Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1848)
- Date
- 1848-03-25
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 103 - vorangchen. Kein Jude, fein Christ, sondern ein freies, einiges Oesterreich l Prag ,- 14. März. Auf dem Feldlager der Bewegung steht ^Böhmen .bereits in den vordersten Reihen. Die Opposition hat auch die Gl eichstellung der - Konfessionen verlangt. Das ist der echte Geist der Freiheit. Keine Judenhetze wie 1845, sondern eine allgemeine Verbrüderung muß die Ehe, die Böhmen mit der Freiheit schließt, besiegeln.' Die Ehre der Stadt Prag, die gute Sache der Freiheit verlangtes, daß jeder Gedanke an eine Jndenbluthochzeit fern bleibe; es muffen vielmehr die'jüdischen Böhmen von der Schmach befreit werden, die Jahrhunderte ans ihnen lastete. In dem Tempel der Freiheit darf es keine Trauernde/ keine Klagende, keine Sklaven geben. Auch die Juden müssen sich den Fahnen der Freiheit weihen, und den Schachergeist, den Partiknlariömns, die verknöcherte Ortho- . dovie für immer verbannen. Der Jude trete hin vor den Altar der Freiheit, und?der Christ empfange ihn' brüderlich und schließe au diesem Altäre den schönen Bund der Verbrüderung und der Einigkeit. Es lebe die Freiheit für Alle! PesLH, 25. Febr. „Was Israel sucht, das erlangt es nicht; Die Wahl .... die Andern aber sind verstockt. Epist. Pauli an die Römer. Wenn der allmächtige. Einfluß der Mode, so wie die ihr eigenthümliche Wandelbarkeit sich auch da geltend macht, wo man ihr den geringsten Spielralim gönnen sollte, wo es sich nicht um blose Laune der Lust, sondern um wahrhaft hohe, moralische Interessen handelt, so giebt dieses das sicherste Kriterium ab, was man von der Aufrichtigkeit und Lauterkeit der sich äußernden humanen Gesinnung zu hatten hat.-— Wäre cs nicht btos die Mode der Zeit, eine fata nwi'gaua gewesen, welche den Patr. Conscr. vom Jahre 1840 ein vorurtheilsfreies Wort in den.Mund gelegt, wo wäre der Enthusiasmus, die Philantropie und der Rechtssinn der feuergeistigen Vorkämpfer für eine bessere sociale Stellung der Indenhingerathen? — Ist das von.Edelmutt) nberfließende Herz der Magyaren vom Jahre 1840 so urplötzlich versiegt, erstarrt oder in seiner Gluth verkohlt, daß die Nation, die sich damals für eine völlige Gleichstellung der Juden aussprach, heute den Eintrag Kossuths, der übrigens recht weit von der damaligen Tendenz absteht; ,,Die Zulassung der Juden zur Wahl in den Freistädten" nur mit 18 gegen 31 Stimmen unterstützte und es ist uns nur zu deutlich vor die Angen gerückt, was wir vom gegenwärtigen Landtage und der nächsten Zukunft zu hoffen haben, Ist das die hochherzige, edle Nation von 1810, die heute den, der trotz seines guten Rechtes, um Gnade bittet, anstatt ihm das Seine zu geben, mishandclt, beschimpft, mit einem Fußtritte abfertigt? die" eine wehrlose religiöse Körperschaft von dem allerchristtichen Deputirten Kende aus Szatmar ein 'Diebögesindel nennen, und ihre Religion wofür sie zweitansendjährige Schmach und Gewaltthat erlitten, schmähen und besudeln ja sogar ein Heideuthum nennen läßt? — Ist etwa der Jude seitdem ärger geworden? Hat er sich nicht vielmehr der "damals geneigten Schwester zu nähern^ gesucht? Sprechen doch seine Kinder die ungarische Sprache, , wird diese bereits an allen seinen Schulen mit wahrhaft patriotischem Eifer und Hintansetzung der hebräischen gelehrt, wird in mancher seiner Synagogen das Wort Gottes (wenn es dem Szatmarer genehm) irr dieser" Sprache verkündet, hat der pesli izr. magyarito egylet bereits die erfreulichsten Fortschritte gemacht und uns eine wohlschmeckende Frucht seiner intellektuellen Pflanzung in seinem Naptür vorgesetzt, tragen die Juden zu eitlen vaterländischen Instituten unverhältnißmäßig viel bei;, sie speisen die jüdischen und betheilen die christlichen Armen, sie bauen Synagogen und helfen auch Kirchen und Spitäler errichten -rwo liegt also der Grund der allznschnellen Verflüchtigung des Enthusiasmus? Gewiß war es auch anfangs gar nicht, ernst damit gemeint, mag eS vielmehr blos zu der damaligen Mode, zu den Ansichten der Zeit gehört haben , die Freiheit— welche sie angcstrebt, nur bei Gleichheit sich möglich zu denken, und sie heute gerade in der Ungleichheit, in der Herrschaft des Gevatter t almkos und c-sizmadia über uns, zu sinden und da sage einer noch yox popuii yox. dei I — Wie würde es um die armen Menschenkinder stehen, wenn der göttliche Rathschluß eben so wandelbar'wäre? Und doch glaubte man sich zur Voraussetzung berechtigt, daß das Magyaren-Volk, welches nachgerade seinen Bitduugsknrs durchmacht, nur demnächst den eivilisirteren konstitutionellen Staaten angereiht zu werden, aus deren Kammern es seine Argnnlente herbeiholt, mit Anwachs der Intelligenz auch an Einsicht und Rcchtssinn gewinnen wird! Doch nichts von dein, sucht man vielmehr unfern Charakter Zu verdächtigen und scheint es namentlich die Tendenz der pesther deutschen Zeitung (der deutsche Michel ist uns im AuSlande am wenigsten hold) zu sein: eine Blumenlefe judcnfeindlicher Artikel zun: Ergötzen wahlvcrwandter Geister, der deutschen Bürgerschaft der Freistädte, aus allen Weltgegenden zusammen zu tragen und wollen wir des Kuriosums wegen die einzige Erwiderung eines biedersinnigen Christen, .wie sie ein hiesiges Blatt brachte, Nachfolgen lassen: Meine liebe Pestheriu! Ei meine Liebe, was thaten dir die armen Inden, daß du sie so arg verfolgst und woran haben es solche fehlen lassen? an der gehörigen Achtung, oder an etwas Anderein? --Thaten sie das, bamt hast du wohl recht ein wenig zu schmollen, doch poltern wie ein altes Weib sollst du wahrlich nicht, du, die kaum aufgeblähte Jungfrau. — Sanftmut!) und Duldung