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Der Orient · 1848-03-11 · Heft 11 (11.3.1848) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 11 (11.3.1848)
Date
1848-03-11
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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- 83 im Gotteshanse mit Bedauern vermissen. Das sogenannte Mizwot-Verkaufen. ist schon seit einer Reihe von Jahren abgeschafft. Die Trauungen werden in der Synagoge feierlich vollzogen. Unser würdiger Rabbiner leitet i>cu Religionsunterricht der zu konfirmircnden Knaben mit einem Eifer und einer Begeisterung, die sich auch den Zöglingen mittheilt. Wir bemerken dies bei der jedesmaligen Konfirmation, der wirmitRnhrnng beiwohnen, und von der selbst die sogenannten Orthodoxen in unserer Gemeinde sagen müssen, daß dieselbe ganz würdig ausgefnhrt wird. Herr Dr. H. ist nunmehr auch fest entschlossen, die Mädchen in der Synagoge zu konfirmiren, und können wir versichern, daß dieser Fortschritt von der ganzen Gemeinde mit vieler Freude begrüßt werden wird. Wenn Sie auch in den angeführten Fortschritten nicht gar sehr Wichtiges erblicken, so wollen Sie bedenken, daß wir im Großherzogthnme Posen wohnen, woselbst der kleinste, unbedeutendste Fortschritt erst erkämpft werden muß. — In unserer nunmehr aus drei Klassen bestehenden Gemeindeschute wird neben dem Elementarunterrichte, drei Stunden täglich Ln jeder Klaffe hebräisch gelehrt. Der Unterricht wird von den Lehrern der Anstalt geleitet. — Diese Einrichtung, wobei der hebräische Unterricht mit dem Elementarunterrichte Hand in Hand gehen, können wir den Gemeinden nicht genug ancmpfehlen. Wenn trotzdem noch so Manches für den Fortschritt zu thun wäre, so haben wir die erfreuende Gewißheit, daß in der nächsten Zukunft all dem bereits begonnerlen Baue des Fortschrittes mit vieler Kraft und Ausdauer fortgearbeitet werden wird. Denn bei der jüngst stattgehabten Wahl der Gemeindebeamten ist ein SOtaim als Synagogenvorsteher gewählt worden, dem das Wohl der Gemeinde sehr am Herzen liegt, und der mit Leid und Seele dem gemäßigten Fortschritte zugethan ist. — Es ist dies der Kaufmann, Hr. Wolf Fried mann. — Dieser würdige Mann, der den guten Willen schnell zur Thal realisirt, wird gewiß in Verbindung mit unserm Rabbillate jede nur irgend mögliche Verbesserung in Synagoge und Schule veranlassen, um beide immer mehr und mehr zu heben. Ueber die vielen Wohlthätigkeitsanstatten in unserer Gemeinde, werde ich, wenn cs Ihnen genehm ist, nächstens ausführlich berichten. Freudig hoffen wir auf unsere Gemeinde den Spruch anwenden zu können: Dein Beginn ist zwar gering, aber die Folgen werden um so größer fein. P. Berlin, 29. Febr. Es wird uns erzählt, die alten Aerztc haben gewählt deö Verses Klang, um in ihrem Drang Reeepte zu verschreiben, und die > Krankheit zu vertreiben: mit einem Wort, der Vers trieb die Krankheit fort. Ich bin zwar kein Freund deS Alten, doch lass' ich den Gebrauch walten, meine Pillen tu den Reim zu hüllen , meinen Willen durch Gleichklang zu erfüllen und die Zeitgrillen dnrch Assonanz zu stillen. Heute bin ich Homöopath in meinem ärztlichen Rath: Gleiches durch Gleiches heilen — diese bekannten Worte stehen an der Homöopathie Pforte — wollen jetzt meine Zeilen; unsere hebräischen Dichter finden in mir ihren Richter. In Berlin man Sophokles auf die Bühne bringt; in Wien man Alles hebräisch besingt; Alles beim Alten bleibt, ob man reeitirt oder schreibt. Auf den Universitäten herrscht Latein, das kann unter den Deutschen nicht anders sein. Die Deutschen lieben das römische Recht, den christlichen Herrn, den jüdischen Knecht. Deutsch zu sprechen, wäre cm Verbrechen bei Promotionen und Installationen. Gar viele Juden denken hyperboräisch und dichten hebräisch.. .Die Dichte'verschiedener Länder hüllt man in hebräische Gewänder; diese sind aber nur Pfänder, entlehnt einer Zeit, die in der Ferne weit: die Sonne verhüllt ihren Blick, so gieb denn die Pfänder zurück. Die Mcasfim haben zu ihrer Zeit den Geist befreit, und in den Landen, wo man kein Deutsch verstanden, das Hebräische zur Tages spräche gemacht; jetzt ist sie die Sprache der Nacht. In. ihren Eingeweide« wird herumgewühlt und mit ihren Schönheiten gespielt. .Ich habe nichts dagegen, treffe sich sie auf gelehrten Wegen, Mm der Wissenschaft zu dienen als Magd. Die moderne hebräische Dichtkunst ist Nebel'und Dunst, ohne Geist und Gehalt, nicht warm und nicht kalt. Gellert wird üb ersitzt, Räthsel werden aufgesetzt, die Sprache zu Tode gehetzt. Wozu schreibt ihr deutsche Lieder hebräisch nieder? Sollen in Jerusalems Hallen einst Göthe und Schiller erschallen? Sollen die Chöre der Leviten besingen den großen Briten? Wird das Lied vom Rheine gesungen beim heiligen Weine? Wird der Monolog von Hamlet zu einem levitischen Quartett? Sollen Faust's Worte schmücken des Tempels Pforte? Wollt ihr Kotzebue übersetzen, um die Gläubigen Jerusalems zu ergötzen? Sollen Petrarca's Sonette gesungen werden um die Wette? Tritt Dantes Hölle an des Scheols Stelle? Den Geiß erborgt ihr, die Form besorgt ihr! DieLandessprache sei eure Sache. Schreibt die Sprache eurer Väter statt der der Erzväter. Wollte man Euch hebräische Pässi geben, ihr müßtet stets in der Heimath leben. Verschafft der Wissenschaft neue Kraft; wendet euren Schweiß und Fleiß den Wachenden zu und lasset den „verkauften Schlaf" in Ruh. Das Hebräische hat keine Füße zum Gehen; darum laßt es stehen. Handelt hebräisch ab; die übersetzte Poesie ruhe im Grab. Soll ich euch einen Gefallen erweisen, so übersetzt „Nathan den Weisen". Auch den„Juden" von Cumberland überlasse ich eurer Hand; Uriet Acosta tretet nah, wenn ihr einmal dichten wollt und mir grollt. Doch Makbcth's Hexentänze bringen euch keine Kränze. Wählt Nationalist nur nicht Schaales. Schreibt Elegien auf Jerusalems Verblühen, besingt die Feste und nationalen Neste, Israels Leiden und seine Freuden. Der Gelehrten 11*

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