Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1848)
- Date
- 1848-03-25
- Page
- Seite 104 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 104 zieren eine Sie -— Haß , Zorn und Gier nach Rache verunstalten selbst das schönste Gesicht. Merke dir dies und bessere dich so lange noch Zeit ist, laß ab von dem unnützen Poltern, es hilft'dir zu nichts, au contraire es schadet; denn früher oder später wirst du doch auSgelacht. Nun lebe wohl, gedenke meiner und folge dem Rathe, den wenigstens die Hälfte derer von dir erwähnten 9 Millionen beherzigen. Dein und der Menschheit Freund Carl von Latkoczy. Doch ist das die Stimme eines Einzigen und wird sie wie die wohtberedte männliche Ansprache des Dr. Fi ule, in einem halb offieiellen konservativem Blatte an die ungarische Nation in ihrer Sprache überhört, weil unter Schreiern sich wieder nur Schreier vernehmbar machen können / uns aber ist geduldiges Ansharren und Ertragen zur Gewohnheit geworden. — Wohl sind wir nur ein kleines Häufchen, ciu paar Juden, wie Fabri v. Barthfeld meint, doch dannn unsere moralische Kraft nicht geringer, und was die nuti* socialen Tendenzen, die uns Sebcstyeu ans dem bischöflichen Veßprim, und den rpl und few betrifft, den man uns vorwirft, sind wahrlich nicht jene, schlechter , die Geld auf hohe 'Zinsen verleihen, als die cs zum Spiele und ähnlichem Zwecke wie es gäng und gebe, entlehnen und nicht jene'gewissenloser, die einen größern Profit beim Handel mit Getraide suchen, als die, die das Erträgniß ihres vom .Schweiße deS Frohndieusteö befeuchteten Bodens, oder den dem Volke erpreßten Zehnt, wieder dem Volke nur für den möglich höchsten Preis bintangeben und könnte so mancher den uns gemachten Vorwurf passender auf sich selber anwcndcn und den Balken aus seinem eigenen Auge ziehen. Das ists was wir den Herren der großen Synode so gerne laut ins Gesicht sagen möchten, daß weder unserer Religion, über deren Wahrhaftigkeit zu entscheiden dem Herrn Kcnde nicht zukommt —noch unserem Charakter, der aus der vergleichenden Prüfung ebenbürtig hervorgehen "muß, ein Rechtfertigungsgruud ihres Benehmens gegen uns iuwohnt, daß wenn wir uns auch die Auserlesenen nennen -— sie sich als solche, als unverantwortliche Gewalthaber benehmen und noch vieles könnten und mochten wir ihnen sagen, aber das moralische Tribunal, die Zuchtruthe für verlaute G.eisteökinder, der Grenzwächter zwischen dem Reiche des Gedankens und dem des Wortes'die Censur —' läßt nichts für uns unter dem Stabe durchgehen ohne daß es schlecht augefchriebeu wird, — so müssen wir denn ,nach wie vor alles über uns ergehen lassen und ertragen. Und nun an Euch Leidensgefährten l Wer sich nach ' den industriellen Verhältnissen der Juden auf dem Lande umgeschaut, wird es bald erkennen, daß nicht mehr blos das in uns beleidigte Menschenrecht, der angeborene Trieb nach Freiheit, der Wunsch aus verjährter Erniedrigung sich zu erheben erregt das sehnsüchtige Verlangen des Joches los zu-werden und bürgerliche Gleichstellung zu empfangen, sondern es hat sich auch zu diesem eine unabweisliche materielle Nothwendigkeit gesellt, da die Grundsätze, nach denen wir unsere Kinder erziehen, in ihnen nothwendig Widerwillen gegen den Handel erzeugen und ihnen ein anderweitiger Nahrungszweig nur unter den erschwerendsten Beschränkungen gestattet ist, zudem durch die raschen Kommuuikatiousutittel der Zwischenhandel eine bedeutende Bresche erlitten und dem Hinsterbeu nahe ist, so muß das Volk, so es ihm nicht bald ermöglicht wird, anderweitig' sich anständig zu ernähren, tu Masse verarmen und dürste cs ihm daun schwer werden, seine im Drange derZeiten und menschlicher Leidenschaften sich bewahrte Unbescholtenheit, wie ihm ein edler Lord vor der englischen Nation das Zeugniß dessen giebt, sich fürder zu erhalten. Nachdem wir nun wieder auf uns selber zurückgewiefen und von Attßen keine baldige Abhilfe zu erwarten ist, so ist es auch an der Zeit eüünüthig zu beratheu, wie wir selber unser Heil fördern, unfern guten Namen erhalten, den geistigen .Aufschwung und die materielle Wohlfahrt unserer Glauberis- und Leidensgcnosseu sichern konnten, bis die Sonne der Erleuchtung, die Wissenschaft den Drängern Rechtssiun einflößen ttub fte das an uns verübte Unrecht erkennen und wieder gut machen werden, die Wissenschaft allein .ist es, die uns hie nut> da-eutaucipirt, zu uns komme auch ihr Reich, das nicht mehr so ferne ist. Bis dahin empfehlen wir Hru. v. Kende Strauß Leben Jesu zu lesen. ■— Ein Heide. — Aus Ungarn, im Febr. Motuzen ohne K o m m e n t a r. Der neue Rabbiner zu P a l o t a wünscht' seine Entlassung, wenn fürder die Knaben barhaupt in der Schule sitzen, das Hausbrod beim Bäcker gebacken, die Frauen einen Leichenzug begleiten (wegen des tanzenden Malach ha-Mawel), die abgerissenen Erebschnüre nicht wieder augeknüpft werden. — Auf meine Anfrage, warum die Gemeinde zu Fotrs, j deren Synagogenwesen eines nicht so.leicht zu beseitii genden Nebels —> arg verwahrlost, nicht wenigstens für! den Jugcndunterricht sorgt, antwortete mir ein dortiger j Hochgestellter: Wir hätten dann lauter.. Gelehrte und! keinen Kutscher. —- j . Warum sind trotz der wehlberedteu Prediger die Juden nicht religiöser? „Weil, sagt ein hiesiger Rabbiner schwarz auf weiß gedruckt", mau nicht mehr flow sondern lind dieses abstammt. — Eben so seien, nach demselben Autor, die Chorschulen verwerflich, nach dem Grundsätze b nenn ]dt -nynn p pmn. Aus eben diesem Grunde hat man es den Trödeljudcrt in Ofen heiß gemacht, sie von ihrem Platze vor der Pfarrei — verdrängt. — Verlag von C. L. Fr i tz fch e, Druck von I. H. Nagel.