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Der Orient · 1848-03-18 · Heft 12 (18.3.1848) · p. Seite 92

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 12 (18.3.1848)
Date
1848-03-18
Page
Seite 92 (sequence 7)
Language
German
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92 Blut gegeben, so würde ich hier ein wenig, geschwärmt und das Er-cigniß ein „Mirakulum fortschreitender Natur^ , oder sonst so was Aehnliches genannt haben. — Uebrigens, wenn die Juden (denen man in der Regel Feigheit w. vorwirst) nicht zurückstehen, sich n e b en ihren Deutschen und Polnischen Brüdern muthig in die Flammen zu stürzen, um mit Gefahr ihres eigenen Lebens dem vom Unglücke iedroheten Mitbürger (er sei welchen Glaubens und welcher Abstammung er wolle) sein Hab und Gut retten zu helfen — warum sollten denn die Herren Deutschen und Polen zurückstehen, warum sich schämen., mit den jüdischen Bürgersöhnen anznstoßcn, oder mit der einen und" der andern an-' spruchlosen Tochter des Orients eine Runde zu machen? — .Ich, meines TheilS, finde das ganz in der Ordnung. Mögen Andere an d ecs denken. — — — Zum Schlüsse noch eine statistische Notiz. In dem uns benachbarten Königr. Polen leben gegenwärtig 512,000 Juden, also beinahe 2^ Mal so viel als im Kgr. Preußen, wo man die Judenzahl ans 208,000 angiebt. Erwägt man, daß unser Vaterland 16 Mill. Einwohner zählt , die Gesammtbevölkerung Polens aber nur etwas über 4-^ Mill. beträgt, so stellt sich heraus, daß., wahrend bei uns etwa der achzigste, drüben immer der neunte Mensch ein Jude ist. W. - Berlin, 6. März. - Ein lauter Ernst beherrscht unsere Gegenwart; in den Adecn der Geschichte rollt das Blut der Freiheit, auf der Zinne der Zeit verkündet der freie Geist rührend und herzerschütternd ein neues Leben — und darum will auch ich ernst sein. Die jüdische Journalistik, diese Krankenwärterin der Judenheit und des Judenthums, muß. jetzt männlich, ernst, muthig, kühn und beherzt austreten. Lange genug hat die deutsche Judenheit die Wucht politischer Vorurtheile empfunden; lange genug hat sie, statt Thaten des freien Bewußtseins auszuüben, Elegien angestimmt und Anairerlieder gesungen; lange genug hat sie sich bettelnd den Vertretern der Freiheit genaht: es ist Zeit die Saiten der ungeschmälerten Freiheit anzuschlagen, auf daß die Schwingungen sich durch ganz Deutschland erstrecken. In den lauten Ruf der Gegenwart mische auch die Jndenheit ihre Stimme ein. Die nationalen Schranken sind gefallen, der Nationalhaß ist geschwunden — das ist der größte Sieg der glorreichsten französischen Freiheitskämpfe. Auf den Boden der Menschwerdung , vor welcher der beengende nationale Standpunkt gewichen, pflanze die Judenheit das Banner sesner Forderungen. Und ist Deutschland der Freiheit würdig, so kann es keine Heloten in seiner Mitte dulden. Die Juden sind ein-Theil des Ganzen und für alle Theile sott der Sieg errungen werden. Auf, Juda, und laß deine Stimme laut erschallen. Die kleinen Scheidemünzen der Freiheit, die wir bis jetzt besitzen, haben wir uns im Sturme erobert: die Freiheit kann nicht gegeben, sie muß errungen werden., Auf dem Schlachtfelde, und in dem Gefechte der Presse haben wir kleine Fetzen von der Fahne der Freiheit davongetragen; es gilt mit einem heiligen Feuereifer in diesem Momente für unser Recht zu kämpfen. Feder und Schwert müssen vereint die Vorurtheile in die Nacht der Vergessenheit znrückdrängen, ein Tag beginnt zu leuchten, ein Tag der Freiheit, der nicht den Nationen, sondern der Menschheit entgegenstrahlt/' Der Preis kann uns nicht versagt werden; es gilt zu. ringen, zu kämpfen in den vordersten Reihen für das Wohl Atter. Wer furchtsam und zaghaften Herzens ist, der bleibe zu Hause; in die Oeffentlichkeit trete der Muth, die Entschlossenheit, das Bewußtsein des Rechts, der Kampf der Anerkennung. -ft Berlin, 8. März. Die Völker sind erwacht nach einer taugen Nacht und haben aus der Freiheit Schacht Goldkörner heraufgebracht. An dem Bestehenden wurde gerüttelt, der Baum der Freiheit geschüttelt, die Früchte, fielen zur Erde, damit Attest frei werde. Soll Israel blos theilen sein altes Loos? Soll der tausendjährige Knecht vergebens hoffen ans sein Recht? Für sich nicht blos ist frei der Franzos; das Vaterland hat jeden Unterschied verbannt, zwei Israeliten zu Ministern ernannt, von bcnm Einer weltbekannt. Der Deutsche hat einen schwachen Magen, kann nicht die ganze Freiheit vertra- - gen, und beginnt es bei ihm zu tagen, so enden dochnie die Klagen. Welch' ein Schmerz für ein deutsches Herz die Freiheit zu theilen? Sie wollen sich auch nicht» übereilen. Den Deutschkatholiken möge cs glücken, die Inden müssen noch immer büßen.. Den Druck ohne Censur hat der Deutsche nur, er sieht gern sich als' Herrn, das jüdische Geschlecht als seinen Knecht. Wird in den Freiheitskriegen der Jude wieder unterliegen? Oder wird die Schande weichen ans den deutschen Reichen, auö unserm Lande? -Ich bin .kein Prophet, doch seht, ob die Emancipation wird dem jüdischen Sohn, oder Spott und Hohn, wie es bis jetzt auch war in Gebrauch. Ohne Zagen und Bangen muß man die volle Freiheit verlangen und nicht, an Coneessionen hangen. Schenkt uns ein der Freiheit Wein und Groß und Klein möge gleich sein. Nicht das Bekeuntniß, sondern die Erkenntniß möge entscheiden über Israels Leiden. Nur der ist der Freiheit werth, der alle Menschen ehrt und nicht das Recht verkehrt. Wer nach Religionen will lohnen ist selbst gebunden zu allen Stunden und wird die Gesunden stets verwunden. Nicht Jeder ist frei, der seiner Fesseln spottet ohne Scheu. Wenn der Christ frei ist, muß es auch der Jude fein, sonst ist Alles Schein. Werden aber nicht die Zionswächter, der Beschränktheit Verfechter sich verleiten lassen/ die Gleichstellung zu hassen? Ein Emancipirter ist ein Reformirter; er kann keine Sefira halten wie die Alten/

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