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Der Orient · 1848-03-18 · Heft 12 (18.3.1848) · p. Seite 96

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 12 (18.3.1848)
Date
1848-03-18
Page
Seite 96 (sequence 15)
Language
German
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96 Erlaubnis; jit einer Predigt , welche sich dem Texte : M dtin n^ Dwi M mco M. „Heit dir, ' o Br ü d er - Ve r e im", anschloß. Kein Wunder, daß dem Bruder des Vereins bei diesem erhabenen Texte - die''Thränen-flössen;-man vernahm ein lautes Schluchzen , besonders' sotten die Geldgeschäftmacher ihren Gefühlen (l?) durch lautes Weinen Luft gemacht haben, .hätte-der Redner obigen merkwürdigen Text mit dessen tragi-komischen Uebersetzung nicht stotternd hervorgebracht. Von der Predigt selbst habe, ich mir sonst nichts gemerkt, weil ich nicht viel Merkeuöwerthes darin fand. Letzten .Sonnabend predigte ein Herr G o l d ste i n. Er hat seinen Zuhörern gefallen und kann daher mit Bestimmtheit seiner Plaeiruug Hierselbst entgegensehen. 'Es sott sich nur noch um 50 Thlr. handeln. Dr. K. vormaliger Rabbiner in B. sieht noch immer einer anderweitigen Anstellung entgegen. Einstweilen geht dieser ehrenwert he Rabbiner den Posnern mit moralischen Beispielen voran: Er giebl dem Korrespondenten der P o se n e r Zeitu n g Stoff, eine W nch e r- S t a t i st i k v o n der Stadt Po se n zn entwerfen. Allgemein spricht man hier, Hr. Rabb. Eg er habe seinen Schwiegersohn Dr. H. als KultuS-Deputirten an seiner Statt erwählt; allein dies ist kaum glaublich, denn wie auch Hr. Dr. H. es verdienen mag, so wird Hr. Eg er ein so wichtiges Amt doch gewiß für sich behalten und Ihr Korrespondent in Krotofchin hat v ollkommen Recht: die Orthodoxie muß auch einen Mandator haben. ' M... r. Oesterreich. Prag, 6. März. Die. Geschichte ist das Weltgericht. Die Franzosen, selbst frei wie kein Volk auf Erden/ haben die Freiheit errungen. Unsere Böhmen werden. jetzt ihre 'Ohnmacht fühlen. Die Krämerseelen, die den Juden die Lust außerhalb des Ghetto misgöuncn, können unmöglich die Freiheit für sich verlangen. Die Negierung kann sich nuf ihr historisches Recht berufen, so wie die hiesigen Spießbürger auf ihre alten Privilegien den Juden gegenüber pochen. In keiner Hauptstadt.-werden die Inden so schmachvoll von. den Bürgern behandelt, wie hier. Beschränkt und jeder wahren Bildung baar, sehen die hiesigen engherzigen Bürger mit Verachtung auf die Juden. Allein die Neincsiö der Geschichte bleibt nicht aus. Diejenigen, die Sklaven mit Wohlgefallen neben sich sehen, können auch keine Ansprüche auf die Errungenschaft der Freiheit machen. Würde nicht die Regierung die Inden schützen, Verlag von C. L. Fritzsche. die Rohheit der christlichen Bevölkerung wäre grenzenlos. Die Regierung hätte längst die Juden emancipirt, hätte sie nicht einen Auflauf des Pöbels zu befürchten. Und zum Pöbel gehören auch diejenigen, die nur ihre Privilegien in die Schale des Rechts legen. Italien. Livorno, im Febr. Die Israeliten Toökana's sind emaneipirt und eine : allgemeine Begeisterung durchzuckt die sonst so tiefgebeugten Gemeinden; das Joch und die Knechtschaft, die der finstere Wahn einer Glaubensauöschließlichkeit ihnen Jahrhunderte lang aufgelegt, wichen vor dem erwachten Geist des' erstandenen Italiens und Dankadressen an die Regierungen, freudige Hymnen an den Stätten der Andacht folgen nun auf diesen erhebenden politischen Akt. Unsere Gemeinde hat überdies noch sofort eine Schenkung von 20,000 Lire, 200 Betten und 1500 Hemden an die Armen der Stadt gemacht, um diesen Anbruch eines schönen Tages der Zukunft durch eine That der Mildthätigkeit zu feiern. Wunderbar ist der Geist, welcher Jtalia's Stämme jetzt durchgtühet, es ist der Geist der Verbrüderung, der sich schämt, von der Religion so lange niedergehatten worden zu fein. .Während man in Turin die sonst von der Inquisition gehetzten Waldenser aufsucht und sie als Brüder umarmt, beeifern sich in den andern italischen Staaten Weltliche und Geistliche, Mönche und Bürger/ die gekränkten Israeliten heranznziehen und ihnen brüderlich die Hand zu reichen. Es wird anders werden; denn die Völker sind mündig und entschlossen, ihre Zukunft sich selbst zu gestalten. Perfonalchronik und Miseellen. Netzdistrikt, h März. In Filehne ist der neue Rabbiner und Prediger Stein den Lehrern ein Stein des Anstoßes geworden. Der Vorstand hat beschlossen,, dem Rabbi die Oberaufsicht über die Schule zu verleihen z aber die Herren Lehrer wollen sich dies nicht gefallen lassen, und so,setzt es Aergerniß über Aergerniß. Nächstens mehr hierüber. W. «• * Kasse l, 10. März. Unser, polnischer Rabbi, den uns eine in Petismus versunkene. Regierung aufdringen wollte, ist gewichen und das Rabbinat ist nach wie vor vakant. Druck von I. H. Nagel.

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