Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1848)
- Date
- 1848-04-01
- Page
- Seite 108 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hie und da, besonders zu manchen Zeiten (wie z. B. am Purim Leim Vorlesen der Megilla) herrscht; dann würde man einen zeitgemäßen, würdevollen Gottesdienst Herstellen, einen Gottesdienst der wahrhaft erbaut und die Kraft besitzt, den Erdensohn losznreißen von den Wirren und Zerstreuungen des Lebens und ihn zu erheben zu den lichten Räumen des himmlischen Vaters! dann würde man dafür sorgen, daß bei heiligen Handlungen, als Trauungen, Leichenbegängniffen* * 3 4) je. mehr Ruhe und Anstand herrsche und/aller und jeder Mißbrauch entfernt werde. Wenn man für jene Stimmen ein Ohr hätte, dann würde man es nicht so gleichgültig ansehen, wie die Heranwachsende Jugend, wenigstens ein Theil derselben, nicht gehegt und gepflegt, nicht belehrt und erzogen wird, sondern sich selbst, oder einer falschen Leitung überlassen, an Herz und Geist verkümmert, und Nichts erfährt von ihrer irdischen und ewigen Bestim- * mung und Ni ch ts von ihrem unsichtbaren, himmlischen Vater; dann würde man endlich dafür sorgen, daß alle Kinder, reiche und arme, Knaben und Mädchen, einen zeitgemäßen Unterricht erhalten. Man sage nicht die Gemeinden sind zu klein oder nicht bemittelt genug; denn dies gilt nur von einigen wenigen (und auch diese könnten wenigstens Etwas thun); von den meisten durchaus nicht. In den meisten Gemeinden könnte mehr geschehen, als bis jetzt geschehen ist; das wird uns Jeder, der sie etwas genauer kennt, beipflichten. O ja npia gic&t man sehr viel: das ist wahr; die Wohlthätigkeit ist eine der schönsten Perlen in der Tugendkrone Israels; man sucht so oft und so viel wie möglich zu helfen, deß zeugen die Vereine, die sich an allen Orten befinden; aber daß es eine große, vielleicht die größte npis? ist, die man geben, daß eine große, vielleicht die größte Wohlthat ist, die man dem armen israelitischen Bruder erweisen kann , wenn man für den Unterricht seiner Kinder sorgt: das ist noch immer nicht genug zum Bewußtsein gekommen! — Wir könnten Dir Gemeinden nennen, lieber Leser, wovon 100 schulpflichtigen Kindern kaum der ach t e Theil einen regelmäßigen Unterricht erhält*). So unglaublich es Dir auch Vorkommen mag, so ist'ö dennoch wahr, keine Uebertreibung. — Wir könnten Dir auch Gemeinden nennen, wo man es sich hat Tausende kosten lassen, um Mizwotversteigern an den Sabbat- und Festtagen schon längst abgefchafft ist, es dennoch als eine Parität an den Wochentagen beibehalten. — 3) Die Trauungen werden in hiesiger Gemeinde schon lange nicht mehr unter freiem Himmel vollzogen; — ebenso har der hiesige Wohlthätigkeitsverein, über den ich, wenn es Ihnen genehm ist, nächstens referiren, eine „Leichenordnung" eingefüyrt. 4) Wenn Sie es gestalten, Hr. Redakt., dann werden wir dem Schulwesen des marienwerderschen Departements nächstens einen ganz-besonderen Artikel widmen. neue Synagogen zu erbauen oder die alten zu restauriren und geschmackvoll emzurichten; aber dabei bleibts; als ob ein Haus, ein Gebilde von Stein und Holz im Stande wäre, Leben und damit Licht und Aufklärung zu bringen in die schlummernde Masse. Wir konnten Dir Gemeinden nennen, wo man allerdings Synagogenordnungcn entworfen, aber sie stehen nur auf dem Papier und im Gotteshause geht's kunterbunter her. — Doch wozu hier Namen hinschreiben, da es sich nur um die Sache, um Zustände handelt? — Wozu diese Jeremiaden noch länger ausdehnen? —- Wozu Dich noch länger langweiten mit einem Berichte, der gar nichts Erfreuliches bietet? — Und doch hoffen wir, theurer Leser! Und doch gehen wir mit Gottes Hülfe einer bessern Zukunft entgegen! Auch hier gilt: Es giebt der Mämrer noch viele in Israel, die ein Herz haben für ihr Judenthum und die auch wissen, was Roth thut. — Möchten sie sich nur allerwärts an die Spitze stellen, und möchten die Gemeinden ihnen nur ihre Jnteresseri anvertrauen und bei der nun wohl bald erfolgenden Repräsentantenwahl auf Einsicht, Charakter, Gemeinsinn und Gottesfurcht sehen, und es wird in Gemeinde, Synagoge und Schule besser werden; denn es muß ja besser werden! l —- W—ll. Aus dem Netzdistrikt, im Febr. (Forts.) Und nun Herr Redakteur, wollen Sie mir gestatten, die in Nr. 51 des Orients v. I. abgebrochene ^Revue über die Gemeinden des Netzdistrikts (Bromb. Bez.)" wieder anfzunehmen, um dieselbe endlich einmal zu Ende zu führen. — In C h o d z e se n, einer Gemeinde, welche von der vorgenannten Schneidemühl nur wenige Stunden entfernt ist, hat ein Jude (Namens Lesser) die Ehre, Präses des Stadtverordneten- Kolleqinms zu sein. Wir zweifeln sehr, ob sich in Preußen dieses Beispiel noch einmal wiederholt; in unserer Provinz gewiß nicht. Von der Gemeinde selbst ist weiter Nichts zu referiren , als daß sie sich des Besitzes einer sehr schönen Synagoge zu erfreuen hat. Wie es innen zngeht? — Diese Frage zu beantworten müssen Sie mir erlassen, wenn ich Ihnen nicht wieder eine eben so lange und eben so schauerliche Epistel schreiben soll, wie neulich bei ähnlicher Gelegenheit von Lissa (s. Nr. 10 d. Bl.). Die Schule ist mittelmäßig. Der streng orthvdoxe Rabbi soll bei den bekannten (verunglückten) Airitlrabbiner- und AntitheologenversammlungdemoristraLiorresi von August 1846 mit zu der Nordischen Sieben gehört haben. (Nicht zu verwechseln mit der bekannten Göttinger Sieben, welche aus-, während unsere nur abgewiesen wurde). — Irr Exin sieht es ckwas schweizerisch aus. Radikalismus und Konservatismus stehen einander schroff gegenüber. Man spricht auch von -Prozessen, die dort schon lange