Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1848)
- Date
- 1848-04-01
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
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chen und die also auch dem Zu de n'offen stehen: darüber ist noch immer nichts Gtllaucs bekannt geworden, darüber schwebt noch immer ein undurchdringliches Dunkel. — Ebenso sind die Gesetzesbestimmungen in Betreff der Bildung der Synagogengememden noch nicht in Kraft getreten, wenigstens in unserm Regierungsbezirk noch nicht. Man hofft schon längere Zeit auf die Ankunft eines Negierungskommissar's, der, wie allgemein verlautet, das Weitere veranlassen und zur Ausführung bringen soll; bis heute ist aber noch Alles still. — Doch was lange dauert wird gut — tröstet man sich. .Man-ist vorläufig wieder ,, guter Hoffnung " und verspricht sich voll der Organisation der Synagogengemeinden recht viel; denn man ist endlich , zu der Einsicht gelangt, daß es nicht so bleiben kann, wie. es bis jetzt aussieht, und ein Jeder malt sich die nächste Zukunft unserer Gemeinden mehr oder weniger schön aus. Ob aber die Wirklichkeit dem Ideale entsprechen wird? das wird die Folge lehren. Jedenfalls haben wir Ursache das Beste zu hoffen; denn in vieleu Gemeinden herrscht ein reger Sinn für alles Gute und Zweckmäßige; der Jndifferentismus, dieser so schädliche und alles Gute im Keime tödtende Wurm wird immer seltener und an seine Stelle treten Gemeinsinn, Bewegung und Leben. -—. Freilich will man von jenen Reformschützcn, von jenen funkelnagelneuen „Rcligionsprincipien " nichts wissen; freilich belächelt, oder item, mau bedauert es, daß Männer, daß Lehrer in Israel sich soweit vergessen und verwirren können, auch das Heiligste, seit Jahrtausenden Sanktionirte und im Volksgciste und Volksbewußtsein Lebeilde zu profaniren und niederzureißen sonder Schonung und Erbarmen; man bedauert cs, daß ein Rabbiner, ein njn, sich soweit vergessen konnte, ein'heiliges Gebot, wie die Beschueidung, die so alt ist.wie das Judeuthum, auf so nichtssagende Gründe gestützt, lvegzureformiren, und man tröstet sich „daß nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels" und lebt der Hoffnung, daß so wie das Judeuthum auch seine heiligen Institutionen, trotz der Anfeindungen von Innen und Außen dennoch bestehen und alle jene neugebackenen Reformtheorien und alle jene Wahngebilde des sich überschätzenden Menschengeistes z e r st ä n b e n werden POD nn Aber anderseits ist man auch zu der Einsicht gelangt, und selbst Jmdiffcretite, die sich Zeit ihres Lebens weder um die Gemeinde und deren Interessen, noch weniger um die Bewegungen im Judeuthum gekümmert, sind endlich zu der Ueberzeugung gekommen, daß die bestehenden Gemeindevcrhältuisse eine Acnderung erleiden, daß jerie Spukgestalten, als da sind: Unordnung und Hader und Parteisucht und Großsprecherei, die noch hie und da ihre Schtangenhäupter zu erheben wagen, endlich aus den Gemeinden verscheucht und verbannt und in den Abgrund der Hölle geschleudert werden muffen und daß es an der Zeit sei, daß alle Gemein-; den eine geordnete und auf reellen Principieri gegründete Verfassung erhalten. Es ist endlich zum Bewußtsein gekommen, > daß die wichtigsten Gemeinde-Institute, als da sind: die Synagoge, die Stätte der Erbauung und Belehrung der Erwachsenen und die Schule, die Bildungsstätte der Kleinen, nicht nur in keinem Orte fehlen, sondern auch so beschaffen sein müssen, daß sie auch in Wahrheit diesen Namen verdienen, daß sie auch in Wahrheit Erbauungs- und Bildungsstätten sind. Daß dies bis jetzt, und leider in vielen Gemeinden. nicht der Fall ist, ist nur zu wahr, und es würde wahrlich kein erfreuliches Bild darbieien, wenn wir den Schleier nur ein wenig lüften, wenn wir die Zustände unserer Synagogen und Schulen auch nur in allgemeinen Umrissen zeichnen, auch nur mit . schwachen Farben austragen wollten. Es giebt wie wir in diesem Blatte schon früher bemerkt (s. uns. Art. in Nr. 2) freilich Ausnahmen; es giebt in dem Marien Werder scheu Departement freilich Gemeinden, wo das Licht der Aufklärung und der Religion,' wenn auch noch nicht in hellstrahlendem Glanze, so doch in bescheidenen Flämmchen leuchtet; und es wäre t r a u t i g, wenn es solche nicht gäbe; aber es giebt auch Gemeinden genug, in denen es noch nicht einmal zu damm ecn begonnen, in. denen man sich in dem „alten Schlendrian" sehr wohl gefällt; in denen man es nicht einmal zu ahnen scheint, daß jene Anarchie in der Gememdeverfassung, wo Jeder befehlen, und Niemand gehorchen will, eine Schlange ist, die Alles im Keime vergiftet und Nichts gedeihen läßt. — Cs giebt noch Gemeinden, in denen man es noch nicht einmal zu ahnen scheint, daß jene Unordnung, jenes Geräusch, jenes Hin- und Herwogen im Gviteohanse, daß jener schnörkelnde Singsang, jene Polonaisen und Masmeks und Walzer, mit fccucsi mau die erhabensten Gebete begleitet und — verunstaltet nicht Gottesdienst, nicht Gebet und Gottesverehrung, sondern eher Gotteslästerung genannt werden können; in denen' man sie nicht zu hören scheint jene Donnerstimme des 19. Jahrhunderts, die unablässig ruft: Licht und Erkenntniß und Aufklärung! in denen man sie nicht zu vernehmen scheint jene mahnende Stimme der Religion, die immerwährend ruft: G o ttesglau be, Go ttes furcht und Tugend! — Denn wenn man ein Ohr dafür hätte, würde man sie nicht mit Gleichgültigkeit ansehen die Misstande der Gemeinde und Synagoge, dann würde man sie endlich aus dem Gotteshause bannen jene Masse von unnützen Mischcberachs, jene häßliche Mizwotarrktiorr^) und jenen Skandal, der, man sollte nicht glauben, noch immer 2) So wie es heutzutage noch 2tn ti - n tischulklopfianer giebt, die das liebe Schulklopfen gern erhalten haben wollen; so gkebt's auch Mrzworauktionsliebhaber; und daher hat man in manchen Gemeinden, wo da^ 14*