Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-02-26 · Heft 9 (26.2.1848) · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 9 (26.2.1848)
Date
1848-02-26
Page
Seite 70 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360536--6295-3533924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 70 - diese freiem und freisinnigen Herren, die sich ja so groß geberden, daß sie , der talmndischen engen 'Fesseln. sich entledigt haben, und nur. rein auf b ib l isch e n S t a n dpunkte stchen wollen, verlassen nun nebst dem Talmud. eben so treulos die Bibel, wo es Ihnen gilt, einem Abtrünnigen zn Gefallen zu reden? Für ein Gesei^, das das festeste Band seit Abraham bildete, wegen dessen zeitweiliger Unterlassung selbst ein Moses mehr als g e t a d c l t wird , wegen dessen Attftechthaltttng vor und nach den Makkabäern, tausende nnd tausende Blutzeugen ihr Leben opferten, nm Märtyrer zu sein, nichts gegen dasselbe aber als einen tz im JoreDea anführen zu können .— .wahrlichdas ist mehr als man vom biblischen Standpunkte' aus hätte erwarten mögen, und wir können, wie jener Rabbi im Talmud (Sanhedrin 83!)) sagen: ndk/ *ijj lno1? wo rninp m -di mob)' -ps%iWN “in. Wie , wenn jener Vater, der seiner Handlung nach 31t urtheilen, gewiß doch auch der talmudischcu Fesseln, sich entledigt hat, den Hrn. Rabbiner gefragt hätte, ob die Bibel (nicht der Talmud) seine Unterlassung billige^- was hätte er ihm wohl geantwortet? Hätte er wohl sagen können, er verstände die Bibel und deren Geist und deren Gebote besser, als Moses und die Propheten sie auffaßten , und darum dürfe heutzutage die Beschneidnng unterbleiben. Recht hat also der Schreiber aus Meklenburg-Schwenn, in der Z. d. I. Nr. 5, daß Hr. Dr. Einhorn besser gethan, den Vater zu bekehren, und seine fromme Beredsamkeit bei diesem anzttwenden. — Doch seien wir auch so getröstet, wie Hr. E., daß auch dieses Bnndeszeichen nicht ans Israel. schwinden werde, bis die Erde, wie ein Kleid altert, und die Himmel wie Rauch zerfließen. K. Leipzig, im Fcbr. Die Allg. Zeit, für Christenthum und Kirche schreibt: „Der Prediger bei der Leipzig-Berliner Synagoge, Ad. Jeilinek, hat herausgegeben: „Die erste Konfirmationsfeier in der Leipzig-Berliner Synagoge am 22. Mar 1847". (Leipzig, C. L. Frrtzsche.) Bei dieser Konfirmation wurde ein Mädchen eingesegnet. Die Feier selbst bestand aus folgenden Theiten: Gesang des 8. Psalmes; Gebet der Konfirmandin; Einleitungsrede über 5 Mos. 6, 5—7; Anrede..an die Konfirmandin; Prüfllng; die Eltern segnen ihr Kind; Glaubensbekenntniß; Gesang des 67. Psalmes; Schlußgebet der Konfirmandin; Schlußrede. Es hat uns Wunder genommen, daß auch in die Synagoge ein G l an b e n s b e k e n n.t n i ß ausgenommen worden ist; denn wie das neue Testament, so weiß atlch das alte Testament nichts von den Fünvahrhaltnngcn des sogenannten Glanbeils. Daher bemerkt Dr.. B. Beer in seiner Schrift: „Die freie christliche Kirche und das Jndenthum". (Leipzig. Hunger. 1848.): „Unter dem Worte „Glauben" (Emuna) wird in den talmndischen ^Schriften jed es mal V ertrau en, leberrdiger, zuversichtlicher Glaube an die Allgüte Gottes . . . verstanden. Das .Jndenthum hat darum auch nie besondere Glaubensartikel festgesetzt". Nach diesen Ansichten kann das Kind '-nur veranlaßt werden, zu g e l oben, Gott dem Heiligen zn v er trau en; es kann weder bei Juden noch Christen voll einem Glanbcnsbekerrntniß, sondern'nur von einem Gelübde deö V ertrank ns die , Rede sein. — Ans der „Prüfung" heben wir die letzte Frage hervor: „8. Fr. Wa§ lehrt die israelitische Religion über - die Zukunft der Menschheit? Antw. Der Ewige wird regieren immer und ewig. An jenem Tage wird dek Ewige einig-einzig und sein Name Einig-Einziger sein. Alle Menschen werden friedlich und brüderlich Gott als den einig-einzigen Vater anerkennen , wie uns dies die Propheten verkündet haben". — Bei der herannahenden Kiiideremsegiinng unter den Evangelischen empfehlen lvir dies^. israelitische Eittsegnttngsfeier angelegentlich zur Beachtung und Vergleichung. ' ' . , Krotosä)in, den 13. Februar. Die Wahlen der Mitglieder zur Bildung einer Kommission, welche laut Gesetz vorn-23. Juli 1817 § 63 —57 über die in dieser oder jener preußischen Synagogen -Gemeinde anögebrochenen" Zwistigkeiten in inner« Kultuseinrichtungen ihr Gutachten abzugeben haben, sind, soweit uns bekannt, mit Ausschluß einiger Gemeinde)! der Provinz Posen, wo solche schon statt gefunden haben, in Aussicht, es dürfte daher noch an der Zeit/ sein , über die zn treffenden Wahlen sich zn äußern und nachzuweisen, ob nnd inwiefern es rathsam sei, Rabbinen oder Laien zn dieser Kommission zu wählen. Der Impuls zur Besprechung dieses nicht unwichtigen Gegenstandes gab mir eigentlich eine Korrespondenz in diesem Blatte Nr. 6 d. I. mit der Chiffer 3E8, die über die in Poserr den O. Rabb. S.1 j 0m 011 Eg er getroffene Wahl handelt, und sich hierüber misfätlig anöspricht, weil dieser nnd nicht Dr. Gebhardt, Rabbiner zu Gnesen, gewählt worden, ohne nachgcwiesen zu haben, daß nur Dr. G. das geeignetste Subjekt zum Mitglied einer solchen- Kommission wäre, außer — dies ist sein Argument — daß derselbe ,, rühm liehst bekannt" sei und „einen verbreiteten Ruf habe." Nun hat sich aber Dr. G. weder durch irgend eine Schrift rühmlichst bekannt noch durch Bekämpfung einer nicht zu duldenden Richtung im Judenthulne ctnm Ruf erworben, vielmehr scheint derselbe ans Ruhm und Ruf, ganz seinem biedern Charakter angemessen, gern zn verzichten und wirkt lediglich in seiner jetzigen Gemeinde wie jeder redliche Seelsorger geräusch- und anspruchslos; was hat also dieser, außer seiner höhern. Schul- und Universitätsbildung, gegen Eger im Voraus? Talmndisehes Wissen? Diese Behauptung wird hoffentlich Herr W. nicht aufstellen wollen. Etwa Einsicht, Weltklugheit und Weisheit? Diese Prädikate dürfen wir doch wohl bein: ehrwürdigen Alter in reichem Maaße voranösetzcn! Oder etwa die von.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.