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Der Orient · 1848-03-11 · 11 (11.3.1848) · p. Spalte 169-170

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
11 (11.3.1848)
Date
1848-03-11
Page
Spalte 169-170 (sequence 9)
Language
German
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169 170 Studien. Natan Ghazzati's Reiseberichte Berlin zurück. Der berühmte Naturforscher Martini ließ ihn in die Gesellschaft naturforschende Freunde aufnehmen. Anhaltende Arbeiten bereicherten ihn mit ausgebreiteten Kenntnissen, doch machte er die Naturgeschichte der Fische zu seinem Hauptstudium,^das er mit Eifer und Anstrengung betrieb. Sein Bruder in Hamburg mußte ihm Woche für Woche alle Arten Fische, die er nur aufzutreiben vermochte, zusenden. Und so entstand sein Hauptwerk „Naturgeschichte der Fische", welches Werk die Gelehrten „eine Zierde der deutschen Literatur" nennen. Der Verk. hatte dies kostbare Werk auf seinen Namen herauszugeben angefangen; als aber der Aufwand sein Vermögen überstieg, da ward der berühmte jüdische Gelehrte, ausnahmsweise von fürstlichen Personen unterstützt. Daher findet man unter jedem Kupferstich, die dem Werk so reichlich beigegeben, den Namen des Gönners, auf dessen Kosten sie gestochen worden! — B. starb 1799, 76 Jahre alt. Außer diesem haben sich zu jener Zeit auch viele und gelehrte Männer mit den Wissenschaften und der hebr. Sprache und Exegese beschäftigt, und ward die ganze Nation dazu aufgemuntert durch die bekannte Zeitschrift d^DNDH, dessen Hauptarbeiter, B. Lindau, Zsaak Suchet, Professor Löwe, Stadtrath Friedländer, Simon Bras u. a. m. waren. Aber da erlosch bei diesen Männern der Eifer für das Talmudstudium, und können wir nur Wessely, S. Dubno, Isaak Satnow, Wolf Heidenheim und noch einige aufrechnen, die bei ihren Studien der hebr. Sprache auch die talmudistische Literatur beibehielten» Dann aber standen Talmudisten und profane Gelehrten im Iudenthume wieder getrennt da, bis auf unsere Zeit, woselbst die Regierung dafür sorgt, daß der Rabbiner auch wissenschaftliche Bildung haben muß. Das ist heilbringend für Israel; denn nur durch die Wissenschaft kann selbst die Talmudlehre wiederum zu ihrer Reinheit gelangen, und die lächerlichen Textverdreher aus dem Garten Gottes vertrieben werden. Doch darf der Rabbiner, wie jeder Gelehrte von Fach, sein Fachstudium als Hauptsache, und die andern Kenntnisse nur als Hilfswissenschaft treiben. Der wahre Rabbiner muß also seine mehrste Muse dem Talmud widmen, das ist seine Fachwissenschaft. Daß sich leider jetzt so mancher Unwissender in Talmud und Poßkim in das ihm fremde Feld der Theologie elnschleicht und sich sogar den Rabbinertitel anmaßt, das ist allerdings schlimm, sehr schlimm, aber nicht neu. Selbst Zu Zeiten des Talmud nahm dieser Frevel schon überhand. Im Traktat Sanbedrin und im jerusal. T. Bikkurim, werden diese Eindringlinge und hauptsächlich die, die sich das Rabbinat durch Bestechung anschaffen „güldene und silberne Götzen" genannt, denen man die, dem wirklichen Rabbiner zukommende Ehrenbezeugung nicht erweisen soll. ' - Und auch nachher, in der strenggläubigsten Zeit, wo so viele berühmte Talmudisten glänzten, führt R. Samuel Edeles die nämliche Klage über diese Unberufenen, und wünscht daß man noch strenger gegen sie verfahren mochte. „Einst sagt er, wird Gott alle diejenigen bezahlen, die solche „Götzen" ausgenommen rc." — „Denn das sind Leute, die groß thun mit Kenntnissen, die 'sie gar nicht haben rc." — Wir sehen also, daß "iss NyiN"! NJ1D, tout comnie -chez nous, aber so wie damals, so gehen au<A diese Eintagsfliegen spurlos vorüber, und wirken weder Böses noch Gutes. Natan Ghazzati's Reif e berichte, in deutscher Uebersetzung mitgetheilt von Dr. M. Horschetzky. Bevor ich diese Reiseberichte mittheile, halte ich es für nothwendig, den geneigten Leser mit unserem Reisenden einigermaßen bekannt zu machen; , denn kennt man den Charakter des Mannes, so weiß man ob er richtig gesehen, die Gegenstände, von Leidenschaften nicht verblendet, gehörig aufgefaßt und beurtheilt habe, und in wie fern seinen Berichten zu trauen sei. So würde der fanatische Redakteur der Pesther' deutschen Zeitung, sollte er einmal Ungarn, in welchem es sehr viele honette Israeliten giebt, bereisen, von der Iudenheir dieses Landes nicht das reizendste Bild entwerfen, weil es ihm schon zur lieben Gewohnheit wurde, in jedem Blatte seiner Zeitung von den Juden etwas Nachtheiliges zu erzählen, und er keinen Funken Gutes von ihnen weiß. Er gehört auch unter jene Liebenswürdigen, die immer nur die Schattenseite sehen, und bei der Lichtseite wie die photophoben Eulen die Augen zudrücken müssen. Unser Natan war ein geborener Deutsche, weshalb ihn auch einige Natan Aschkenasi nennen, der um die zweite Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts lebte, seine Studien unter dem berühmten Rabbinen Jakob Chagas zu Jerusalem mit Auszeichnung zurücklegte, in Ghazza sich niederließ, und! daselbst sich auch verehelichte. Er war ein sehr gelehrter! Talmudist und Kabbalist, und der eifrigste Apostel des zu seiner Zeit viel Aufsehen erregenden Pseudomessias Sabbatai- Zebi. Es darf uns daher nicht wundern, wenn er auf seinen Reisen durch Europa, Asien und Afrika nur dasjenige auffaßte, was in sein Fach paßte, und die übrigen Merkwürdigkeiten der drei. Welttheile entweder nicht sehen wollte, oder wie der erwähnte Redakteur aus Verblendung wirklich nicht sah. Auch darf es uns nicht befremden, daß Natan nicht die gewöhnliche Route anderer großer Reisenden einschlägt. Et reiste nicht mit Extrapost, sondern wie die gute Gelegenheit sich ihm darbot, oder die Laune ihn veranlaßte; daher wir ihn bald in Cairo, bald in Ezion- Geber, dann wieder in einer Synagoge zu Tiberias, und kurz darauf ganz unerwartet wie einen Deus ex machina an den Ufern des Ganges finden werden. Seine Reiseberichte wurden zu Smyrna unter einigen entdeckten.Schriften Sabbatai - Zebi's

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