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Der Orient · 1848-03-04 · Heft 10 (4.3.1848) · p. Seite 74

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 10 (4.3.1848)
Date
1848-03-04
Page
Seite 74 (sequence 3)
Language
German
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74 Freiheit der Juden? Mein deutsches Vaterland, wann werden deine Landväter uns ein Vaterland geben? Wann wird die Liebe eine Wahrheit, die Religion der Liebe verwirklicht werden? Stumm ist Alles, die Zunge ist gefesselt. . Entfesselt ist aber die Zunge bei uns in Berlin. Zur Ehre des Gottes des Friedens fallen sich die Parteien gegenseitig an. Jede will den Sieg; wer siegt aber im Bürgerkrieg? Auf den Trümmern unserer Zustände sitze ich, ein klagender Jeremia, und weine in stiller Nacht. rft Berlin, 22. Febr. In der That ist ein Kandidat jetzt rathlos und blos in Abraham's Schooß. , Sonst konnte er an Freitischen sich erfrischen; jetzt muß er im Trüben fischen. Man hielt es für eine Ehre, die Jünger der Lehre zu erhalten, bei den Alten, die Neuen scheuen diese Sitte und erfreuen nie des Kandidaten Tritte, erhören nie seineBitte, treten nie in seine Mitte. . Mögen sie es bereuen! Das Herz der Reichen läßt sich nicht erweichen, und eher läßt ein Ccusor das Streichen als das Vornehmthun die Neichen. Statt ruhig zu studiren, muß der Kandidat die Feder führen, sich als Lehrer geriren, oft kriechen auf allen Vieren in des Verdienstes Revieren. . Die Jeschibot haben aufgehört, und die Bitte nach Fakultäten, die Noth thäten, blieb unerhört! So bleibt's ihm selbst überlassen, das Judenthum zu erfassen, er zieht hin und her, die Kreuz die Quer, ruht bald bei Hellenen auö, kehrt bald bei Syrern in's Haus, pilgert bald nach Jemen, mit mit Arabesken sich zu verbrämen, in Aram richtet er seinen Vater zu Grunde, lebt in Egypten eine-Stunde, sucht goldene Tristen in Assyriens Inschriften, zieht dann nach Charan, lebt bei Laban, zieht nach Kanaan, studirt Phönicien's Reste, findet sich ein unter Persepoli'ö Gäste, auch China's Herrn sind ihm nicht fern: was ist aber des Pudels Kern? Fremd in Zion, heimisch in der Julirevolution; die jüdischen Philosophen sind ihm unbekannt, desto besser kennt er Kant; Jehuda ha- Lewi hat für ihn nicht gesungen, Jbn Esra's Leier ist für ihn nicht erklungen, in Ktopstock's Messias ist er eingedrungen, in höhere Regionen hat er sich geschwungen durch die Dichtungen pietistischer Richtungen. Hegel verehrt er, mit Schetting verkehrt er, Fichte belehrt -er, das Judenthum verkehrt er l Thiers und Guizot, Voltaire und Rousseau, Hume und Locke, Mitton und alle englischen Klopstocke, Göthe's Tasso und den Semilasso , kennt er, nennt er; aber Charisi und Immanuel, Aboab und Abravanel, Adrat und Ghajat, Ralbag und Semag, Eideleö und Jeitteles, More Nebuchim und Wikknchim sind ihm nicht verwandt, für ihn ein fremdes Land, dahin er Kundschafter sendet, deren Bericht endet: Thoren sind die, so wir gesehen, laß sie gehen — und in der Wüste leer, zieht er vierzig Jahre einher , zu Vierzig kommt der Verstand, ist den Talmudisten bekannt. Vergebens - suchet der Kandidat, einen guten Rath, ihm fehlt die Saat, um ihn kümmert sich nicht der Staat. Zitm Negiren braucht man nichts zu wissen; darum sind unsere Kandidaten beflissen -im Sokratischen Nichtwissen. Ich glaube die Fakultät kommt bald zuspät: von den Gesetzen bleiben nur Fetzen, der Talmud wird verbannt, die jüdische Literatur verbrannt, der Unbeschnittene ein Jude-genannt! * Berlin, 24. Febr. Seit 1492 hat Spanien keine Jüdin gesehen. Am letzten Hofballe erschien die Königin Jsabetta in einem jüdischen Kostüme, wie die französischen Blätter melden. Außer der Baronesse von Rothschild ist Jsabella ' die einzige hoffähige Jüdin. Fast wird die Prophezeihung des Sohar, daß im Jahre 5608 der Messias sicher erscheint, eine Wahrheit. ' Wenn man am spanischen Hofe sich jüdisch kleidet, und in Meklcnburg jedes äußere Kennzeichen des Judenthums entfernt wird; wenn in London die Minister den Inden das Wort reden und in dem großen Reiche Detmold die Juden einen höchst komischen Leibzoll zu bezahlen haben, so ist die messianische Zeit nicht mehr fern. — Der große Staat Detmold ist übrigens höchst originell. Die jüdischen Fleischer sind dort verpflichtet, die Zungen ihres 'Schlachtviehes herzugeben. Wenn dies die Schochtim beträfe, die in der Regel lose Zugen haben, so wäre es noch begrcisiich. Bei Sterbefätlen müssen die Juden in Detmold eine besondere Steuer entrichten. Bei den Griechen kam der Todte mit einem Obolus davon; in Detmold ist man viel klassischer, und der Orcus in Detmold ist nicht so billig. — Wenn übrigens eine spanische Königin sich jüdisch kleidet, so kleiden sich unsere hiesigen jüdischen Damen königlich. Der Luxus ist die Erbsünde der Juden. Jasirow, 20. Febr. Mit Bezug auf unsere Mittheilung über den sich hier aufhaltenden heimatlosen jüdischen Knaben Moses (s. Nr. 3 d. Vt.) erlauben wir uns den geehrten Lesern in aller Eile die Nachricht zu geben, daß in Folge einer dem König!. Hohen Justizministerium vorgelegten Bittschrift hier so eben eine Verfügung des König!. Oberlandesgcrichts zu Marienwcrder . eingingdie dem hiesigen Land- und Stadtgericht aufgiebt, dafür Sorge zu tragen, daß der Findling Moses, falls nachgewiesen wird, daß er beschnitten sei (und dies läßt sich durch ärztliche Atteste sehr gut - Nachweisen) in der jüdischen Religion erzogen werde. —- Nächstens mehr über btejett Gegenstand. W—ll. Nus der Provinz Posen, Ende Januar. (Schluß.) Und haben bis jetzt auch nur noch sehr

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