Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1848)
- Date
- 1848-03-25
- Page
- Seite 100 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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100 sahen sie nicht die Inschrift „Lasciale agni speranza, : T.oi ch’entrale“ l >se Netzdistrikt, 25. Febr. In Rakel geht man damit um, die jüdische Schule mit einer der christlichen des Ortes zu kombiniren. Was den Vorstand auf 'diese kuriose Idee mag gebracht haben, wird" Ihnen wahrscheinlich von Ihrem dortigen Korrespondenten berichtet werden. —* Die dortige Krankenverpfleg u n g s - © esell schaft, über deren Gründung Ihnen im Oktober v. I. so Manches mitgetheilt worden , verdient mit Recht ein sehr würdiges Institut genannt zu werden. Die armen Kranken, .deren es besonders in diesem Winter viele giebt, werden mit der sorgsamsten Pflege versehen. Außer den Unterstützungen an baarem Gelde erhalten sie nöthigen falls auch Betten, Matratzen, Wäsche 3C. und die RekonvaleSccnten zweimal täglich Suppe, Fleischspeise, so wie Labungen und Erfrischungen .aller Art. Die Nachtwachen werden von den Mitgliedern des Vereins selbst versehen. Selbst die Reichsten und Vornehmsten sieht man dieser eklen Menschenpflicht in eigener Person sich unterziehen, obwohl sie sich hierin (n. §. 9 d. St.) von ' Andern konnten vertreten lassen. Ja, die vornehmsten und begütertsten Mitglieder der Gesellschaft sieht man in der Nacht wie am-Tage an dem Krankenlager ihrer ärmsten Brüder weilen und ihnen mit wahrer Bruderliebe Trost und Hilfe reichen. —; Das verdient- Nachahmung. — Und auch die Damen sind nicht müssig. Von d e m V e r c i n s -V o rsiande dazu au fg eso rd er t1 2 3 setzen sie ihre Hände in Thätigkeit und verfertigen verschiedene niedliche Handarbeiten; welche, wenn deren eine große Anzahl vorhanden sein wird, zum Besten der armen Kranken verlorst 'werden sollen. — Zu bedauern ist aber, daß ein großer Theil der Nakeler Juden von Vorurtheilen re. noch allzubesangen ist, um den Nutzen und wohlthätigeu Zweck des in Rede stehenden Vereins eiuznsehen und würdigen zu können.^ — W. 95on der Warthe (GH. Posen), 14. Febr. Die Klage, die oft schon in jüdischen Blättern besprochen wurde, daß durch die neue Gestattung der Dinge, durch den Andrang aller Bemittelten zur Hauptstadt die kleinern Gemeinden sich gänzlich ausivsen, hat wohl nirgends solchen Grund wie in hiesiger Provinz. Abgesehen von den Verhältnissen der Zelt, hat hier noch dazu das Gesetz von 1833 dahin gewirkt, die Gemein¬ 1) Durch ein gedrucktes Cirkular, vom 18. ü. datirt, .und im höflichsten Style abgefaßt. 2) In Ltssa wird alle 3 Jahre eine derartige Verwesung veranstaltet, und zwar zum Besten des israel. Armen- Bekleidungs - Vereins, der dort schon über 20 Jahre besteht. 3) Fragt man uns: „wer oder was ist Schuld an dieser .Befangenheit?" —- So haben wir weiter Nichts zu thun, als auf unfern ersten „Netzdistrikts'-Bericht" in Nr. 48 v. I. hinzuweisen. Das genügt. — den ihrer besten Kräfte zu berauben; es hat nämlich die Juden in zwei Klassen getheitt, zu deren einer die Wohlhab enden, zur andern die Armen gehörten. , Erstere erhielten alle Rechte eines Staatsbürgers und das der Freizügigkeit, und oft nur um sich dieses Rechts zu bedienen, ohne Veranlassung, mehr ans Ostentation verließen sie die hiesige Provinz. In. noch weit größerem Maaße wird das neueste Gesetz wirken , und hat bereits schon gewirkt. Durch die Schöpfung einer neuen Naturalisation, welche vererbt wird, durch die Erweiterung oder Aufhebung mancher frühem Schranken ist die Zahl der NaturaLisirten jetzt bedeutend vermehrt worden , und die Zahl der aiizufertigendcn Naturalisation beläuft sich jetzt "schon auf Tausende. Der Andrang nach den'alten Provinzen wird dadurch nur tun so ^stärker, und die Negierung in Lieg ui tz soll mit Rücksicht darauf, obgleich gegenwärtig in Görlitz nur zwei Juden wohnen , in dieser Stadt dennoch schon eine Synagogengcmtindenkreis angenommen haben, weil voranssätzlich in Jahresfrist daselbst einige und dreißig Familien wohncn werden. Alle diese Anzügter sind aus unserer Provinz, und es muß Leicht begreiflich sein, wie sich auf diese Weise Synagogengemeinden hier auftösen müssen. Wir können dieses an sich freilich nicht bedauerlich finden; die Juden bleiben im Lande, und ob sie hier oder da Gemeiden bilden, muß im Ganzen, gleichgiltig bleiben. .Sehr zu bedauern aber ist es für die einzelnen Synagogenbeamten. Die durch den Abzug der> bemittelten Mitglieder immer mehr verarmenden Gemeinden können nicht mehr die Gehalte aufbringen, und da ein anderweitiges Unterkommen zu finden überaus schwer wurd, so werden ganze Familien dadurch brodlos; besonders trifft diese Calamitat die Rabbiner , die zugleich Väter zahlreicher Familien sind, sehr hart; denn cs ist bekannt, welche Ansprüche die Gemeinden machen, und wie difficil sie bei Ausnahme von Rabbinern sind.; diese finden also so leicht kein ferneres Unterkommen. Wir gedenken hierbei des Looses '.des Rabbiners zu Boms, des Herrn Lab a'szins ky. Dieser noch ganz junge Mann ist ein ausgezeichneter Talmudist, dem die Bildung nicht fremd ist; gleich weit vom ZelotiSmus und blinder Orthodoxie, wie von Reformwuth und seichter Neotogie entfernt, hält er in allen seinen Bestrebungen besonnen die Mitte. Er hat durch viele Jahre recht .segensreich gewirkt, und besitzt auch ein recht gutes Red«7 nertalent; seine Vorträge fanden in seiner Gemeinde vielen Anklang, und hat sich diese auch ein Mal veranlaßt gefühlt, ihm öffentlich Dank zu sagen. Vor einigen Jahren hatte die Stadt aber das Unglück von einer Feuersbrnnst heimgesucht zu werden , in Folge deren sich die meisten jüdischen Einwohner durch die Gunst des vorigen Gesetzes und besonders durch die des neuen verzogen. Die wenigen Zurückgeblienen sind ju unbemittelt, als daß sie im Stande wären, 'einen Rabbiner