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Der Orient · 1848-04-01 · Heft 14 (1.4.1848) · p. Seite 106

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 14 (1.4.1848)
Date
1848-04-01
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
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106 Der Eindruck, den unsere Revolution auf mich machte, ist zu mächtig, als daß'ich Ihnen alle meine Empfindungen darüber mittheilen könnte./ Wenn der Sturm vorüber ist, will ich im Hafen meine Memoiren schreiben. V - MeiO Heutiger- BrieMsoll Me^blosv überzeug gen , " daß ich "'nicht'"ge'trüffe'm bin und des Lebens" genieße. Gewöhnt an den Kampf mit Nachteulen und 'krächzenden-?.Raben, habe ich auch an den stürmischen Märztagen gerungen, bin aber, .noch lebmdig, wenn auch Viele mich tobt glauben. Bald werde ich auf dem Kampfplatze der Journalistik erscheinen, um dem Professor Bercht meine Beobachtungen an der Seine und an der Spree mitzutheilen. Des Britten „Israel dut the graye“ fett für immer verklungen sein. jfc fictpjig, 22. März. Ss eben wird mir brieflich mitgetheilt: „Als erster Kampfer für die FreiAeit.Desterreichs ist der 22 jährige israelitische Jüngling Heinrich Spitzer aus Disenz irr Mähren gefallen. Sein Bildniß wird in allen Kunsthandlüngen verkauft. Auch wird ihm ein Monument errichtet." Das schönste Denkmal wird ihm die Geschichte, die Freiheit, das Emporblühen Oesterreichs setzen l Ich füge hinzu, daß die Familie Spitzer eine der angesehensten und reichsten Familien Mährens ist. . Würtemberg, Mitte Marz. Als neulich Stadtpfarrer Knapp in Stuttgart einen Aufruf zu milden Beiträgen für die unglücklichen Bewohner der Bezirke Pleß und Rybnick in Oberschlcsien an „christliche" Wohlthater im' schwäbischen Merkur ergehen ließ und einige Tage darauf ein Israelit in demselben Blatte die Anfrage an, den Herrn Sta^tpfarrer stellte, ob von Israeliten keine Gabe angenommen werde? erwiederte Herr Knapp am Schluffe seiner Anzeige über die eingegangenen Beiträge mit folgenden Worten: „Wenn in unserem neulichen Austuf die Nennung unserer israelitischen Mitbürger vergessen wurde, so lag dabei durchaus keine engherzige oder sonst verletzende Absicht zu Grunde. Von eurer „Ausschließung" konnte hierbei ohnehin keine Rede sein, weil für den Wohlthätigkeitösinn noch viele andere Wege nach Schlesien offen stehen, und die specisisch-christtichc Fassung rrnserer Einladung wird uns in einem christlichen Lande hoffentlich nicht zum Vorwurfe gereichen. Am edelsten haben uns übrigens die erwähnten Herrm Gebrüder Benedikt gleich am nämlichen Morgen auf die irr unserer Einladung befindliche Lücke thatsächlich mittelst der obengenannten reichlichen Summe ^100 fl.) und eines sich aller Vorwürfe enthaltenden gütigen Schreibens, aufmerksam gemacht. Dieselben werden wohl bereit sein, dem Einsender des Artikels vom 11. d. M. zu bezeugen, wie wir uns sofort gleich am 9. Februar, die Zustimmung sämmtlicher Gaben vertrauensvoll präsumirendzu -öffentlicher /Ausdehnung unseres Plans auch auf die etwaigen israelitischen Bewohner "jener Bezirke freiwillig erboten haben, ein Beweis wie uns menschenfreundliche Gaben unserer israelitischen Mitbürger nur doppelf willkommen sein können". — _ '"Ist einer '' zweiten'- Anzeige über elüpfängene Beiträge erklärt derselbe, daß ihm in einem Schreiben des Königl. Generalleutnants Grafen von Nostiz aff-Berlin mitgetheflt/worden fei^/,,.,daß zwischen Christen und Israeliten, deren es in 'Oberschlesien allerdings eine große Anzahl gibt, bei Hilfeleistungen und Unterstützungen kein Unterschied gemacht werde, was auch in der ganzen Provinz volle Anerkennung finde." — Die Rabbinate des Landes erhielteil von der Königl. iO berktrchenbehörde den Auftrag, beifolgende „Ansprache des Kölligs an das wurtembergische Volk, in Beziehung auf schwierige 'Zeitumstände, die an alle Kirchengemeinden des Landes ergangen ist", am Schluffe des Sabbat-Gottesdietlstes vor der Kirchengemeinde zu verlesen. Würtemb erg er! Die großen Weltbegebenheiten, deren-Wirkungen für unser Land, so wie für unser großes gemeinschaftliches Vaterland noch nicht zu übersehen sind, haben die größte Aufregung hervorgcbracht. In diesem entscheidenden großen Augenblick spricht euer König zu Seinem treuen Volk. Bewährt auch jetzt wieder euren echt deutschen Charakter, fest in dem Vertrauen in die göttliche Vorsehung, , bereu Allmacht und Weisheit daS Schicksal der Völker lenkt, treu gegen eure Regierung und Verfassung, die eure Rechte und Eigenthum beschützt; Ruhe, Ordnung und Gehorsam vor dem Gesetz ist die heiligste und nothwendigste Pflicht. Reichen wir unfern deutschen Brüdern die Hand; wo unserem Vaterland Gefahr droht, werdet ihr Mich an eurer Spitze fehell. Scgeu unserem Vaterland, Heil und Ruhm für ganz Deutschland l Jastrow, 15. März. Zwischen dem Schluffe der „Judeiwerhaudlungeu" aus dem vereinigten Landtage und der Publikation des „neuen Gesetzes" verstrich, wie Ihr Posener Korrespondent Hr. W. damals berechnete*), ein Zeitraum von netto si e b e n Wochen; seit dieser Zeit find nun bereits ftcbm Monate verflossen, und die Bestimmungen jencö Gesetzes sind noch immer nicht zur Ausführung gekommen. — Die Abgabe bei den Anmeldungen der Geburts-, Herraths- und Sterbefätle — diese moderne Judenstcuer — wird allerdings erhoben; anderseits ist auch von dem betreffenden Minister bereits bestimmt worden, daß jüdische-Aerzte zur Prüfung für die Befähigung zum Kreisphysikate zttgelaffeu werden sollenz aber welches die andern Aemter sind, mit denen keine richterliche, polizeiliche und exekutivie, Gewalt verbun- 1) S. Orient 1847. Nr. 37.

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