Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1848)
- Date
- 1848-02-26
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
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69 bleiben muß, den in jedem Falle einzuziehenden Betrag nach ihm -bekannte» Verrnögcns- oder Erwerb- . Verhältnissen des Beiheiligten festzusetzen. Die Einziehung eines Pauschquantums von 1 Thtr. kann daher nicht als ungesetzlich betrachtet werden. Stettin, den 10. November 1847. Königliches Ober-Landes Gericht. ' (gez.) Selbstherr. Hiernäch sotl also der R i ch ter die Vermögen§- oder Enoerbsverhältnisse eines Jeden in ein cm Orte, wie der hiesige (o. 50,000 Seelen) kennen (?) und darnach arbitriren! Auch in Bezug aus die Bildung und Llbgrenznng der Synagogenbczirke, waltet eine verschiedene Praxis bei den Köuigl. Reglerungen ob. Während die Cööliner Regierung au§ jeder Stadt ihres Bezirks eine Syuagvgengenleinde bildet — was freilich nur Miniatnrgemeinden 1 abgeben durfte — hat die hiesige König!. Regierung, welche überhaupt für die Fortbildung des Judenthums die humansten Prinzipien befolgt, die Bildung der Synagogenbezirke nach den bestehenden tandräthlichen Kreisen angeordnet. Demzufolge wird der hiesige Synagogenbezirk aus 6 Städten (e. '1000 jüd. Seelen) bestehen, zu deren Kommiffarins der Landrath vou Puttkammer ernannt ist. Ihr Posener Korrespondent W. will in der von hier ans erfolgten Empfehlung des von W. L üders heransgegebenen „Wächters an der Ostsee" eiue buchhändlerische Spekulation wittern, und glaubt daß sich der Obervorsteher hiesiger Gemeinde zur Erreichung solcher Zwecke hat bereden lassen, die genannte Monatsschrift zu empfehlen. Da hat sich aber^ der Herr W. in seiner Korrespondenz in Nr. 6 Ihres, geschätzten Orients doch stark geint, es geht ihm wie jenen: Polen, der die Anfertigung einer Kanone dahin erklärt: ,,d a ß m a n e i n L o ch ni m ut t n n d ein S t ü ck Ei scn h crn m! eg t". Er hat irgend einen lächerlichen Gedanken ergriffen, ihn mit einem uuzeitigeu Witze bekleidet und in die weite Welt geschickt als — Knallpulver. Dem Herrn W. wollen wir hiermit nur au die Worte des achtbaren Dr. Frankel erinnern, der sagt:'' ,,Die Bestrebungen, das dem Judeuthnm gebührende Recht zur Anerkemnmg zu bringen, treten von verschiedenen Seiten hervor, und sic können, mag auch •1) Mit Ausnahme der Gemeinde?u Stolp. 2) Welcher sich bekanntlich bei dm landständischen Debatten mit aller Kraft für Emancipatkon der Juden verwendet hat. 3) Das Faktum ist mir genau bekannt. 4) Vorwort zur Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums. 1844. nur ein zweifelhafter Erfolg die Bemühungen krönen, nicht niedergedrückt werden, da der Kamps dem geheiligten Rechte der Menschheit gilt." Noch bestehen manche falsche Ansichten und sehr irrige Voraussetzungen gegen uns bei der christlichen Bevölkerung, und Jeder ist in seiner Sphäre berechtigt und sogar verpflichtet, diese Jrrthnmcr .LU berichtigen, den Irrenden auf den Weg der Wahrheit zu geleiten, und das Judeuthnm gegen äußere Angriffe nach Möglichkeit zu rechtfertigen. Wenn nun den Inden Vorkärupser erstehen , d i e d e rn Jude n t h n:u esc l b st nicht a u g e h ö r e n , so sind deren Bemühungen gewiß der Unterstützung würdig, rrnd ist eine Empfehlung des gedachten „Wächters an der Ostsee", von einem lichteren Standpunkte aus betrachtet, gewiß gerechtfertigt. —-X.— Aus Pommern, im.Febr. (Aus dem Briefe eines Freundes, mitgetheilt von Welmy.) Sie fragen-mich, was ich zu der Antwort Einhorn's in der BeschueidungSfrage sage? Lieber Freund, was ist da -noch anders zu sagen, als das Wort des Propheten: „Wehe euch Hirten, die ihr irre leitet und zersplittert meine Heerde". Als vor A. Jahren in Frankfurt a. M. einige dem Judenthum entfremdete in ihren: Nihilismus sich breit machende. Mensche):, mit ihrer Reform hervortraten, nahm mau die Sache für das , was sie in der , That war — für Effcktge schrei unreifer Westverbesserer, die wie Herostrat nur einen Namen haben wollen und müßte auch der Tempel des Judenthums verbrannt werden. Daß Hold heim dies billigte (in einer eigenen Broschüre) war ebenfalls zu erwarten, denn es galt, wie der Berliner "Korrespondent des Orients eben so wahr als witzig bemerkte,s etwas aus dem Judenthum abzuschaffen, aber nun kommt Herr Einhorn und weist mit großern Wortschwulst und zum Schluffe mit frömmelnder. Salbaderei, nach, daß nach Jore Dea 2, 7, der unbeschnittene Israelit weiter nichts als ms 1Tb sei, und nur rro n^n und dedneirt einen auf der ungemein erbaulich klingt. Ich will absehen von dieser Bocher-Gelehrsanckeit, die einen Paragraph int n"d"i oder sich zum Stutzpunkt holt, ohne auf den Geist und den Sinn des Gesetzgebers weiter einzugehcn, der sicher seine Glossen nicht geschrieben, damit Jemand die Abschaffung des ganzen Gesetzes daraus dedneire; ich will auch nicht oberflächlich aus die erste Mischna in Kcritut Hinweisen, die unter die dortigen der Karct-Strafe verfallenen neben dein unbeschuittcuen Israeliten "a u ch den Sabbatschänder den jnOiT) l"p 12)]) ^h)üh und Fälle rechnet, die ob schon auch DT! mD (wornach heut zu Tage wohl kein Fortgeschrittener (!) mehr fragt) gewiß von keinem Rabbiner als so nichtssagend dem Judeuthnm gegenüber betrachtet und beurtheilt werden mögen, wie gesagt, ich sehe von solchen Spitzsindigkeijen ab; aber ich frage anders: Wie?