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Der Orient · 1848-03-11 · Heft 11 (11.3.1848) · p. Seite 85

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 11 (11.3.1848)
Date
1848-03-11
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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85 Kraft, mis zu wehren gegen das Unglück der Erde, und Schuld unseres strafbaren sorglosen Leichtsinns ist es allein, daß das Elend, gegen welches jedes andere ein Nichts erscheint, als geheime, tiesverborgene Geißel der Menschheilt, noch immer drohend über das Haupt eines Jeden schwebt. Und wen trifft am meisten dieser traurige Fluch des Geschicks? Die Armen, die Unaufgeklärten, deren enge Wohnungen die nothige Sorgfalt für ihre Todten unmöglich machen, und deren Unwissenheit ein solches Unglück mit als eine Fabel des Aberglaubens kennt, die sie sich mit halbem Grauen, halber Lust, und nur halbem Glauben vorerzählen. Aber auch bei den Mittelklassen ist Mangel an Raum, und Unglauben an die Existenz des Scheintodes Schuld, daß sie ihre Todten zu früh und sorglos beerdigen. In größer» Städten, wo daö Gesetz die Leichen nur eine kleine Anzahl von Tagen über der Erde duldet, findet zwar eine sogenannte Leichenschau, durch ärztliche Besichtigung, und die Beerdigung der Leichen nur nach vorgezcigtein ärztlichen Attest statt; ob aber diese Besichtigung stets mit Aufmerksamkeit vollzogen, ob sie überhaupt bei jeder Leiche vorgenommen wird, darüber lassen bekannte Beispiele von lebendig Begrabenen, in Städten, wo die Leichenschau eingeführt ist, gerechte Zweifel zu. In Stettin z. B., wo auch Leichenschau stattfindet, verbreitete sich im vorigen Jahre bei Abtragung eines Kirchhofs.das Gerücht: daß je die siebente Leiche im Scheintod beerdigt worden sei. Hoffen wir nnn auch, daß dieses Gerücht übertriebet! habe, grundlos ist es nicht gewesen, und war, selbst bei nur einem Vorgefundenen Fall,. gewiß cm würdiger Gegenstand, um die eifrigste öffentliche Besprechung und gründlichste Untersuchung zu veranlassen. Es ist aber unseres Wissens nichts der Art geschehen. Es ist früher ans dem Posenschen ein ähnlicher schauerewegender Fall berichtet werden. Solche Berichte können sobald sie als zuverlässig ermittelt worden sind, nicht oft genug wiederholt tverden, damit ein solches entsetzliches Unglück als warnendes Beispiel, zum Ruhme der Menschheit bekannt werde. So lauge es noch möglich ist, daß ein Mensch lebendig begraben werden kann, so lange trifft die Gesellschaft der Fluch dieses Unglückseligen, n. zwar mit Recht. Unser Streben muß darauf gerichtet sein, dieses Unglück unmöglich zu machen, und das kann allein dadurch geschehen, wenn keine Stadt, kein Flecken, kein Dorf mehr eines zweckmäßig eingerichteten Leichenhauses entbehrt. Hat doch jedes Dorf sein Spritzenhaus'. Und zweckmäßig zu sein, muß eS Aber den Armen n n entg eldlich zu Gebote stehen. Daß die Leichenhäuser außerdem unter spezieller ärztlicher, geistlicher und polizeilicher Aufsicht stehen müssen, versteht sich von. selbst, doch wäre es sehr wünschcuswerth, wenn jeder vorkommende Fall einer Wiederbelebung öffentlich bekannt gemacht werden würde, was bis dahin von den mit Leicheuhäusern versehenen Städten niemals geschehen. Möchten doch die Freunde der Menschheit, die jetzt durch so vielfache Vereine. Segen über die Welt der Lebenden verbreiten, nicht lässig sein, ihre edlen Gesinnungen, ihre aufopfernde Menschenliebe zum Segen der Todten od. vielmehr der geheimen Lebenden zu wenden, und auch Vereine stiften zur Erbauung und Erhaltung von Leicheuhäusern, denn Vereine allein können bewirken, was die Kräfte des Staats, aus uns unbekannten Gründen, nicht zu leisten vermögen." So weit der Aufsatz. Menu eS auch vielen jüdischen Gemeinden, namentlich den kleineren nicht gut möglich ist, wirkliche Leichenhäuser zu bauen und zu unterhalten, so müßte doch wenigstens dafür gcso.rgt werden, daß die Bestattung der Todten nicht zu fr ü h und n nr nach v orherg egangener ärztlicher Untersuchung vor sich gehe! Schließlich erlauben wir uns hier noch auf eine Schrift aufmerksam zu machen, die den in Rede stehenden Gegenstand ausführlich bespricht und daher die größte Beachtung verdient. Sie führt den Titel: W? NTip blp OD my Kritisches Sendschreibeil über das bisherige Verfahren mit den Sterbenden bei den Israeliten nebst Vorschlägen zur zeitgemäßen Verbesserung derselben, um die wahren und untrüglichen Kennzeichen des Todes zu ermitteln, und den Scheintod bestmöglichst zu verhüten, sämmtlichen Sanitätsbeamteu, Rabbinern, Religionslehrern, Vorstehern und sonstigen Gebildeten der Nation zur unbefangenen Prüfung und dringenden Beherzigung vorgelegt von Dr. med. E. A ltschuhl, der Prager mcdicin. Fakultät ordentlichem, der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde korresp. Mitgliede, und prakt. Arzt zu Prag. Prag, 1846. (Preis 10 Sgr.) W—tt. Oesterreich. Papa, 27. Febr. Die Kreuz-Vignetten des 67er Zionswächters scheinen auch hier abschreckend gewirkt zu haben, indem für das Jahr 48 nicht ein einziges Exemplar jenes Blattes bloS dieser Kreuze wegen hier bestellt wurde: obgleich eine ziemliche Masse hiesiger Altgläubigen in demselben Ausdruck und Vertretung fand. Daß aber diese Masse so mißtrauisch ist, und selbst seitdem die Kreuze schwanden keine Nachbestellung machte, zeugt neuerdings von der eisernen Konsequenz derselben. Das Gerücht, der Zionswächter habe die Ncchtmäßigkeit der Kreuze aus dem Jore Deah bewiesen, hat die Orthodoxen nur noch mehr erbittert. F—g, Italic n. Toskana, im Febr. Unsere neue Verfassung hat auch die Inden gänzlich emancipirt. Die neue

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