Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1848)
- Date
- 1848-03-18
- Page
- Seite 91 (sequence 5)
- Language
- German
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— 91 - Bitte an Se. Majestät den König, um Vorlage eines Gesetzentwurfs an die künftige Ständcwersammlüng, betreffend die völlige Gleichstellnng der Bekenner aller Konfessionen. Die i öraeliti schen Bürg er und Einwohner Sachsens. Frankfurt a. M., 7. März. Das fliegende Wort unserer Zeit wird ihnen die Kunde von dem Sturme in unserer freien Stadt schon gebracht haben; hier in der nächsten Nahe des deutschen Bnndes war der Volkssturm wie ein wilder Strom heftig brausend, hier vereinte man die Inschriften einer neuen Zukunft, wie Preßfreiheit, deutsches Volksparlament n. s. w. und unter diesen Merkzeichen, die unserem im alten Schlendrian verkümmerten Senate wie Posannentöne des jüngsten Gerichts klangen, war auch ,,Freiheit aller Bekenntnisse^. Wie in den friedlichen und stürmischen FreiheLtskämpfeu der Neuzeit zu Nassau, Baden, Würtemberg, H essen-D ärmstäd t u. s. w. sah man auch hier die bochsinnigen und intelligenten Israeliten in den vordersten Reihen stehen; gewohnt mit tiefem Blicke in die dunkle Zukunft zu schauen und von ihr Alles zu erwarten, als Israeliten die Fesseln unseres deutschen Vaterlandes doppelt empfindend, war es natürlich, daß sie schon in denn ersten Säuseln den furchtbaren Sturm ahnten, der über Dcntschlands Gauen hinbransen wird. Sic standen in den vordersten Reihen, oft leiteten sie die Freiheitsbewegung oder waren unter den Leitern immer in würdiger und ehrenhafter Haltung. *Aber gerade bei uns war cs zuerst, wo mm: die Freiheitsbegeisterung verdächtigte; der Frankfurter Zopf kennte es nicht vertragen, daß unsere weltberühmte Jndengasse ins Reich der Alterthümcr wie der deutsche Bund verbannt werden solle. Das schlafmützige Zopfregiment suchte das Gerücht zu verbreiten, daß die. Israeliten Geld vertheilt hatten, um eine unverzügliche Gewährung aller Anträge an d^n Senat, worunter doch auch die Gleichstellnng aller 'Konfessionen, zu erlangen. Empört über diese haltlose Verläumdung und durchdrungen von ihrem ehrenhaften Streben, verfügte sich gestern eine Deputation der hiesigen Gemeinde, aus der: achtbarsten Männern bestehend, zu unfern: regierenden Bürgermeister, um die Lüge dieses Gerüchts darzulegen und zu bekräftigen und die feste Versicherung zu crtheilen, daß die ' israelitische' Gemeinde nie den Weg der Gesetzlichkeit und Ordnung verlassen werde. Noch ist weiter nichts als Preßfreiheit gewährt, noch zögert mau die andern Petita des Volkes, wie Schwurgerichte, Volksbewaffnung, Gleichstellung aller Konfessionen zu gewähren, aber der Drang der Verhältnisse und die neuen Kämpfe jedes Tages in den deutschen Landen lverden und müssen deren Gewährung 'herbeiführen. Es muß und wird bald eine Zeit komme!:, wo wir, in: Besitze unserer natürlichen Rechte und mit ganzer Seele und ungetheittem Sinne uns den begeisterten Richtungen in Deutschlands Gegenwart werden, hingeben können. Leipzig, 9. März. Der exklusive sächsische Liberalismus, perfonifieirt in dem bankrnttirten Philosophen A r n o l d N u.g e, stellt sich bles, so oft. er mit Juden in Berührung kommt. Der Großmogul und Maulheld — obwohl ein stotternder Lngenprophet Rüge nennt Kn ran da, den bewährten Vorkämpfer für Oesterreichs Freiheit, einen „Knoblauchfresser". Man muß ein Hegelianer fein, muß die hallifthm Jahrbücher herausgegeben haben, um in echter Bildung einen: Pariser ouvrier nachstehen zu müssen. Ein deutscher Philosoph bringt es höchstens zu einem Judenfresser. Es ist in der That noch menschlicher Knoblauch als Juden zu fressen. Die französische Nation hat einen Knoblauchfresser zu ihrem Minister gewählt; ein Repräsentant der Deutschen kann, nicht einmal einen jüdischen JonrnalistenHneben sich dulden. Ans den Schultern des Judenhasses will Rüge aus den Olymp der Freiheit steigen. Glückliche Reife l Ans der Provinz Posen, 20. Febr. Bei der am 19. v. M. in Posen stattgehabten ersten „modernen Trauung" im Betsale des Brüdervereins (vergl. Nr. 7 d. Bl.) ist von den alter: Ccremonien weiterNichts, als das „Glaszertreten" weggefallen. Während der Tranrede des Dr. K. hat sich der OR. E. in ein Seitmgemach zurückgezogen. Dem würdigen Herrn Pteßner geht es übrigens auch nicht besser. Sv oft derselbe bei einer Trauung als Prediger fungirt, hat er niemals die Ehre, daß Herr E. der. Predigt beiwohnt. Entweder er entfernt sich während derselben, oder er giebt Ordre, daß man ihn überhaupt erst, wenn der Vortrag zu Ende, aus seinen: Vatikar: abholen soll. — Mn ß das so sein? Ist das überall so, wo Rabbiner und Prediger nicht in derselben Person vereinigt? Wahrlich! ich weiß es nicht. Jedenfalls erlaube ich mir, daran zu zweifeln und ich glaube, es ist gemein. Bei einen: Vortrage, den Dr. Cr. neulich wieder in der K-J-Chcwra gehalten, nvarei: auch die Vorsteher des Brüder-VereinS zugegen, und feiten diese für Cr. wieder dermaßen eingenommen worden fein , daß man sich mit der Hoffnung trägt, derselbe werde am Ende doch die Prcdigerstelle :u der Brüderschnle erhalten. — Wenn cs nur schon so weit wäre! Ans dem am 12. d. M. in Posen stattgehabten großen Balle des dortigen Feuer-Rettungs-Vcreins waren 3 verschiedene'Nationalitäten , Deutsche, Polen und Judendurch daß rosenfarbene Band des Frohsinns und der Heiterkeit mit einander vereinigt. So lange. Postens Mauern stehen, ist so Etwas dort noch nicht erlebt worden. Die Juden sollen fast den vierten Theil der Ballgäste ausgemacht haben. Und Teutoma's und Polonia's Sohne tanzten mit Inda's. Töchtern wie mit ihresgleichen! — Hätte mir nicht die Natur atlzirkattes 12*