ein junger Baum, beschattet nur noch kleinen Raum; denn ach bis jetzt, haben wir ihn btos mit unfern Thränen benetzt, und bei stets trübem, düstcrm Wetter, glänzen nur wenig die Blätter, und nur spärlich sind die Früchte, die Blnthen die des Ban in es' Zweige darbieten. Doch es beginnt in ihrer ganzen Wonne darauf niederzustrahlen eine Sonne, die wir mit dem Namen Freiheit belegen , uitb unendlichen Segen, bringet dem Baume ihr warmer 'Strahlenregen. —: Die .Wissenschaft mußte in unfern Tagen, zu all unsern Plagen, eine Zwangsjacke tragen, ein eiserner Mieder nmschnücte die Glieder; was Wunder wenn sie bann litt an Engbrünstigkeit und ihre Glieder sich dehnten nicht weit. Ader nun in leichten Blusen, werden sich kleiden die Musen, und die gelenkigen Glieder brechen jede Schranke nieder, und weit hinaus ranken sich die freien, entfesselten Gedanken, und selbst der dünkelhafteste Berliner muß die hohe Gunst uns gewähren, in uns Mähren, ein Volk der Intelligenz und Wissenschaft zu ehren. I. Wien, im März. Dr., Fischhos macht im Humoristen Folgendes bekannt: ,,Durch ein Versehen ist es wahrscheinlich geschehen, daß unter den im Mitwochblatte der Wiener Zeitung ausgezähltm Volkswünschen das allgemeine und mit Enthusiasmus ausgesprochene Verlangen nach Aufhebung aller an das Glaubensbekenntniß geknüpften politischen Beschränkungen weggelassen'wurde. Die Bürger und Studenten Wiens sind viel' zu hochherzig, als daß sie die Juden, die den siebenzigsten Thcil der Bevölkerung Oesterreichs ausmachen , von den errungenen staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlossen zu sehen wünschten." Der Redakteur des Humoristen, Hr. Saphir, fügt diesem Artikel.in einer Note bei: „Die ehrenwerthe Gesinnung der hiesigen Journale läßt nicht zweifeln, daß sie alle diesen zeitgemäßen Artikel mitthcilen werden." Die Redaktion der Wiener Zeitung hat diesen Zeilen des Dr. Fischhof Folgendes bekzusügen: In dem Artikel unsers Mitwochsblattes wollten wir lediglich den wesentlichen Inhalt der bekannten an die niederösterreichischen Stände gerichteten Adresse geben, deren volle Mittheilung wir damals, wo wir noch unter dem Damoklesschwerte der 'Censur schrieben (wenn auch nicht mehr druckten), noch nicht wagen durften. In dieser Adresse ist aber, wie man sich aus dem heutigen Abdruck überzeugen mag, die Religionsftage nicht berührt. Daß sich die Redakteure der Wiener Zeitung für ihre Person dem Wunsche nach der Beseitigung' aller an die Verschiedenheit der Religionsbekenntnisse geknüpften politischen und socialem Unterschiede auf das herzlichste anschließen und sich nur freuen könnten, denselben als allgemeinen Wunsch recht laut und vielseitig ausgesprochen und, so Gott will, recht bald gewahrt zu sehen, brauchen sie Allen, denen sie bekannt sind, nicht erst zu versichern; im Angesicht der Oeffentlichkcit aber fühlen sie sich gedrungen, es hiermit aufs unumwundenste auözusprechen. (W.Z.) Wien, 17. März. Der heutige Tag wird uns ewig unvergeßlich bleiben, denn am heutigen Tage fand, das Leichenbegängnis! der 39 im Kampfe für die. Güter einer neuen Zeit Gefallenen in einer Weise statt, wie ich noch nie eine Trauerseier gesehen. Von den 39 Gefallenen sind 16, die mit der Waffe in der Hand als Märtyrer gefallen, und zwei Israeliten warm unter diesen 16, denen der gefeierte israelitische.Kanzelredner Dr. Mannheimer auf dem christlichen Gottesacker eine erschütternde Leichenrede hielt. Die zwei gefallenen Israeliten wurden auf ausdrücklichen Wunsch der christlichen Mitbürger brüderlich mit ihren Mitkämpfern bestattet, und diese gemeinschaftliche Bestattung wirkte wieder auf die. allgemeine Gesinnung in Bezug auf unsere Israeliten zurück. Auch die Freiheitsstunde der österreichischen Israeliten scheint zu schlagen. Unter dm Wünschen des ungarischen Volks, von Pesch und Ofen anögegangen und vorläufig von Raab und Komorn adoptirt, bildet die politische und staatsbürgerliche Gleichheit aller Konfessionen einen Paragraphen unter den Wünschen; unter den Wünschen des böhmischen Volks steht auch Gleichheit aller Konfessionen und die neue Aera Oesterreichs haben die Israeliten Prags vorläufig durch Wohtthaten und Spenden an die Armen und dadurch, daß sie sich der Nationalgarde angeschtossen, bethätigt. (D. A. Z.) Wien, 18. März. Es cirknlirt hier die beifolgende Adresse, überschrieben: „Die israelitischen Deutschen an die christlichen Deutschen", welche lautet: Sei begrüßt von uns, du deutsches Volk, seid begrüßt, ihr deutschen Brüder von gleichgesinnten, gteichbegeisterim, wenn auch nicht gleich betenden Brüdern, seid begrüßt von deutschen Israeliten! Wir bringen euch diesen Brudergruß, um mit euch in den Jubelrnf der Freude mit einzustimmen ob der nenell Errungenschaftenob des Sieges von Recht, Licht und Freiheit. Was wir vor einem halben Meuschenalter gemeinschaftlich erfochten , was unS gemeinschaftlich vorenthalten ward, wonach wir gemeinschaftlich mit Wortmmd That wieder gerungen, es soll uns werden, die deutschen Regierungen wollen dem deutschen Volke gerecht werden. Nach gemeinschaftlichem Siegcskampf erschalle gemeinschaftliche Sicgeöfteude! Wir bringen euch diesen Brudergruß auch als Brudcrdank für eure in den letzten Kampsestagen bewährte Bruderliebe. Auch da, wo Deutsche unsers Glaubens nicht unter den Kämpfenden, unter den Verlangenden gewesen, auch da habt ihr eurer nur zu lange zurückgesehlen Brüder gedachthabt gefordert für die gleich Verpflichteten gleiches Recht; das deutsche Volk ist dem deutschen Volke selbst gerecht geworden, empfangt unfern Brudcrdank. Wir bringen euch endlich diesen Brudergmß als Bruderbund.- Im Kampfe gegen Feinde

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