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Der Orient · 1848-03-18 · Heft 12 (18.3.1848) · p. Seite 95

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 12 (18.3.1848)
Date
1848-03-18
Page
Seite 95 (sequence 13)
Language
German
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— 95 — ausgezeichnet ist. Das in Rede stcheiide Institut ist mit eine von den wohlthätigsten und wirksamsten Anstalten nicht nur in der Gemeinde Posen, sondern sogar m der ganzen Provinz. Die Herren Vorsteher sind unermüdet in ihrenü Wirken; besonders aber sind es die HH. Bi e s ch e l s o n und Peter L i p p m a n n (Direktoren), deren ernstem Eifer und reger Thätigkeit die Anstalt sehr Viel zu verdanken hat. Es wäre zu wünschen, daß in andern großen Gemeinden unserer Provinz, wie Lissa, Kempen, Nawicz u. s. w. ähnliche Jnstitnte gegründet würden. An wohlthatigen Herzen wird es nirgends fehlen, wo Israel seine Hutten aufgeschlagen. — Die Kanzel im Posener Bruder-Verein ist noch immer vakant. Das Komite geht diesmal etwas vorsichtiger zu Werke und dies kann und wird Niemand tadeln. — Wie allgemein verlautet, so ist Dr. Gebhardt bereits von vielen Gemeinden des Großhcrzögthums (darunter auch von mehrern größer», wie Lissa, Rawiez, Gnesen re.) zum Kandidaten für die einznsetzende KultnS-Konmnssion gewählt und dem Oberprästdeuten vorgeschlagen worden. Was wird Ihr Krotoschiner Korrespondent hierzu sagen, der dem Dr. G. Rühm un d Nu f durchaus streitig machen will? (Bergt. Nr. 9 d. Bl.) — Wir wiederholen cd nochmals, daß Dr. G. in unserer Provinz ,,rühmlichst bekannt", daß fein „Ruf" als gediegener Mann im ganzen Großherzogthum,,verbreitet" ist — und fügen hinzu daß mail praktischen Ruhm äruten kann, auch ohne . den Markt der Literatur mit Gelehrsamkeit bereichert. zw, haben, und einen Ruf erlangen, auch ohne, zu Gunsten irgend einer religiösen Meinung mit großem Gepolter— | schlvertunlgürtet und ritterlich geharnischt -— in die; Schranken der Polemik getreten zu sein. — Herr G. hat einen festen, rnn'rschütterlichen Charakter, führt einen ungehcuchelten frommen Lebenswandel, besitzt vielleicht Wissen und ist besonders durch seine hinreißende Beredsamkeit ausgezeichnet. Dies Alles weiß bei uns fast jedes Kind, und darum haben wir in unserm Art. vom 16. Jan. (Nr. 6 d. Bl.) die Hoffnung ausgesprochen, daß wohl viele unserer Gemeinden den Dr. G. als ,Kandidaten zur Kultus- Kommission dem Oberpräsidio Vorschlägen würden. Wie es scheint, so haben wir uns nicht getäuscht. — Was den „Wächter an der Ostsee" antangt, so werden wir nicht aufhören, die vom St. OV. auSgcgangene Empfehlung dieses Blattes als eine „bnchhändlerische Spekulation" anznnchmcn, bis Ihr Stettiner Korrespondent K. uns vom Gegentheil wird überzeugt haben. Was Herr K. (s. Nr. 9 d. Bl.) von einem Polen und einer Kanone witzelt, das ließe sich eher ans ihn als lnrf uns anwenden. Wer seinen Art. liest, sieht nur zn klar, daß es ihm nur um die „polnische Anekdote" zu thuu gewesen, daß er vorsätzlich in unfern Art. vom ■ 17. Jan. (Nr. 6. d. Bl.) ein „Loch" machte, um ein Stück verrostetes Eisen ans der Rumpelkannner altbocherischen Witzes herumzulegen, und imttdft der so üuprovisirten -Kan on e eine sarkastische Bombe ans uns abfeuem zu können. Wir sind nicht getroffen werden. — Das prunkende Citat an§ Frankel hätte sich Herr K. auch ersparen, können; denn das, was er damit beweisen wollte, würden wir ihm and) ohne Beleg geglaubt haben. — W. Posen, g,. März. Am jüngstverwichencu Sabbat (Ki-Tissa) hat der RK. Dr. Goldstein aus Breslau in unserer Brnderveremsschnle die erste Probepredigt gehalten. Ein Freund bemerkt uns hierüber, er hätte in der Physiognomie der G.'scheu Rede starke Aehnlichkeit mit Friedrich dem Großen wahrgcnommen; denn dieser König habe gesagt„I eder M e n f ch k a n n a u s seine eigene Fa von selig werden" — und in diesem Sinne sei G.'s Rede abgesaßt gewesen. — Gefallen hat G. allgemein, und man sagt, er habe schon eilüge H offnung. — Ueber Dr. Cr a eaner hören wir so eben, daß derselbe üt Thorn als Prediger engagirt sei. Verbürgen können wir diese .Nachricht noch nicht. — Der moderne Gottesdienst in: neuen Betfatc des Posener Bruder-Vereins fängt an so anziehend zu werden, daß selbst Viele von den strenggläubigsten Versuchern der sog. „Alten Schule" jetzt jeden 'Sonnabend Vormittag zu dm Brüdern gehen, um.sich durch die schönen Gesänge des Knabenchors und die noch schönen: Recitativ's desHm.NiLtermann ein Sabbat-Vergnügen zu verschaffen. — Junge Leute, die sonst, außer rvv unD das ganze Jahr nicht daran dachten, in ein Gotteshaus zu gehen, sieht man jetzt Freitag Abend sowohl als Sonnabend Vormittag in die Brnderschnle eilen und bis zu Ellde des Gottesdienstes daselbst ausharren. Wenn erst ein Prediger wird engagirt sein, dann werden wohl Viele, die jetzt nur als Gaste in den Betsal kommen (was nur an gewöhnlichen Sabbaten gestattet ist) zur Aufnahme in den Verein sich melden; allein das Konüt6 wird nur eine geringe Anzahl neuer Mit-, glieder znlassen können, weit das Lokal leider etwas Zn klein mtgcfcgt worden. — Von dem nengewählten Repräsentantcn-Kelleginm und Gemeinde-Vorstände zu Posen erwartet man — wir wissen nicht ob mit Recht — eine ,,Ae n d er nng der Dinge". — Die jüdischen Hospitanten im Schnllehrcrsemmar zn P. erfreuen sich jetzt (seit neuester Zeit) nicht mehr nur vonHrn.Oberlehrer Baek (s. 51 v. I.) sondern auch schon von Seiten des Direktors (Hrn. Nit sehe) und der übrigen Lehrer der Anstalt einer aufmerksamen und recht freundlichen Behandlung. W. PsseZs, Ende Febr. Der Bruder-Verein geht ernst an die Anstellung eines Predigers. Von den sich zn dem Ende gemeldeten Kandidaten, die Probe-Predigten hielten, erwähne ich blvs zwei. Ein sich Doktor nennen. lassendes Subjekt, ein Posncr Kind, erhielt die

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