Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1848)
- Date
- 1848-03-18
- Page
- Seite 94 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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94 dem weltlichen Sinn zu Hilft kommen wollen, denn .wenn. der auch die Angreifer straft — was noch sehr fraglich , da -Amtshandlungen unter eine ganz andere Kategorie falten, als andere öffentliche Angriffe '— die öffentliche Meinung ist gleichwohl nicht ganz befriedigt. Doch sehen wir zu, welchen Ausgang dieser Prozeß nehmen wird. Wenn wir also heute genöthigt waren, etwas Weniges zu polemisiren — als eine Folge der vielfachen Verbreitung und Berücksichtigung der Artikel dieses Blattes — so fahren wir heute in der obcnberührten Weise fort, alle uns zu Ohren gekommenen Erscheinungen in der jüdischen Wett zu berichten. Dem Ä-ernehirien nach hat der Vorstand in Fürth die Erlaubniß nachgesncht und höchsten OrtS auch erhalten, m der dortigen Synagoge eine Orgel anbringen zu dürfen. Eine solche Einrichtung muß'wohl noch andere Reformen im Gottesdienste gut Folge haben und an ein Klagen, noch weniger an ein denuneiren der Minorität daselbst ist unter den jetzigen Verhältnissen wohl nicht zu denken. Die viel verbreitete Nachricht aber, als hielte Hr. Nabb. Dr. Löwi daselbst allwöchentlich zwei Vorlesungen über Judenthum re. vor einem zahlreichen jüdischen und christlichen Publikum in de.r Synagoge ist wohl nur ein Puff von einem Spaßvogel, einem neugierigen Landmann aufgebunden. — Das aber ist wahr, daß genannter Rabbiner mit seinem Kollegen und unversöhnlichsten Gegner, dem Rabbiner Wechsler in Schwabach in einem Streit liegt, bei ‘ dem zugleich ein Prinzip zur Entscheidung kommen muß. Wechsler erhielt von Löwi die Dimissoralien zu einer Trauung, ließ aber diese -durch einen Privatmann, jedoch in seinem Beisein vornehmen und ist nun genöthigt, von seinem, den neuen Rabbinern abgelernten Grundsatz, nur der Rabbiner könne gesetzlich trauen vor den Gerichten abzugehen, obschon er stch ein Hintcrthnrchen offen gelassen und die m:ro yiw — sie seien die Hauptsache — selbst gesagt habe. .Ueberhaupt geben unsere Rabbiner und man muß. es offen sagen, besonders die sogenannten orthodoxen ein gar erbarlliches Beispiel gegenseitiger Achtung und Verträglichkeit. Eine Ehescheidung in unserer Nähe, an und für sich wegen der Seltenheit des Aktes und des Alters der zu Scheidenden -— der Manu ist etliche und fünfzig und die Frau etliche und siebenzig Jahre alt. — nicht ohne.Interesse, giebt uns wieder einen Beleg hierzu. Der zuständige Rabbiner in D. will denvon Oe. herbciziehcn. Der erklärt aber nicht dazu zu gehen , wenn nicht'der Rabbiner v. Sch. dabei ist und diesen will wieder der von D. nicht u. s. w. —- Es wird schwer halten, drei Rabbiner zusammen zu bringen l — Mittwoch den 16. b. M. verschied nach dreißigjährigem treuen anerkannten Wirken, im 58. Lebensjahre der deutsche Schul- und Religionslehrer I. Levi Hochstä tt er in Mönchs-Deggingen, Kreis Schwaben. Bei dem feierlichen Leichenbegängniß, dem sich auch der christliche Ortögeistliche anschloß, sah man recht, wie geliebt der Hingegangene in seiner Gemeinde, deren Glieder fast alle seine Schüler sind, war, und der Bezirksrabbincr, Hr. Selz auS Harburg hat cs verstanden, den frommen Gefühlen in einer ergreifenden Grabrede den rechten Slnsdruck zu geben. Der Verstorbene hat sich nicht blos um seine Schule, sondern auch um die Gemeinde überhaupt, die er in vielen wichtigen Fragen kräftig vertrat und auf die Bahn des Fortschritts allmälig zu leiten Verstand, vielfache Verdienste erworben. Friede mit ihm! Zugleich gedenke ich mit Wehmnth des am 15. b.- M. erfolgten Hingangs einer Schülerin des Musik- Conftrvatorjums,' der 16jährigen einzigen Tochter eines guten ElternpaarS, der Karotine Bassinger aus Fürth, welche der unerbittliche Tod in ihrem schönsten Streben und zum namenlosen Schmerze Aller, die sie kannten, dahingcrafft hat l — Ein vormaliger Landsmann, Hr. Dr. Friedmann, welcher seiner Zeit eine Preisaufgabe an der Universität München gelöst hat, ist aus Batavia in der Eigenschaft eines holländischen Schiffsoberarzies nach achtjähriger Abwesenheit wieder zum Besuche seiner Eltern in sein voriges Vaterland zurückgekehrt. Wie lange noch werden die begabtesten und ansgezeichnetsten Jünglinge, bloS weil sie dem Akte der Tauft sich nicht unterwerfen, genöthigt sein, dem Vaterland den Rücken zu kehren und ihre ausgezeichneten Dienste fremden Staaten zu widmen? — Von einer zweckmäßigen neuen Einrichtung der Administration der israel. Kultus-Gemeinde in München zur Unterstützung fremder Israeliten und zur Abwehrung des keine Grenzen mehr kennendenN jüdisch eil Bcttclns, kann ich Ihnen erst in meinem nächsten Bericht ein Näheres mittheilen. Endlich zum Schluffe noch die Nachricht, daß die „Dorfzeitüng" wieder einen sehr wichtigen Fang gemacht hat. In Unterfranken wurde ein Jude — natürlich wird der Jude mit gespaltener Schrift gedruckt — wegen Versnchs zur Verleitung zum Meineid an den Pranger gestellt. Wir schlagen der Löschpapiernen vor, alle Bestrafungen von Verbrechern, welche sie Jahr ans Jahr ein meldet, nach Konfessionen anszufcheiden. und dann wollen wir mit ihr rechten! — Aus der Provin; Posen, 1 März. Die vakant gewesene Stelle eines Erziehers und ReligionSlehrers an der israel. Waiscn-Anstatt in Posen ist besetzt. Hrn.'L. Wedelt aus P. ist dieses Doppclamt anvertrant worden. .Die Wahl ist eine sehr gute zu nennen; denn sie hat einen Mann getroffen, der durch Bildung (namentlich durch Kemttniß der jüdischen Literatur) eben so sehr, als durch Frömmigkeit und Rechtschaffenheit