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Der Orient · 1848-03-25 · Heft 13 (25.3.1848) · p. Seite 97

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (25.3.1848)
Date
1848-03-25
Page
Seite 97 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken MMer Das Abonnement auf ein. Zahrist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen' lö'bl. Postämtern und allen solid. Bucktwndlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeberr .. von Dr. Julius Fürst. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Viteraturblatt nrjtgerechner, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig« 113. Leipzig, den 25. März 1848. Inhalt. Deutschland. Leipzig. Die freie Presse. Berlin. Harmlose Bemerkungen. Adresse an den allerweisen Senat zu Frankfurt. Berlin. Was berichtet wird. D'e Censur. Berlin. Was wird geschehen. Netzdi strikt.^ Schuld und Vereinswesen. Von der Warthe. Die Naturalisation und die Auswanderung. Aus dem Nitzdiftrikt. Wohlthatigkeitsvereine. Berlin. Handwerkerverein. — Oesterreich. Aus Oesterreich. Die Marztage. Prag. Die Judenfrage. P e st h. Die Emancipation. Aus Ungarn. Notizen ohne Kommentar. — LB/d. Or Deutschland. Leipzig, 14. März. Die freie Presse ist in diesem Augenblicke die thatsächlichste Errungenschaft der Freiheits-Bewegung unseres deutschen Vaterlandes; wo sre noch nicht ofsieiell proklamirt öder bestinunt verheißen worden, da steht sie für die nächste Zukunft in Aussicht und kann, nachdem selbst der überbedächtigste deutsche Bund sie als ^Nothsirrgnal der stürmischen Gegenwart verkündet, als bereits errungen angesehen werden. Und unter dem Banner der freien Presse fcnfccii wir unser Zeitblatt an die begeisterten Kämpfer für die Freiheit der Juden und für freie Entwickelung des Judenthurus; der „Orient" möge von nun an mehr als je der muthige Sendbote der freien ungehinderten Aeußerung des Gedankens sein, und die Sendung der Israeliten Deutschlands , ihre Zukunft, ihre Aufgaben, ihre Wünsche, ihre begeisterten Kämpfe, mögen den Inhalt des frcigewordenei, „Orient" bilden. Auch die jüdische Presse hat schwer unter der gedazrkenmörderischeu Censur geseufzt. Der ,, Orient" durste keine Mittheilungen über judenbetreffende Landtagsverhandlnngen geben, keine freimüthigen Aeußerungen über niederträchtige Aussprüche der Deputirten machen, denn so lautete die Censnrinstruktion, und eine launenhafte Abweichung von derselben war eine Gefälligkeit. Der ,/Orient" durfte nicht die Gebrechen Ulld Schäden der Lage der Juden in Preußen und Oesterreich freimüthig beleuchten, er durste nicht die wahnwitzigen Konsequenzen der engherzigen Idee eines christlichen Staates berühren und in der Vertheidigung deö Judcnthnms gegen die Angriffe des bevorrechteten Christmthmns wurde nicht die ungeteilte Wahrheit geduldet. Aufforderungen an Gemeinden zu energischen Schritten gegen unvernünftige, sorg - und kopflose Verwaltungsmaßregeln , Mahnungen zu außerordentlichen Unternehmungen gegen bureaukratische Tyrannei und kleinliche Knechtung von dm untergeordneten Behörden wurden von der leibhaften Tochter der Inquisition, von der Censur stets mit mistrauischem Blicke angesehen und fast immer umbarmherzig durch die Cmsurschecre vernichtet. Diese Fessel des freien Gedankens ist nun endlich vernichtet, die Bevormundung des freien Wortes hat aufgehört, die Censur ist' tobt und wir haben jenes humoristische, bejammernswcrthe Ideal: d e n l e tz t en Cens or, den alle Witzköpfe sich seit 30 Jahren gewünscht, wirklich gesehen! Auch der „Orient" hat die Censur angekampft, auch er hat seine Leidensgeschichte, seine tausendfachen Verdrießlichkeiten mit diesem' knechtischen Jnstitulute gehabt, welche weder der ferne Leser noch der Korrespondent geahnt, und er hat auch mitgekämpst zur Abschaffung der Censur v o r der Abschaffung , wodurch die Ceusorcn der Negierung die Erklärung gaben: wir bekommen nichts zur Censur, sie ist daher überflüssig. Berlin, 12. März. „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu". Diese Worte sieten mir ein, als ich an das herannahendc Purimfest dachte. Ein 13

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