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Der Orient · 1848-03-04 · Heft 10 (4.3.1848) · p. Seite 79

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 10 (4.3.1848)
Date
1848-03-04
Page
Seite 79 (sequence 13)
Language
German
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79 hin, eine der gebildetsten Gemeinden Ungarns, die Hm. Holländer, einen der Repräsentanten sämmtlicher Israeliten Ungarns, zum Vorsteher hat, den: Reich der Finsterniß überliefert, ohne zu bedenken, daß selbst Egerscg nie in den Gauen der Staaten Phillips II. lag — so verdient dies eine Berichtigung, sowohl im Jntrcffc der Wahrheitsliebe als auch der Billigkeit. Nun zum Motiv der Abdankung Schillers, natürlich als Hypothese hingestcllt. Hr. Dr. Schiller, dem sein meilcnlauger Titel noch immer zu kurz schien, mag vielleicht eine unendliche Sehnsucht gesuhlt haben, demselben noch das More-Morenn anzuheften, was ihm aber seine Gemeinde wie billig nur nach Vortage der dazu erforderlichen Dokumente von autorisirten Rabbinen bewilligen wollte. Jur Sommer vorigen Jahres machte Hr. Schiller eine Reise, dieses goldene Vließ aufzusinden, doch es begleitete ihn das Misgeschick bei vielen Rabbinen, wozu auch das Altofner Bet-Din gehört, das vielleicht um Jahrhunderte zurück, seine rabbinischen Kenntnisse nicht in dem Maße wie der C'geröeger Gemeindevorstand zu würdigen wußte; er erlebte Schiffbruch und mußte sich mit der Hattara eines weniger bekannten Rabbiners begnügen, was aber der Epcrieser Gemeindevorstand gelten zu lassen nicht gewillt war und ihn: nach wie vor das liebe Titetchen versagte. Hr. Schiller, mit Recht .entrüstet darüber, daß seine Gemeinde strengere Forderungen an ihn stellt als er an sich selber, dankte in seiner letzten Predigt für die Stelle und bediente sich wahrscheinlich nur deswegen dieses gewagten Mittels, um seiner letzten Rede einen desto nachhaltigem Eindruck zu verschaffen. Ob dieser Eindruck ein angenehmer oder unangenehmer war, so wie darüber, ob der Eperieser Gemeiudevdrstand seine bald darauf erfolgte Konkurs-Ausschreibung zu bereuen habe, mögen andere beurtheiten. Niedcrschlagend ist es jedoch für uns Ungarn, daß selbst bessere Köpfe, dem bloßen Ruhme, More-Morenn genannt zu werden, nachjagen und dadurch nur sich verkleinern. Ein Mann 'wie Schiller, mit schöiter Rednergabe mib freier Gesinnung , den der Fortschritt in Ungarn zu den seinigen stets gezählt, sollte über diese Eitelkeit längst erhaben sein, er sollte zeigen, wie er diese werthtvsen und nichtssagenden Titel, die nicht einmal den Werth einer klingenden Schelle haben, verachte und mehr die praktische Wirksamkeit liebe. A. N. Großbritannien. London, 19. Febr. Ich sende Ihnen auch über das Schicksal der Judcnbill bei der zweiten Lesung im Unterhanse, jedoch, wie bei meinem vorhergehenden Artikel,*) Sie mit den eigentlichen Reden, da durchaus kein neuer Standpunkt der Jndenftage in ihnen zu entdecken ist, verschonend. Der Antrag auf die zweite Lesung der Bill wurde den 7. dieses Monats gestellt, mit diesem Antrag begannen die Debatten und unter den Reden waren die des Toryhaupt Sir-Robert Peel und des irischen Parlamentsmitgliedes Shiel die vorzüglichsten. Es waren die glänzenden Siege der Menschlichkeit und der Freiheit; der Standpunkt dieser großen' Redner war ein so edler und freier, über deutsche Winkel-Humanität so erhaben, daß ich unwillkürlich damit die zwerghaften Gesinnungen meines deutschen' Vaterlandes verglich und durch diese Vergleichung sehr verstimmt wurde. Es lagen freilich eine große AnzahlPetionen für und gegen die Emaneipation vor, aber selbst die gegen die Juden, -wie ehrenhaft waren diese abgefaßt! Am 10. d. M. kam eine Petition ins Oberhaus zu Gunsten der Judenemaucipatiou vor; sie war aus Bristol und zählte 7000 Unterschriften, und da es Viele gicbt, die großes Bedenken über das Resultat unserer großen Zeitfrage im Ob er Hause tragen, so ist diese Petition, vorgelegt von Lord Fitz har dige, ein schönes Vorzeichen. Am 11. d. M. wurden die Verhandlungen in der Jndenftage, nach einer kurzen Unterbrechung von Neuen: ausgenommen und an demselben Tage langte eine Petition aus Westminster für das Unterhaus zu Gunsten der Juden an, die 6000 Unterschriften zählte. Diese Westminster-Petition wurde durch ein zu Ende Januar abgehaltenes Meeting vorbereitet, dessen Verhandlungen zu Gunsten der Juden bekannt geworden und ein großes Buch füllen können. Dergleichen Meetings wurden abgehatten m.London, Derby, Cambridge und in andern Orten, jedoch nicht immer zu Gunsten der Juden. Daß Sir Rob. I n g l i s, tcr berühmte Pin ch a s oder Eiferer für ein christliches England, eine ganze Ladung von Petitionen im Geiste hechkirchlichcr Unduldsamkeit gebracht, versteht sich von selbst, und dennoch ist dieser Gegner, dem sich Sir Z. U. Vuller, Col. Reid, Mr. Frewen, Alderm. Thompson, Mr. M il.es u. A. cmgeschlossen, mit seiner Partei, sehr ehrenwerth. Das Resultat der zweiten Lesung werden Sie vielleicht schon wissen; mit 277 gegen 204 Stimmen ging die zweite Lesung durch und wir harren, mm des Ausganges im Oberhause. war und meine Leser konnten sich mit dem nntgetheilten Resultate begnügen. Die beigeschloffenen Auszüge aus den Reden, abgesehen davon, daß'sie ihrer Umfänglichkeit wegen in einem Wochenblatte gar nicht mittheilbar waren, erschienen auch überflüssig, da in Berlin bei Adels u. Comp, sie vollständig gesammelt erschienen. Red» *) Der erste Artikel gelangte viel zu spät an, nachdem das Resultat bereits in allen politischen Seitblätttrn bekannt

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