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Der Orient · 1848-03-25 · Heft 13 (25.3.1848) · p. Seite 102

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (25.3.1848)
Date
1848-03-25
Page
Seite 102 (sequence 11)
Language
German
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UnttWtznng an Geld, wo cs erforderlich ist, auch noch mit Krankenlvärter und Nachtwachen versehen (tz. 16— iS).1 —- Auch wenn die Frau eines Mitglieds erkrankt, wird eine Unterstützung aus der Kasse verabreicht (§-22). Stirbt ein armes Mitglied des Vereins, so wird die etwa hintcrtassene Witwe ein ganzes Jahr laug alle Monate mit einer ansehnlichen Unterstützungssnmme aus der Vereinskasse versorgt (§.-.40)/— Bei jedem Sterbefalle unter den Vereinsmitgliedern selbst, so wie in deren Familien, ist der Verein gehalten, für eine augcmcffcnc und würdevolle Leichenbestattung Sorge zu tragen (§. 37).2 — Das ewige Andenken eines dahingeschiedenen Mitglieds wird dadurch erhalten, daß alljährlich an seinem Todestage in der Synagoge ein sog. Sterbelicht angezündet und von einem (aus der Vereinskasse dafür bezahlten) Talmudgelehrten für die Seele des Verstorbenen ein Gebet verrichtet wird (§. 41),3 — -DaS sind so die weseittlichsten Punkte in den Statuten'des Wohlthätigkeitsvereins zu Schneidemüht. Gott schen ke den Gründern, seinen Segen und dein Vereine selbst Fortbestand und Gedeihen! — - (Beschluß folgt.) Berlin, 10. März. Sic werden geehrter Herr Redakteur in einer Zeit der Arbeit und der That einen Bericht von der Wirksamkeit eines Vereins nicht zurückweisen, ,der / wie Ihnen schon mehrfach berichtet ist, großtentheilö aus Handwerkern und für Handwerker besteht. Es feierte dieser Verein am 13. Februar wieder seine Generalversammlung und, es verlohnt sich wohl aus den dort gegebenen Berichten einige Notizen mitzutheilen. Der Verein: besteht ans circa 180 Mitgliedern, von denen 36 Ehrenmitglieder sind, hat nach einem zweijährigen Bestehen schon eine jährliche Einnahme von 360 Tlsir. und einen Fonds von 450Thtr. Seine Wirksamkeit war eine höchst wohlthätigc und anerkannte. Sie wird um so ^bedeutender werden, je weiter er selber seine Kreise zieht. An die Generalversammlung schloß sich ein Festessen an, bei dem mehrere bedeutungsvolle Toaste ausgebracht wurden., einmal auf den Vorstand, 1) Auch sollen arme kranke Gemeindemitglieder, die.nicht zum Vereine gehören, so weit die Mittel es gestatten werden, Geldunterstützungen erhalten (§. 1 und 25). 2) Der betr. §. bestimmt die Anschaffung gehöriger Todtenbahren, schwarzer Decken und 8 schwarzer Mäntel für die Träger. Ein Leichenwagen soll erst dann angeschafft werden, wenn die örtlichen Umstände einen solchen erforderlich machen. Bei der Bestattung eines Vereins-Mitgliedes oder eines Gliedes seiner Familie sind sämmtliche Mitglieder verpflichtet, dem Leichenzuge anständig gekleidet und mit einem schwarzen Hute bedeckt, bis zur Grabstätte zu folgen und dieselbe erst nach erfolgter Beerdlguvg wieder zu verlassen. (Die Bahren, Decken und Mäntel sind von der Gesellschaft angeschafft worden.) 3) Armen Mitgliedern des Vereins soll nach ihrem-Tode für Rechnung der Vcreinskasse auch ein Leichenstein gesetzt werden» - auf die Gesellschaft durch Herrn Joseph Lehmann, dann auf Herrn Alexander Me u d e 1 s sohn, Ehrenmitglied und Direktor derJndnstrie-Gesettschast, endlich auf den wahrhaften Veranlasser des Vereins, Hrn. Gürtler und Bronrenr Halle (neue Fricdrichstraße Nr. 66a). Jnteressarit muß auch der Anschluß eines anderen Vereins ähnlicher Wirksamkeit an diesen sein. Es wird nämlich für die Witwen verstorbener Handwerker ein Fond gebildet, zu dessen Coneesst'on die Behörde bereit ist und für den uns eine reiche Theilnahme und liberale Verwaltung wnuschenswerth ist. Direktor A ug n st voln Cötnischen Gymnasiums hat die Berechnung dafür entworfen, und die Möglichkeit eines Bestehens schon bei einer Anzahl von 100 Mitgliedern bewiesen, die der Verein jetzt schon zählt. Gott gebe, daß noch für ahn die Zukunft nicht die Nothwendigkcit über die Möglichkeit der Unterstützung wechsele. Ein Mehrcres hierüber nächstens. Oesterreich. Aus Oesterreich, 14. März. Wenn Frankreich seine Februartage zählt, so haben wir unsere Märztage. Die Strömung 'von Paris erstreckte sich auch nach Preßburg, Wien und Prag; das,. System des Mannes, der nie mit offenem Visir der Freiheit gegenüber gefochten, ist morsch und zerbröckelt; die Jugend der Universitäten erhebt sich, ahnend den herannahnenden Frühling der Freiheit, und weiht sich todeömuthig den Fahnen der Freiheit; der österreichische Adler, dem die Flügel gestutzt wurden, erhebt sich kühn'von .dem morschen Boden des alten Systems: ein neuer Geist zieht in Oesterreichs Gauen ein, der sich mit den übrigen Deutschen verbrüdert. Oesterreich schließt sich fest und innig au das Mutterland der'Freiheit, an Deutschland an. Die Jugend / die Fahnenträger der Zukunft, hat dir Bedürfnisse Oesterreichs gefühlt, und jeden PartikutariSmttö abstreifend, ein einiges Deutschland proklamirt. Aber ein banges Vorgefühl überkommt mich , wenn ich an die armen. Juden denke. Böhmen, Bahren und Ungarn zählt so viel rohe Massen, die aus blindem Vorurtheil ihre Wuth auf die geknechteten Juden ausschütten. Wer kann dieser Wuth Einhalt thun? die aufgeklärten Volksmänner, welche die Einsicht haben, daß die echte Freiheit nicht .vom Judenblute getränkt sein dürfe. , Die rothe Fahne ist nicht'das wahre Symbol der Freiheit. Nicht in Jndenblttt soll die freie Sache getauft werden! Möchten sich doch alle Kräfte in Oesterreich vereinigen, nm ein freies starkes Oesterreich zu bilden; mochten Juden und Christen sich brüderlich vereinen, -um den schönen Bund der Freiheit über dem Grabe des Judenhasses zu schließen. Mögen die Städte; Wien, Prag und Preßburg mit hochherzigem Beispiele

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