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Der Orient · 1848-03-25 · Heft 13 (25.3.1848) · p. Seite 101

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (25.3.1848)
Date
1848-03-25
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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101 zu besolden. Sie haben darum diesem gekündigt', und die Negierung in Erwägung der Umstände hat die Kündigung nach einer übereingekommencn Einigung angenommen. Der Mann ist somit, obwohl er sicher ein besseres Loos verdient, jetzt brodlos geworden, und wir wünschen ihn:, daß er recht bald eine andere Stelle finde, allein wie dieser Wunsch sich nicht realisirt, ist er ein beklagenswertheö Opfer der neuen Verhältnisse. - Wie wünschenSwerth wäre cs darum, wenn für solch unverdienter Weise brodlos gewordenen Familie etwas geschähe. — Gelegentlich erlaube ich mir hier eine Bemerkung , die allerdings den Geist der Regierung gegen - die Juden zu bezeichnen geeignet sein dürste. In der Denkschrift zu dem Entwürfe des neuen Judengesetzes beweist das Ministerium die Behauptung, daß der größte Theil der hiesige!: Juden moralisch vernachläßigt sei, mit der statistischen Bemerkung, daß von den 80,000 Juden hiesiger Provinz nur 14,500 naturalisirt seien. Bedenkt man, daß die 14,500Familienväter, die80,000 aber Seelen sind, daß also die Familie nur zu 4 Personen berechnet, gerade umgekehrt drei Viertel natmatisirt sind, was bei der hohen Forderung von ehedem gerade für ein sehr günstiges Verhaltniß zeugt, kann man natürlich eine solche Angabe den Ständen gegenüber nicht als einen Beweis der Liebe betrachten. Aus dem Netzdistrikt, im Febr. Der Leser wird sich erinnern, daß wir neulich bei der Besprechung der Gemeinde-Verhältnisse von Schneidemühl (s. Nr. 51. v. I.) eines sogen. Wohtthätigkeitövereins erwähnten, der daselbst im Jahre 1846 ins Leben gerufen worden. Es sei uns gestattet, ans diesen Verein heute noch eintual zurückzukommen und über denselben e!was Näheres mitzutheilen. —Hcrvorgegangen ist der Verein größtentheils nur aus dem dringenden, (wenn auch nicht all-, so doch vielseitig gefühlten) Bedürfnisse, bei jüd. Leichenbegängnissen eine bessere Ordnung herzustetlen, als die war, welche bisher üblich gewesen.' Denn, wie leider noch in so manche!: Gemeinden des Großherzogthums, herrschte auch in Sch!:, noch die Sitte, oder richtiger die Unsittte, ,,wenn ein geradeKonfirinirten gestorbei: war, aus' den: nächsten Gehölze 2 Stangen zu holen, dieselben durch Querleisten oder auch nur dmch Stricke mit einander zu verbinden, die Leiche auf die so improvisirte Bahre zu binden , eine schwarze Decke so darüber zu werfen, daß die Füße des Todten doch hervorragen mußten, und dann, die Enden der Stangen auf 4 starke Schultern gelegt,- in der größten Unordnung und mit wahren Riesenschritten dem GotteSacker znzueilen. " Mehrere (gebildetere) Mitglieder der Gemeinde, einfehend, daß diese Art, eine Leiche zu ihrer ewigen Ruhe zu geleiten, sich mit unserer Zeit durchaus nicht mehr vertrage, drangen schon mehrere Jahre wicderhotentlich darauf, daß in dieser Beziehung eine Veränderung und Verbesserung eingesi'chrt werde: allein die Realisation der von „ihnen gemachten Projekte / scheiterte immer wieder an dem „starren Verbleiben wollen im alten Schlendrian", welches ihnen von der orthodoxen Seite, (d. i. von der das Leichenwesen beaufsichtigenden Nltf'lp rron,) entgegengesetzt wurde. In unser:: Gemeinden, wissen Sie doch, ist es niemals anders. Es möge vor: den sogenanntei: Aufgeklärten eine an sich noch so unbedeutende Neuerung gefordert werden, bald sieht die Orthodoxie die ganze Religion gefährdet und stemmt sich wie eine Mauer dagegen. In der Reget steht dann ein langwieriger Kampf zwischen Licht und Finsterniß, der oft heftig und offen, bisweilen aber auch ni:r schwach und mit Willen geführt wird. Und am Ende ist es dann fast immer doch das Licht, welches als Sieger vom Kampfplatz scheidet. So war es auch hier der Fall. — Als tut Monat April 1846 wieder eine Leichenbestattung nach dem alten Style stattgehäbt'hatte, kamen kurz darauf ungefähr 40 Gemeindeglieder in einem Lokale zusammen, um mit einander zu beruhen, wie dem (cficn, skizzirtcn) Unwesen endlich doch einmal abzuhclfcn sein möchte. Und das Resultat diescr Berathnngen war die Gründung eines allg. WohllhatigkeitS-Vereirts, der nun bereits 1§ Jahr besteht und wirkt, und für die Zukunft (wie wir schon in Nr. 51 1'« I., bemerkten) ein segenreiches Institut zu werdei: verspricht. Unsere Weisen sagten DViiJ JTOD d. h. „das Gute erzeugt Gutes." So hat es sich auch hier hcrauSgestellt. Denn die Vereinigung zur Berathung, „wie dem bisherigen entehrenden Treiben bei jüd. Leichenbegängnissen zu steuern sei" hat eine^ Verbrüderung zu noch andern und größer:: wehlthätigen Zwecken zur Frucht gehabt, so wie das feierliche Uebereinkommen der versamntett Gewesenen: „bei etwaigen in ihren Falnilien vorkommenden Sterbesällen nicht mehr nach ker hergebrachten, sondern nach einer zeitgemäßen und würdiger:: Weise Verfahren zu lassen" — die nitfimp »TOT dazu vermochte endlich doch nachzugeben und auch ihrerseits eine Reform des Leich enbestatt:niestwesens cinzusühren. — Was den bekannten Wohlthätigkeitsverein selbst betrifft, so ist (in tz. 1 des Statuts) seine Haupttendenz „die (verfassungsmäßig geordnete) gegenseitige -Ausübung der Freundespstichten von der: Mitgliedern unter einander". — Die Gcldnnterstütznngen aus den Mitteln des Vereins erstrecken sich nicht nur auf erkrankte Mitglieder desselben, sondern auch auf selche, welche „durch zufällig und plötzlich cingetretene Ereignisse einstweilen außer Brod gesetzt worden." (§. 2.) — In: letztem Falle jedoch ist der Empfänger verpflichtet, bei Verbesserung seiner Vermögens- Verhältnisse die erhaltene Unterstützungssumme wieder zurück'znzahlen, was ihm aber insofern sehr erleichtert wird, als ihm gestattet ist, von jedem empfangenen Thaler wöchentlich nur Einen Silbergroschen abzntragen (§. 24). — Erkrankte Mitglieder werden außer der

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