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Der Orient · 1848-04-01 · Heft 14 (1.4.1848) · p. Seite 112

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 14 (1.4.1848)
Date
1848-04-01
Page
Seite 112 (sequence 15)
Language
German
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112 der Ordnung , des Rechts und des Gerechtwerdens im Innern, im Kampfe gegen den Angriff von außen, wollen wir euch zur Seite stehen. Wo die alten Schranken einer bösen Vergangenheit noch nicht gefallen, da 'öffnet uns eure Reihen, an eurer Seite wollen wir kämpfen und siegen oder fallen, an eurer Seite wollen wir arbeiten für die Früchte des Friedens, für Alle, zu gleichem Genüsse für Recht, Licht und Freiheit! Prag, 14. Febr. Eine tieferschütternde Trauerseene war eö, der ich eben beigewohnt und unter deren noch immer überwältigenden Eindruck, ich diese Zeilen, einem theuern Andenken gewidmet/nun niederschreibe. Es war das Leichenbegängniß eines hoffnungsvollen talentreichen jungen Mannes, des hiesigen Spitalvorstehecs Hrn. Josef Hirsch, einziger Sohn, der durch eine in unserer Zeit höchst seltene, in seinem Alter fast beispiellose Frömmigkeit und Religiosität verknüpft mit dem ausgebildetsten Wissen in jüdisch-theologischen wie in profanen Wlffenschaften, zu der Hoffnung berechtigt hatte, in ihm einst eine Leuchte des Rabbinismus zu sehen. Er halte eben seine Vorbereitungsstudien zum Rabbinate, dem er erst vor wenigen Jahren zu widmen sich entschloß , und denen er mit einem für seine Gesundheit leider nur zu übertriebenen Eifer abgelegen, in Berlin und Dresden vollendet, als der unerbittliche Tod ihn abcief. Mit den herrlichsten Anlagen ausgestattet, die durch eine sowohl scientiflschals moralisch - sorgfältige Erziehung feiner eben so gebildeten als frommen Eltern, ihre volle Entwicklung erhielten, hatte Nathan Hirsch, so hieß der Verblichene, zeitlich die Aufmerksamkeit seiner Umgebung auf sich gezogen. Vorzüglich waren es die biblischen Schriften und die hebräische Sprache, in denen er schon in seiner Kindheit excellirte und in welcher er damals schon fertig zu schreiben verstand. Dieses Talent bildete sich in cher Folge so aus, daß er einst einen 2stündkgen Vortrag, , den Hr. Rabbiner Rapaport am Abend gehalten, nach bloßem Anhören noch den Tag darauf in einem klassischen Hebräisch übersetzt, diesem überreichte. Ungeachtet dieser Fähigkeiten siel es ihm nicht ein, dieselben geldlich zu verwerthen, er hatte vielmehr sich einen gewerblichen Beruf erwählt und zwar in einer solchen Sphäre, wo man längst im Sturm auf dem Meere der Industrie, das religiöse Leben über Bord geworfen hat. Aber er stand fest, kämpfte mit Wind und Wellen, und ließ nicht los von den Vorschriften seines Glaubens." Spät erst sah er ein, daß er auf die Länge diesen Kollisionen nicht werde auswcichen können, und daß am Ende einer der Kämpfenden, fein Lebensplan oder seine tteberzeugung.werde unterliegen müssen. Findet nur bei schwachen Naturen in solchem Falle gewöhnlich das Letztere statt, so mußte bei seinen Grundsätzen die Ueberzeugrrrig den Sieg behaupten. So kam es, daß er seinen frühern Berus verließ und bei seiner ohnedieß großen Neigung, für das Judenthum wirksam zu sein, sich Rabbiner zu werden entschloß. So wie er nun einerseits es verschmähte, mit der sogenannten Reform, unter deren Maske der Egoismus und die Genußsucht sich legitimiren, und die moralische Feigheit, die einer höhern Idee auch nicht das geringste Opfer zu bringen vermag, mit ihrer Schande noch prunken zu können vermeint, so wie er es verschmähte, sage ich, mit dieser wohlfeilen und sehr bequemen Reformmode, auch nur im Entferntesten zu liebäugeln, so verschmähte er auch andererseits, den nicht minder im Schwange stehenden Charlatanislpus, der grade nur so viel oder besser so wenig und so oberflächlich lernt, als heut zu Tage um Zeugnisse zu erlangen und wenn es hoch kömmt ein Literat zu werden, nöthig ist. Ihm konnte dies nicht genügen. Er warf sich mit einem solchen Feuereifer auf das Studium des Talmuds, wie man es nur noch als eine Mähre aus dem goldenen Zeitalter des Rabbinismus erzählen hört, und da er auch in allen andern Fächern des Wissens, sich gründliche Kenntnisse zu erwerben und auf der Höhe der Zeit zu stehn strebte , welches in diesen wenigen Jahren, nur durch unausgesetzte Nachtwachen und auf die Spitze getriebener Geistesspannung zu erreichen war, so unterlag sein Körper diesen Anstrengungen. Sein Tod war eigentlich nur die Besiegelung des Prinzips, zu dem er in seinem Leben sich bekannte, das dem jetzigen Reformsystem entgegensetzte Prinzip, der Hingebung des Physischen an das Geistige, der Aufopferung der-Materie im Dienste der Idee. Für uns aber ist sein Hinscheiden, ein Schiff, das nach tanger Seefahrt mit Schätzen reich beladen, in seine Heimath wiederkehrt, dessen Wimpel wir freudig schon begrüßen, das aber nun zu aller Schrecken, im Angesicht des Hafens scheitrrtt Mit ihm sind so viele Hoffnungen zu Grabe getragen; die beiden Leichenreden, die Hr. Rabbiner Rapaport und Hr. Redisch ihm gehalten, der zahlreiche Leichenzug und die Thronen in aller Augen bezeugten, daß sein bekümmerter Vater nicht allein es war, der den schmerzlichen Verlust zu würdigen wußte. Es hat der Vorsehung gefallen, eine vielversprechende Blüthe zu brechen, bevor sie zur Frucht herangereift. Ergeben wir uns in ihren Willen. H. Personalchronik und Miseellen. Leipzig. Der zweite in Wien gefallene jüdische Student ist Herr Ftfchhof aus Pesth. Also Ungarn und Mähren haben der Freiheit ihre Liebesopfer dargebracht. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. 2. Frltzsche.

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