Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 11 (11.3.1848)
- Date
- 1848-03-11
- Page
- Spalte 171-172 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m gefunden, und ich übergebe sie hier dem lieben Leser, wie er sie aufgezcichncr hat.' Am 25. Siwan — ohne Iahcszahl. „Nachdem ich mein innigstes Gebet durch Metatron, Sandalfon und Akatriel vor den Thron des Allerhöchsten brachte, steckte ich den Sohar in die Tasche, und schiffte mich zu Majumas ein. Unsere Fahrt ging nach E^ypren. Unter dem Schutze Ruchiels landeten wir, von Stürmen nicht beunruhigt, wohlerhalten in Bula, dem Hafen von Cairo an. In Cairo, der Hauptstadt Egyptens, ja ich möchte sagen, der Hauptstadt ganz Afrikas,-mischte ich mich unter die daselbst wohnenden 20,000 Juden aller Farben, und fand, daß jene aus der Berberei die gelehrtesten sind. Ich machte sie vertraut.mit der Sendung Sabbatai's. Aus dem Verse Jesajas nso '^<2.1 NM DpJ UV vjj 2. erwies ich ihnen, daß er der wahre Messias sei, indem ich ihnen zeigte, daß die drei letzten Worte rjND gleichzahlig mit sind. Unter andern traf ich auch hier den gelehrten Rabbi Josef Philosoph!. Er fragte mich, ob ich denn wirklich Sabbatai für den wahren Messias halte? Vielleicht lasse sich auch auf uns anwenden, was ein großer Römer von den Propheten seiner Zeit sagte: Minim quod haruspex Jiaruspicem sine risu adspicere posset. Es komme ihm vor, wir spielten unter einer Decke. Ich versicherte ihn, daß ich vollkommen von der Echtheit der Sendung Sabbatai's iiberzeigt sei, und ihm immer mit der Achtung und Verehrung begegnen werde, die man einem wahren Propheten schuldig ist. Wir gingen in Frieden auseinander, und ich machte mich auf, um einige Merkwürdigkeiten Cairo's zu sehen. In der Citadelle zeigte man mir den berühmten Josefsbrunnen. Cr i|t 256' tief in den Felsen gehauen. Bis zum 1) Dieser Natan Ghazzat i, der vrtyn p2 oder auch Natan ha- Lewi (’nbn ]ro) oder N’ZUn geschrieben wird, war der bekannte Apostel des Sabbatai-Zebi und wurde mit demselben verfolgt. Man schreibt ihm zu 1) die Begründung des Werkes: Lpv'.T rHDn 'd, kabbalistische und mystische Anleitungen über das ganze Ritual, kabbalistische Darstellung der Gebräuche und Gebete für's ganze Jahr, eingetheilt nach Monaten und Festtagen und gezogen aus altern kabb. Werken in 4 Theilen: Kstyl, 1735, 4; Zolkiew, 1752, 4; Venedig, 1763,4; Livorno, 1763, 4. (.Es hatte früher nur3Bde.) Er verfaßte auch: 2) Op chüb r?Nnp ppn.: Amst. 1666, 8. Möge der Herr Uebersetzer, der mehreres hier Einschlagende hat, einige Data über diesen Prophet des Sabbatai, sei es in Bezug auf seine Missionsreisen, oder in Bezug auf seine Schriften, mittheilen. , Red. 2) Ief. 63, 4. 3) Daß unserem Natan die römische Sprache nicht fremd war, entnehmen wir aus einem seiner zurückgelassenen Manuskripte über die Genesis, worin sich zu dem Verse pNA! nsnio nm mnn ’Jd by itsrn iroi inn rwvn D’DD ’JD by folgende Anmerkung aus dem Cicero findet: Thaies enim Milesius, qui primus de talibus i*bus quaesnit, aquam dixit esse initium rerum, deum autem eam m entern, quae ex aqua cuncta fingeret. — Cic. de natura deorum Lib 1. 112 Grunde führt eine sehr zähe Wendeltreppe. Dieser Brunnen hat 3 Abtheilungen. In der ersten ist eine Oeffnuna, welche für das Grab des Patriarchen' Josef gehalten wird. Als ich einigcs Bedenken trug dies zu glauben, versicherte mir mein Führer, es gäbe in ganz Egypten keinen Menschen der daran zweifle, daß Josef hier ruhe. Ich gestand ihm, ich wundere mich sehr über die Unwissenheit und Leichtgbäubigkeit der Egypter. Es ist aus unserer heiligen Schrift bekannt, daß Joses den Israeliten den Eid abferderte, seine irdischen Reste mit nach Palästina zu nehmen. Als die Israeliten Egypten verließen, erinnerten sie sich des geleisteten Schwures. Aber Niemand wußte wo Josefs Leiche sich befinde; denn die Egypter hatten sie in einem eisernen Sarge in den Nil versenkt. Da half Aschers Tochter Serach, welche dazumal noch'lebte, aus der Noth. Sie zeigte den Ort, wö der Sarg sich befand. Moses redete nun den Patriarchen wie folgt an: Wir sind gekommen unser Versprechen zu lösen; erscheinst du uns nicht, so sind wir des Schwures ledig. Da erhob sich der Sarg aus dem Grunde des Nilstromes, und die Israeliten führten ihn mit nach Palästina. Mein Führer, der bis jetzt mir geduldig zugehört hatte, schüttelte den Kopf, und wollte sich durchaus den Patriarchen Josef, dem die Egypter alles Großartige in ihrem Lande zuschreiben, nicht abdisputircn lassen. Ich war schon im Begriffe nach Goschen, dem gesegneten Sitze, den Josef seinem Vater und dessen Familie einst angewiesen hatte, einen'Abstecher zu machen , als ein Berber mich einlud mit ihm nach Shendi, dem alten Saba (jot?) zu reifer. Ich nahm den Antrag an. Vor unserer Abreise machte ich meinen Reisegefährten auf eine in Egypten allgemein bekannte Behauptung aufmerksam, nämlich: das Delta soll einst ein großes Wasserbecken gewesen sein, und durch den Schlamm, welchen der Nil mit sich führt, habe sich durch die vielen Jahrhunderte dieses aufgeschwemmte Land herausgebildet, das gegenwärtig der Fluß mit seinen 7 Armen durchschncidet.7 Zu Jesajas Zeiten muß diese Umbildung noch nicht stattge-> funden haben; denn der große Seher prophezeihet ihm erst seine jetzige Gestalt: „Im Sturme wird der Herr seine Hand erheben, und Mizrajims Meerzunge in 7 Arme theilen, daß man trockenen Fußes durchschreite." (Fortsetzung folgt.) 4) wa-Iechi 25. 5) Sota 13. 6) j .rbm 7) Herodot: Lib II. 14. 8) nrürH?y rp rpini hn onnm . rrytcn : n'fyn ■pmi D^ru njnvh ironnnn Studien. Natan Ghazzaü's Reiseberichte.