Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-03-25 · Heft 13 (25.3.1848) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (25.3.1848)
Date
1848-03-25
Page
Seite 98 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360540--6327-3533994
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

- 98 - wankelmüthiger König, der heute widerruft,, was er gestern mit vielem Pomp -verkiüldet, ein juden feindlich er Minister, der den Parsismus für die Staatöreligiou erklärt, klageride Juden, die da weinen und fasten, eine schöne Jüdin , die das Herz bewegt — dies-Alles sind bekannte Figurerl, die auf den Brettern der Weltbnhne oft" erschienen .sind. Allein das gestürzte Ministerium- Ha man bringt mich in unserer ministertrotzenden Zeit auf ganz andere Gedanken. Haman war verantwortlicher Minister des Kultus, und als der freie Geist zu wehen begann, verschwand der Minister von der Buhne. Das einzige Ministerium vielleicht , da§ von Juden gestürzt wurde. Allerdings haben die Inden sich nicht besser als die Franzosen Ln der ersten Revolution benommen: sie errichteten eine Guillotine und mordeten. , Aber Mardcchai ward Ministerpräsident. Nach einer blutigen Revolution gelangte erst ein Jude zu einem Portfeuille. Haman bleibt aber immer der Typus aller. anLijüdischen Minister. Zwar hat unsere Zeit der seinen Sitten die Außenseite geglättete Statt der blanken Rüstung des Judenhass erscheint cm zierliches Aushängeschild: „christlicher Staat"; allein der Kern des Pudels hat .sich nicht geändert. „Die Juden bilden einen Staat im Staate" war das Stichwort des persischen Wttuisteriums und ist heute noch die Bannforuret der romantischen Politik. Ob das Herzklopfen Deutschlands und der Kopfschmerz der Minister Vorzeichen eines Freiheitssiebers sind, kann ich nicht benrtheilen, da Berlin bereits seit-langer Zeit in großer Aufregung fiebert. —■ : In dein umso neu Chor der Gegenwart tönt mir eine Stimme besonders melodisch: die Stimme nach Preßfreiheit, und sogleich lege ich mir die Frage vor, welchen Gebrauch ich von dieser Freiheit machen wolle. Keinen andern als die Wahrheit zu verkünden. Während im Elsaß und in Baden das freiheitStrunkene deutsche- Volk sein Mnthchen an den armen Inden kühlt, begrüßt Cremieu.r Ln Paris die Deputation der deutschen Republikaner.-. Ein jüdischer Minister Frankreichs, ein Franzose mit aller Gluth seines Herzens spricht den Ruhm der deutschen Nation ans und deutsche Krämerseelen plündern die Inden! In Frankreich Mardechai ans dem Ministersitze, in Deutschland so viele Haman's als Schreier! Die deutsche Tiefe ist ein Abgrnlld voll Intoleranz. — Die Freiheit ist Ln Deutschland eine ungezogene Tochter, die um sich schlagt. DieDentschen lebten bisher in der Finsterniß-der Sklaverei und können das plötzlich ausstrahlende Licht der Freiheit nicht ertragen. .Geblendet tappen sie umher, werfen da einen' Juden nur, zerschlagen dort die Fensterscheiben eines armell Inden, vergreisen sich hier an jüdische Börsen itnb trauen sich nicht selbst zu, frei zu sein. Die braven Etsäßer! Noch rollt echt germanisches Blut in ihren. Adern, noch erheben-sie die Faust gegen die Inden,, wie ihre lieben Stammgenosfen, die Deutschen. O könnte ich Dentschlalld an "mein Herz drücken, damit es auch einmal den D v it cf eines Juden fühlte! — Der allweise Simat in Frankfurt a. M. erklärt, die Gleichstellnng der nichtchristlichen Konfessionen sei, durch die eigenthümlichen Verhältnisse der Stadt, - jetzt nicht räthlich. Jubelt ihr Friseure, noch ist der deutsche Zopf nicht zu Grabe getragen; in Frankfurt, der Geburtsstadt Göthe's, gedeihen die Zöpfe und die Judenfresser.. Vergebens hat Börne den Frankfurtern den Kopf zurecht "gesetzt; der Zopf ist unverwüstlich. Der Bundes tag — ein Euphemismus für Bundes n a ch t ’— hätte keinen bessern Sitz wählen können. Dieser Schneck'enschritt deö besonnenen Senats verantaßte mich, demselben folgende Adresse zu überschicken: „Weder egalite noch fralenttte noch liherle, sondern im Namen des dreistechtigen Zopfes, der nicht sobald zerrissen wird, wie der Jude Salomo sagt! Mit buudeötäglicheni Verwundernhabe ich gehört, daß meine Glaubensgenossen mit einem allweisen Senate, gleichgestellt sein wollen. Welche Verblendung! Woher sollen die Inden in dieser kurzen Zeit Zöpfe nehmen, die der: Ihrigen gleich kämen Simson und Absalon, die langhaarigen Inden, sind längst todt; und *der Zopf eines Rabbinen erreicht durchaus nicht den eines Senators. In Ihrer besonnensten Besonnenheit haben Sie richtig erwogen, daß die eigenthümlichen Sklavenverhältnisse Frankfurts die Emancipation schlechterdings unmöglich machen. Angesichts des deutschen Bundes die Juden gleichstellen, hieße Verrath an dem Zopsthnrne üben. Und mit den Zöpfen müssen Sie sorgfältig umgehen. Sollten die unchristlichen Franzosen es wagen, die deutschen Eichenwälder, die Söhne Hermanns-,, die Schützlinge des deutschen Bundes anzugreifen, so sollen sie -vor deutschen Zöpfen znrück'schrecken. Ei n deutscher Zopf kann durch seine Wucht tausend Franzosen zu Boden werfen. Die.-traurigen Folgen der Emancipation bleiben auch nicht ans. In Frankreich hat sie einem Juden ein Portfeuille in die Hand gedrückt; am Ende würde der alte Römer durch einen jüdischen Senator eittweiht werden. Die Arroganz der Juden ist bekannt; und eS ist eine jüdische Arroganz, wenn die Inden, als Spielzeug des kindlichen Bundestages, als freie Menschen betrachtet sein wollen,. Es ist durchaus Ihrer würdig, keine Fesseln zu brechen, keine Sklaven 311 befreien. Den christlichen Kindern muß man allerdings einige Bonbonsder Freiheit zur Unterhaltung Hinwersen; die Inden mögen immerhin vom Kommisbrod der Ausnahmsgesetze leben. Daß ich aber es gerade wage, diese unschuldigen Zeilen an Sie zu richten, kommt daher , daß ich ein Preuße bin. Ich als Preuße weiß es, daß die christliche Liebe, der Ausdruck des reinsten Sittengesetzes, die Gleichstellung der Inden, nicht znläßt; ich als Preuße weiß cs,.daß der Jude nicht umsonst geboren und nicht umsonst gestorben; ich als Preuße

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.