Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1848)
- Date
- 1848-04-01
- Page
- Seite 109 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 109 - und mit großer Erbitterung geführt werden sollen. Die Ausweisung der Je s u L t e n 4 würde wohl unter solchen Umständen als das beste Heilmittel zu empfehlen sein. —- Wongrowitz ist eine stille, friedliche Gemeinde mit einer ziemlich guten Schule. Letztere besteht zwar erst seit 3 Jahren, hat aber, Dank sei es den strebsamen Lehrern, in dieser kurzen Zeit schon was Erkleckliches geleistet. Dem Rabbiner (Hrn. L i t t a u er) müssen wir cs zum Ruhme nachsagen , daß er sich (wahrscheinlich aus Sympathie für den ihm verwandten OR. E. in P.) bei deu oben erwähnten Demonstrationen vor anderthalb Jahren ganz neutral verhalten. 5 6 * — Gnesen^ verhält sich zu den übrigen Gemeinden unseres Bezirks, wie ein (wenn auch nur noch matt) leuchtender Stern zu einem wolkenumdusterteu, nächtlichen Himmel, oderwie ein wenn auch noch nicht allzu fruchtbares Eiland zu der Fläche eines Ungeheuern wüsten Meeres. Die Gemeinde hat in den letzten 2 Jahren mtchr gethau, als in manchen, ja in vielen andern Gemeinden des Großherzogthums in einem Zeitraum von 2 Jahrzehnten konnte erreicht werden. Ein neuer Tempel ist erbaut worden, der an Geschmack und Styl nicht so bald seines Gleichen stndct. An der Stelle des alten geist- und herzlosen Gottesdienstes ist ein zeitgemäßer und würdevoller mit erballenden Gesängen und Chorbegleitung eingeführt worden, und die einschläfernden polnisch-jüdischen Drascha's haben den belebenden ,,Vorträgen in der Muttersprache" Platz machen müssen. Der gesangtüchtige Herr Werntraub II. ist als Kantor und der talentvolle Herr Dr. Gebhardt als Rabbiner und Prediger angestettt worden. — Wohl haben die Stabilen darob ein Zeter erhoben, wohl haben sie gepoltert und Lärm geblasen; allein die Männer des Fortschritts (an ihrer Spitze der Buchhändler Russak) haben sich durch derartige Demonstrationen nicht zurückschrecken lassen, und so ist der Fortschritt selbst siegge- . krönt ans dem Kampfe hervorgangen. Die Streiter für I Licht und Aufklärung sind ernstlich und energisch ausgetreten. Und Ernst.mifc Energie sind unter solchen Umständen Hauptsache. Das hat Gnesen bewiesen. Mögen sich andere Gemeinden an dieser ein Beispiel nehmen. — Die Schule, an welcher vier Lehrer angestettt sind, ist mit eine von den bessern in der Provinz.^ — W itkowo ist in örtlicher Beziehung von Gnesen nicht wei¬ 4) Deren es leider in fast jeder unserer Gemeinde einige oder mehrere qiebt. 5) Die Reform - Brosamen in der dortigen Synaaoge (von welchen übrigens andere Blätter schon berichteten) wollen uns des Ecwähnens durchaus hier nicht werth erscheinen. 6) Nach Hrn. X. das preußische „Rom". .7) Gerade nicht zu rühmen ist es, daß in den letzten Klassen die Lehrer so häufig wechseln. Es vergehen selten 2 Jahre, wo nicht in unfern Amtsblättern von Gn. aus eine dritte oder vierte jüd. Lehrerstelle als vakant angezelgt wird. ter als 2 Meilen entfernt, in Betreff der Kultus- und (andern) Gcmcindeverhältnisse aber beinahe so weit, wie Nom von Königsberg i. Pr., oder wie Altona von Cöslin. Der starre polnische Orthodoxismus ist die chinesische Mauer, welche verhindert, daß das Licht der Aufklärung und des Fertschrits aus dem geographisch so nahgelegenen Gn. in W. eindnngeu könnte.8 . — Die kleinen Gemeinden in dem Kreise Mogitno, wie Mog ilno selbst, Trzem e sn o, Qui cb sch isch ew o, Gerubitz rc.9 haben alle so zu sagen, noch echt polnisches Kolorit, und sind, deswegen mit zu denjenigen Gemeinden zu zählen, welche den Morgen, der an Juda's Himmel bereits zu dämmern angefangen, gemächlich verschlafen werden. D es giebt gar noch viele Gemeinden, diesseits wie jenseits der Netze, diesseits wie jenseits der Warthe, auf welche sich die Worte anwendm ließen, deren sich ein bekannter d. k. Prediger vor 2 Jahren bei der Besprechung eines ähnlichen Gegenstandes in einem süddeutschen Blatte bediente: „Die Sonne geht auf über ihnen und sie merken es nicht, es wird Tag um sie her, und sie sehen ihn nicht; denn ihre Augen sind geschlossen — Nacht bedecket sie und Finsterniß— sie schlafen, sie träumen. —- Und glaubt ihr, daß sie träumen vom Lichte? — Nein, auch das nicht einmal.. Sie träumen von Höll' und Fegefeuer, es schrecket sie der Ruderschlag Charons, es ängstigt sie die Lust, so da'wehet aus Hinnon. Während ihre Brüder, die. Söhne des Lichts, am Lichte sich weiden und sich freuen der wärmenden Strahlen, welche die Sonne der bessern Ueberzeugung in so reichlichem Maße ihnen spendet"." (Beschluß folgt.) Oesterreich» Wien, 12. März. Herr S. Deutsch hat für die. k. k. Bibliothek die hebräische Übersetzung des Dante von Mose di Rieti erworben.. Es ist ein erfreulicher Fortschritt, daß die öffentlichen Bibliotheken der jüdischen Literatur ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Uebrigeus hat Hr. Deutsch sich bereits mehrfach um die k. k. Bibliothek verdient gemacht und sein Streben verdient Anerkennung. —- Die „SonntagsbLätter" schenken seit dem neuen Jahre den jüdischen Interessen einen größern Raum. — Mit dem dritten Bande des „jüdischen Plutarch" übernimmt Hr. Deutsch die Redaktion. , 8) Ein dort existirender Frauen-Berein soll übrigens ein sehr wirksames Institut sein. Derselbe ist, wenn wir nicht irren, schon einigemal in öffentlichen Blättern gelobt worden. 9) In Pakosc, welches auch in diesem Kreise liegt und in polnischen Zeiten als Wallfahrtsort sehr berühmt gewesen, war es früher den Söhnen Abrahams nicht gestattet, sich ansäßig zu machen. Doch diese mittelalterliche Beschränkung ist bereits seit mehrern Jahren aufgehoben. (SSergl- Eaek, Provinz Posen tz. 22.)