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Der Orient · 1848-03-11 · Heft 11 (11.3.1848) · p. Seite 84

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 11 (11.3.1848)
Date
1848-03-11
Page
Seite 84 (sequence 7)
Language
German
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84 Arbeit füge sich das Hebräische bereit, damit es dringe weit und breit; allein Gedichte gehören der Geschichte; was die Alten gesungen wollen wir hören; von den Neuen lassen wir uns nicht bethörm. Was die Alten ware n, wollen wir erfahren; wer ihr seid ist wahrlich nicht gescheidt. Die Alten mögen uns sagen, wofür ihr Herz geschlagen, was sie ohne Zagen in der Brust getragen in allen Lagen; über euch müssen wir klagen. Berlin, 1. März. Während in einem großen Th eile Europas das Feuer der Revolution brennt, treten die wässerigen jüdischen Interessen in den Hintergrund. Soll ich Ihnen mein Urtheil über eine Lissaer Predigt, über eine Schnlklopferreform mittheiten, während der Donner der Kanonen in der Seinestadt die Freiheit predigt? Soll ich Hrn/ v. Rothschild gegen den Knoblanchgernch eines badischen Deputaten vertheidigen, während Louis Blaue seine soeialistischen Tendenzen aus-, führen! will? Soll ich für die Zulassung der Inden zum Nachtwächteramte peroriren, während ein französischer Israelit Jnstizminister ist? Tritt nicht der hiesige Parteikampf in Schatten vor dem großen Völkerkampf? Nein l ich /kann nicht über diese Dinge schreiben/ Zwar bin ich sehr friedlich, ein Feind alles Blutvergießens, auch dessen, das der Talmud die ,,Beschämung" , de>? Skandal nennt; allein wenn die Völker reformiren, erblaßt die Reform der Inden. Die Reichen denken jetzt an ihre Papiere und überlassen alle Pijjutim dem Zufall; sie würden auch den Sabbat feiern, wüßten sie, daß dadurch die Course steigen, oder daß die sociatisti- , scheu Elemente unterdrückt werden. Aber Wunder! Hr. von Rothschild, die Säule der polnischen Orthodoxie, mußte schreien: Es lebe die Reform! Dies allein beweist, daß alle ZionSwächter die Sache der polnischen und politischen Orthodoxie nicht halten können. >jc Jastrow, 28. Febr. Es ist in neuerer Zeit schon öfter auf die zu frühe Beerdigung hingewiesen und der Nachweis geliefert worden, daß man z. B. von 1833—1846 in Frankreich allein* 94 Scheintodte entdeckt hat. Wir glauben daher im Jilleresse der Sache zu handeln, wenn wir einen: der ,,Berliner Polizei- und Criminalzeitnng" (Nr. 3 d. I.) entnommenen Aufsatz: ,,Uebcr die Nothwendigkeit von Leicheuhäusem^ hier folgen lassen, und hoffen wir, daß Sie, in diesem Blatic des wahrer: Fortschrittes demselben, da er einen sehr wichtigen Gegenstand bespricht, die Spalten geöffnet werden. ,,Bewegter und bunter ist das Leben und Tren ben auf der Erde, in ihren civilisirten Theiten, wohl nie gewesen als in der jetzigen Zeit. Die verschiedenartigsten Interessen des gesellschaftlichen Lebens, des menschlichen Geistes und Herzens sind Gegenstand allgemeiner Erörterung und reger Theilnahme geworden, und V Vergl. A. Z. d. Zudenth. Jahrg. 1846. Nr. 10. erleiden fortwährend theils bereits e.ingetretene Reformen, theilS stellen sie solchein Aussicht. Mögen nun die Hoffnungen, welche 'Tausende ' auf die nächste Zukunft bauen, in Erfüllung gehen oder nicht, es ist doch dadurch schon viel gewonnen, daß die bis'dahin in dumpfer Regungslosigkeit erstarrte Masse ju Leben und Bewußtsein, und 'mit diesem zur Bewegung gelangt ist. Bereits zeigen sich erfreuliche Resultate dieserallgemeinen Erregtheit. Der Egoismus schrnilzt an der Sonne des Gemeinsinns; die Bevorzugten des Schicksals erinnern sich ihrer armen Brüder, nnt> man hat in keiner Zeit so viel, - und was die Hauptsache ist, mit so viel Liebe gegeben als in der jetzigen. Während so ein allgemeines Bestreben sichtbar ist, das Leben ans der Erde für alle ihr angehörenden Geschöpfe (man stiftet ja sogar auch Vereine gegen Thierguälerei), so erträglich als möglich zu machen, muß es dem denkenden Menschei: befremdend sein, daß sich dieses Bestreben allein auf die Lebenden beschränkt. Sollten unsere Todtcn nicht noch unendlich heiligere Rechte auf unsere ganze Sorgfalt haben, als selbst die lebenden Mitmenschen? Ja wir umgeben'sie wohl mit Liebe und Trauer bis zu dem schweren Augenblick, der sic für immer unfern Armen entreißt; wir schniücken sie und da§ letzte Lager, auf das wir sie betten; wir freuen uns, wenn der Tod die Harmonie der geliebten Züge nicht zerstörte; wir schmücken endlich ihre Gräber mit Jmmortetlenkrättzen, und tragen die ewig Unvergänglichen der Liebe für sie in unfern Herzen. Aber daran denken wir nicht, daß das Herz in dem Grabe, an dem wir weinend knieen und daS wir längst gestorben wähnten, vielleicht erst in demselben Augenblick unter haarsträubenden Dualen bricht, während die Seele unter Lästerungen und Verwünschungen - /gegen Wett und Schöpfer, die irdische Hülle verläßt. Nur zu gewiß ist cs, daß viele, viele Menschen der entsetzlichste Fluch des Schicksals getroffen hat, lebendig begraben 31t werden, obgleich nur wenige Fälle eines Unglücks bekannt werden konnten, welches die schweigende Erde bedeckt. Und wenn während der vielen Jahrtausende, welche die Welt über sich hinrotten sah auch nur ein einziges Beispiel dieses Unglücks vorgekonunen wäre, würde cs nicht schon ein hinreichender Grund zur eifrigsten Sorge und Angst sein? O wer vermöchte sich nur noch einen Augenblick des Lebens zu erfreuen, so lange noch die Möglichkeit zu einem solchem Ende vorhanden ist! Soll das der Lohn sein für ein tugendhaftes dem Wohl der Menschheit geweihtes Leben? Das der Schluß eines harmlos glücklichen Daseins, das hier beneidet und gepriesen, in Rosentagen der Freude dahin floß? Dann endlich das Ende eines Lebens voll Entbehrung, voll Noth, voll Verlassenheit? Gottes Weisheit bleibt unS unerforschlich, sie läßt geschehen, was, wie unsere Vermessenheit meint, . seine Gnade so leicht verhüten Sonnte, aber er gab uns

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